Nach Mord an Ägypterin

Richter im Zeugenstand: Täter ging zielstrebig vor

Als "konzentriert, zielstrebig und geplant" hat ein Zeuge die Attacke des Angeklagten auf eine Ägypterin in einem Dresdner Gerichtssaal beschrieben. Am zweiten Prozesstag um den tödlichen Messerangriff sagte am Dienstag der Richter des damaligen Verfahrens, Tom Maciejewski, aus, der in Russland geborene mutmaßliche Täter sei ihm nicht verwirrt vorgekommen. Auch habe er sich zunächst nicht auffällig verhalten. Mit der Attacke im Gerichtssaal habe er überhaupt nicht gerechnet.

Prozess um Mord an Ägypterin Marwa al-Sherbini in Dresden
Der Prozess um den Mord an der Ägypterin El-Sherbini ist mit der Vernehmung wichtiger Zeugen weitergegangen.

Rassentheorien des Angeklagten

Auch die als Zeugin geladene Staatsanwältin des damaligen Verfahrens sagte, der Angeklagte habe zwar mit einer bemerkenswerten Selbstverständlichkeit seine rassistischen Ansichten geäußert, aber es habe nichts für einen körperlichen Übergriff gesprochen. Bis dahin habe er sich straffrei geführt. Richter Maciejewski erlebte den Angeklagten in der Verhandlung am 1. Juli als redegewandt, freundlich, ruhig und sachlich. Allerdings habe er auch gesagt, dass er Menschen nach europäischen und nichteuropäischen Rassen unterscheide. Letztere hätten kein Recht, in Deutschland zu leben. Der 28-Jährige soll auf die Frage, warum er die Ägypterin beschimpft habe, gesagt haben: "Ich finde es nicht in Ordnung, dass diese Monster nach dem 11. September nicht rausgeschmissen wurden." Maciejewski sagte, nach ihrer Vernehmung habe Marwa El-Sherbini gesagt, dass der Islam eine friedliche Religion sei.

Richter Tom Maciejewski
Richter Tom Maciejewski hat die Vorgänge vom 1. Juli noch nicht verarbeitet.

"Alles ging rasend schnell"

Als die Familie den Saal verlassen wollte, sei dann "alles rasend schnell gegangen." Zunächst soll der Angeklagte auch den damaligen Richter bedroht haben. Maciejewski sagte: "Ich dachte, er sticht mich in dem Moment ab". Anschließend habe der Russlanddeutsche plötzlich "wie ein Berserker" auf die junge Mutter eingeschlagen. Die dumpfen Schläge hätten sich wie Maschinengewehrsalven angehört. Bereits am Montag hatte der Witwer der getöteten Frau den Angriff als Minutensache geschildert.

Ägypterin hatte keine Überlebenschance

Wie eine Rechtsmedizinerin am Dienstag aussagte, hatte Marwa El-Sherbini keine Überlebenschance. Die 31-Jährige wäre auf jeden Fall innerhalb weniger Minuten verblutet. Die Obduktion habe 16 Stichverletzungen ergeben, die meisten davon in den Rücken. Ein Stich habe das Herz getroffen, andere die Lunge. Der Angreifer habe zudem mit erheblicher Wucht zugestochen. So habe er mehrere Rippen durchtrennt. Marwa El-Sherbini hatte zudem keine Chance, sich zu wehren. Nach Angaben der Gerichtsmedizinerin fehlen Hinweise auf die typischen Abwehrbewegungen.

Gegen den Richter sowie den Gerichtspräsidenten liegt inzwischen eine Anzeige wegen Verletzung der Sicherheits- und Sorgfaltspflichten vor. Maciejewski sagte dazu, es habe "keine Anhaltspunkte" für notwendige Sicherungsmaßnahmen gegeben.

Polizisten gehen mit dem vermummten Angeklagten Alex W. in einen Verhandlungssaal des Dresdner Landgerichtes.
Der Angeklagte erschien vermummt und provozierte so das Gericht.

Angeklagter provoziert Gericht

Für den Tod der Frau muss sich vor dem Landgericht ein 28-jähriger Spätaussiedler aus Russland verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord an der schwangeren Ägypterin und versuchten Mord an ihrem Ehemann vor. Er soll die Frau nach einer Berufungsverhandlung erstochen haben, in der es um eine Geldstrafe ging. Der Angeklagte hatte sie als "Islamistin" und "Terroristin" beschimpft. Zum Prozessauftakt am Montag hatte er das Gericht provoziert und dafür eine Geldstrafe bekommen.

Panzerglas im Gerichtssaal

Der Mordprozess findet unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Das Landgericht gleicht einem Hochsicherheitstrakt. Im Schwurgerichtssaal wurde eine mobile Wand aus fünf Zentimeter dickem Panzerglas eingebaut. Der Tod der Frau hatte in arabischen Ländern für Empörung gesorgt. Einige Prediger hatten die Muslime zur Vergeltung aufgerufen. Insgesamt sind für den Prozess elf Verhandlungstage geplant.

Zuletzt aktualisiert: 27. Oktober 2009, 19:56 Uhr

 

 
 
 
 
 
 

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