Ausländische Ärzte in Sachsen : Sprachproblem am Krankenbett
Im Kampf gegen den Ärztemangel in Sachsen sind ausländische Mediziner unverzichtbar. Wie Landesärztekammerchef Jan Schulze erklärte, könnten einige Kliniken den Betrieb mancher Stationen ohne sie gar nicht aufrechterhalten. Zudem würden ausländische Ärzte maßgeblich zur guten Versorgung von Patienten in ländlichen Regionen beitragen, lobte Schulze. 2011 stammte bereits jeder elfte berufstätige Mediziner in Sachsen nicht aus Deutschland – das waren 1.620 Menschen aus 91 Nationen, vor allem aus Tschechien und weiteren osteuropäischen Staaten.
Patienten beklagen Verständigungsprobleme
So sehr ihre Unterstützung gebraucht wird, so wichtig ist die Integration ausländischer Mediziner. Sachsens Ausländerbeauftragter Martin Gillo betonte deshalb, wie wichtig es sei, die interkulturelle Verständigung in Kliniken, Praxen und Versorgungszentren zu fördern. Dazu gehöre, dass sich die deutschen Ärzte, ihre ausländischen Kollegen und das deutsche Fachpersonal noch mehr als Team verstünden und unterstützten.
Das im Vergleich zu kulturellen Unterschieden größere Problem ist aber offensichtlich die Sprache. Der Vorsitzende des Marburger Bundes, Rudolf Henke, sprach gegenüber der Presse von zunehmenden Patientenklagen über schlechte Deutsch-Kenntnisse ausländischer Krankenhausärzte. Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz ergänzt: "Wenn Ärzte, die ein Sprachproblem haben, auf ältere Patienten treffen, die nicht mehr gut hören können, dann potenziert sich das Problem noch." Der Marburger Bund fordert deshalb bundesweit einheitliche Regeln für anerkannte Sprachprüfungen von Medizinern. Bewerber sollten erfolgreich bestandene Allgemein- und Fachsprachenprüfungen innerhalb der vergangenen drei Jahre nachweisen.
Sächsische Kliniken helfen mit Sprachkursen nach
In Sachsen befürworten Ausländerbeauftragter und Landesärztekammer mehr Hilfsangebote zur Integration medizinischer Fachkräfte aus dem Ausland. Als Beispiel nannten sie berufsbegleitende Sprachkurse, wie sie viele Krankenhäuser im Freistaat schon anböten. Zudem verwies Kammerchef Schulze darauf, dass neben der fachlichen Eignung gute Deutschkenntnisse Voraussetzung dafür sind, dass ein ausländischer Arzt in Sachsen beschäftigt wird. Sie müssten mindestens dem Sprachniveau B 2 des europäischen Referenzrahmens entsprechen. Die Stiftung Patientenschutz hatte dagegen kritisiert, weil von deutschen Universitäten zu wenig Ärzte-Nachwuchs komme, würden inzwischen praktisch alle Bewerber eingestellt, die eine Approbation vorweisen könnten.
