Jubiläum : Zwickauer Torwartlegende Croy wird 65
Der Zwickauer Jürgen Croy gilt auch im Rentenalter noch als Fußballlegende: 94 Mal war er Nationaltorwart der DDR, 372 Mal stand er auf Vereinsebene im Kasten von BSG Motor beziehungsweise Sachsenring Zwickau. Am Mittwoch feierte der "Panther von Planitz" seinen 65. Geburtstag. Mit seinen Glanzparaden verdiente er sich den Respekt der Stürmer und die Anerkennung seiner Fans. Croy zeichnet aber noch eine Besonderheit aus, die im heutigen Profifußball beinahe antiquiert erscheint. Er personifizierte sich stets mit seiner westsächsischen Heimatstadt Zwickau, der er bis heute treu bleibt. Und das haben ihm die Zwickauer Fußballanhänger auf der Halde, wie das Westsachsenstadion umgangssprachlich genannt wird, immer hoch angerechnet.
Fans drohten für den Verbleib "ihres"Torwarts mit Streik
Als Croy auf Druck des DDR-Fußballverbandes zu Dynamo Dresden delegiert werden sollte, drohten einige Mitarbeiter des volkseigenen Trabant-Werkes kurzerhand mit Streik. "Das wäre für den Ruf der DDR natürlich eine Katastrophe gewesen, und das wussten die Funktionäre ganz genau", sagt Croy, der damals in seiner Heimat bleiben durfte. Dreimal war Croy, der seine Karriere als Stürmer begann, in der DDR der "Fußballer des Jahres".
Als größten Erfolg im Trikot der Westsachsen bezeichnet Croy den Sieg im FDGB-Pokal 1975. Damals hielt er gegen Dynamo Dresden zwei Elfmeter und verwandelte den entscheidenden Strafstoß zum 4:3-Sieg. Die Erfolge in der darauffolgenden Europapokal-Saison, unter anderem gegen Celtic Glasgow und den AC Florenz bis hin zum Halbfinaleinzug gegen den späteren Sieger RSC Anderlecht, waren ebenfalls Glanzlichter seiner einzigartigen Karriere, die im Alter von 35 Jahren nach einer kompletten Oberliga-Saison 1981 endete.
Beachtliche Erfolge auf internationalem Rasen
Auf internationaler Ebene war die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 1974 in der Bundesrepublik Deutschland ein Highlight, bei der Croy unter anderem beim legendären 1:0-Sieg gegen die BRD ohne Gegentor blieb. Von den Olympischen Sommerspielen 1972 in München brachte er eine Bronze - und 1976 aus Montreal eine Goldmedaille mit in die westsächsische Industriestadt, die wegen ihrer Fabrikschlote und schmutzigen Luft damals auch als "Ruß-Zwigge" bekannt war. Croy sagt heute: "Ich hatte das Glück, dass die beste Phase des ostdeutschen Fußballs genau in die Zeit meines eigenen Leistungshöhepunkts hineinfiel." Am Ende wurde er als "bester Fußballer in 40 Jahren DDR" gewürdigt.
Wechsel vom Fußball zur Kultur in seiner Heimatstadt
Nach seiner aktiven Zeit versuchte der Ehrenbürger der Stadt Zwickau sein Glück als Trainer bei der BSG, nach der Wende saß er zudem im Präsidium und Aufsichtsrat des Klubs. Später übernahm Croy das Amt des Kulturbürgermeister der Muldestadt. Heute ist er Geschäftsführer der Kultur-, Tourismus- und Messebetriebe Zwickau GmbH, Ende des Jahres geht er in den Ruhestand. In einem Fußballtor hat Croy nach eigenen Angaben zuletzt vor zehn Jahren gestanden. "Ich vermisse es nicht, denn ich habe ja meine Erinnerungen", sagt die Keeperlegende, die bis heute sprichwörtlich auf dem Boden geblieben ist. Auch im Tor war Croy übrigens stets eher bodenständig: "Ich war nie ein Show-Flieger", sagt er rückblickend.

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