Neues Aussteigerprogramm für Neonazis

Aussteiger aus der rechtsextremen Szene sollen in Sachsen künftig besser unterstützt werden. Wie Innenminister Markus Ulbig (CDU) am Donnerstag in Dresden mitteilte, wird der Freistaat jährlich 260.000 Euro für ein Aussteigerprogramm zur Verfügung stellen. Im Gegensatz zu den bisher beim Landesamt für Verfassungsschutz angesiedelten Programmen sollen ehemalige Neonazis nicht mehr nur persönlichen Schutz erhalten. Vielmehr werden sie nun auch von Sozialarbeitern auf dem Weg in ein "sozial gestärktes Umfeld" begleitet. Das Programm läuft unter der Federführung des Landespräventionsrates.

Neonazis bei NPD-Festival in Gera am 11.7.2009


"Ich bin mir durchaus bewusst, dass wir nicht den harten Kern der Szene erreichen werden."

Markus Ulbig, sächsischer Innenminister

Programm soll auch Eltern von Neonazis helfen

Das Programm soll Anhängern der Szene eine Chance bieten, sich von der "menschenverachtenden Ideologie des Rechtsextremismus ein für alle Mal zu verabschieden", erklärte Ulbig. Es biete gewissermaßen "Platz für eine Heilung". Sachsen wolle eine Brücke für jene bauen, die selbst erkannt haben, dass sie sich auf einem falschen Weg befanden. Für sie müsse es einen Weg zurück in die demokratische Gesellschaft geben. Die Bemühungen würden sich auch an Eltern von auffälligen Jugendlichen richten. Viele Familien seien hilflos.
"In meiner Zeit als Pirnaer Oberbürgermeister sind mir immer wieder Eltern gegenüber getreten, die nicht mehr wussten, wie sie mit ihren Kindern umgehen sollten", sagte Ulbig. Die rechtsextreme Szene in Sachsen umfasst nach Ulbigs Angaben etwa 1.500 Personen, von denen rund die Hälfte "Ersttäter" seien. Er hoffe, zehn Prozent dieser Ersttäter zu erreichen, erklärte der Innenminister.

Programm "Weltoffenes Sachsen" wird fortgesetzt

Zugleich kündigte Ulbig eine Fortsetzung des 2004 aufgelegten Programms "Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz" an. Das Programm wird vom Freistaat jährlich mit zwei Millionen Euro finanziert. Es unterstützt Initiativen wie das Kulturbüro Sachsen, das sich um Projekte gegen Fremdenhass und für eine starke Zivilgesellschaft engagiert. Nach Angaben von Ulbig wird das Programm von der Staatskanzlei in die Zuständigkeit des Innenministeriums überführt.

Zuletzt aktualisiert: 08. Oktober 2009, 17:19 Uhr

 

 
 
 
 
 

 

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