AfD Chefin Frauke Petry
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AfD-Kreisverband Sächsische Schweiz-Osterzgebirge "Petry hat betrogen und muss gehen"

AfD Chefin Frauke Petry
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Der AfD-Kreisverband Sächsische Schweiz-Osterzgebirge fühlt sich von Frauke Petry um das Bundestagsmandat betrogen. Er forderte die AfD-Chefin auf, freiwillig aus der Partei auszutreten - wegen des Betrugs am Wähler. Sprecher Rolf Süßmann sagte MDR SACHSEN, ansonsten würde ein Parteiausschlussverfahren in Gang gesetzt. Der Kreisvorstand trifft sich nach Informationen von MDR SACHSEN am Dienstagabend, um über die formellen Fragen des Parteiausschlussverfahrens zu beraten.

Petry hatte in dem Wahlkreis das Direktmandat geholt. Nur wenige Stunden nach dem Wahlerfolg bei der Bundestagswahl verkündete sie die Abkehr von der AfD-Fraktion im Bundestag. Sie wolle dem Parlament vorerst als fraktionslose Abgeordnete angehören, so Petry.

"Schlag in die Magengrube"

Kreisvorstandsmitglied und Landtagsabgeordneter André Barth sagte, viele Mitglieder und Wähler im Wahlkreis seien tief enttäuscht.

Petry und die Partei haben vor der Wahl einen Vertrauensvorschuss erhalten. Die Ankündigung ist deshalb für viele ein Schlag in die Magengrube.

André Barth AfD Sachsen, MdL

Verständnis zeigte AfD-Landesvize Thomas Hartung. Die Spaltung habe sich seit einigen Monaten angedeutet. Petrys Verhalten sei für ihn keine Täuschung, sondern die konsequente Fortsetzung ihrer politischen Linie.

Ich habe gesagt, Fundamentalopposition ist nicht das, was Frauke Petry will. Das ist auch nicht das, was ich will, und es gibt viele Sachsen, die das auch nicht wollen.

Thomas Hartung AfD-Landesvize Sachsen

Petry hatte ihren Schritt damit begründet, dass sie "Realpolitik" mit dem Ziel einer Regierungsübernahme 2021 machen möchte. Eine "anarchische Partei", die Parteivize Alexander Gauland wolle, lege die AfD dagegen auf die Oppositionsrolle fest.

Von Neuwahlen des Vorstandes ist die Rede

Siegbert Droese und Jens Maier
AfD-Vorstandsmitglied Siegbert Droese kündigte die Gründung einer gemeinsamen Landesgruppe Mitteldeutschland an. Bildrechte: dpa

Beim Treffen der neu gewählten AfD-Bundestagsabgeordneten aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in Leipzig hieß es am Montag, man könne sich eine weitere Zusammenarbeit mit der Partei-Chefin nicht vorstellen. Das Vertrauen sei beschädigt. Konkrete Rücktrittsforderungen waren nicht zu hören, aber von Neuwahlen des Vorstandes war die Rede. Zudem kündigte Sachsens Vorstandsmitglied Siegbert Droese die Gründung einer gemeinsamen Landesgruppe Mitteldeutschland an. "Ich bin guter Hoffnung, dass es zumindest in Mitteldeutschland gelingen wird, den Laden zusammenzuhalten", sagte er.

Abkehr von Petry

Nach der Absage Frauke Petrys an die AfD-Bundestagsfraktion legte auch Spitzenkandidat Alexander Gauland noch einmal nach. "Ich habe mich im Wahlkampf nicht gut unterstützt gefühlt von Frau Petry", sagte der AfD-Politiker am Montag im Phoenix-Interview. "Frau Weidel und ich haben eine Menge Termine übernommen, die sie plötzlich abgesagt hat. Und dass man das Spitzenteam drei Tage vor der Wahlentscheidung in der 'Leipziger Volkszeitung' angreift, macht die Sache noch schlechter." Von daher sei er skeptisch, ob Petrys Entscheidung, der AfD-Bundestagsfraktion nicht angehören zu wollen, "nur ein Verlust" sei.

Am Montagabend veröffentlichten zudem neun Abgeordnete der sächsischen AfD-Landtagsfraktion eine Erklärung in der sie sich nach dem Debakel um Frauke Petry zur "zukünftigen Arbeit unserer Landtagsfraktion" äußern. Darin heißt es: "Wir stehen hinter dem gewählten AfD-Bundesvorstand, und auch die Zusammenarbeit aller AfD-Landtagsfraktionen mit der neuen AfD-Bundestagsfraktion ist für uns eine Selbstverständlichkeit." Die Erklärung wurde von André Barth, Mario Beger, Silke Grimm, Carsten Hütter, Detlev Spangenberg, Jörg Urban, Karin Wilke, André Wendt und Sebastian Wippel unterzeichnet.

Quelle: MDR/dpa/ah

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch in Radio und Fernsehen: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 25.09.2017 | Aktuell-Sendung um 13.10 Uhr und Nachrichten ab 11 Uhr
MDR - SACHSENSPIEGEL | 25.09.2017 | 19 Uhr

Wahlhelfer öffenen Briefumschläge um die Briefwahlstimmen auszuzählen
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Zuletzt aktualisiert: 26. September 2017, 16:40 Uhr

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36 Kommentare

27.09.2017 21:54 Mediator an Udo K (35) 36

Na dann benennen sie soch einfach mal die Kommentare, in denen Frauke Petry verehrt wird und da dies zu ihrer Behauptung dazu gehört, die entsprechenden Kommentare, in denen die selben Menschen Frau Petry vorher massiv kritisiert haben!

Es gibt unzählige Analysen und Fachleute, die in der Vergangenheit die rechtsradikalen Tendenzen und Protagonisten der AfD deutlich herausgearbeitet haben. Wer offen für Fakten war, der konnte diese Informationen aufnehmen entsprechend bewerten.

Wer jedoch in seiner rechtspopulistischen Filterblase gefangen war, der tat dies ja nur als Verleumdung der geschmähten 'Lügenpresse' ab.

Wenn nun Frau Petry ähnliche Behauptungen über die Ausrichtung der AfD aufstellt, dann muss man ihr zunächst unterstellen, dass sie weis von was sie redet und zu manchem Fan von Rechtspopulisten durchdringen kann.

Dies macht ihre vorherigen Äußerungen und Verfehlungen jedoch nicht ungeschehen.

27.09.2017 20:22 Udo K 35

@ Mediator 34
Ihre Frage:Wie kommen sie daruf, das jemand der Frau Petry vor einer Woche noch massiv kritisiert hat diese Frau nun verehrt?

Meine Antwort:
Die betreffenden Kommentatoren finden Sie bei entsprechenden Artikeln hier beim MDR.
Oder sollte Ihnen was entgangen sein?

27.09.2017 18:33 Mediator an Udo K (33) 34

Wie kommen sie daruf, das jemand der Frau Petry vor einer Woche noch massiv kritisiert hat diese Frau nun verehrt? Sie ist lediglich eine Insiderin, die die rechtsradikalen Tendenzen der AfD aus einer Innensicht heraus beschreibt.

Frau Petry hat den Rechtsruck der Partei gefördert, weil dies ihren Machtinteressen in und mit der AfD genutzt hat. Die Frau hat gegen Flüchtlinge gehetzt, Öl in das Feuer gegossen und dazu beigetragen, dass die rechtsextremistischen Gewalttaten in unserem Land eine nie gekannte Höhe erreicht haben.

Davon ist sie mit keinem Wort abgerückt. Frau Petry hat nur die Vision, dass die AfD ein wenig Kreide fressen sollte, damit sie mit der momentanen Wählerbasis möglichst bald für koalitionsfähig wird. Der rechtsradikale Flügel der AfD glaubt hingegen, dass man mit weiteren Provokationen diese Basis noch verbreitern kann, auch wenn die Folge daraus ist, dass einem keine andere Parte auch nur mit der Kneifzange anfasst.

27.09.2017 10:20 Udo K 33

@ Mediator 31
Sie meinen:
"Es ist schon sehr bezeichnend, dass die bis Sonntag als
Aushängeschild der AfD gehandelte Petry über Nacht zu einer gierigen charakterlosen Abzockerin mutiert sein soll." Zitat Ende

Ich erwidere:
Es ist schon sehr bezeichnend, dass die schärfsten Ktitiker und Hetzer gegen Frau Petry über Nacht zu "aufrichtigen" Verehrern und Verteidigern des ehemaligen "Feindes" mutiert sind!
Welch eine Heuchelei!
Es bleibt dabei, wirkliche Argumente fehlen Ihnen, Sie picken sich Einzelbeispiele immer wieder aufs Neue heraus.
Sie schreiben Unsinn, warum soll ich da was widerlegen?

26.09.2017 01:43 Bernd Katzschner 32

Merkel hat die CDU so weit nach links gerückt, daß rechts von ihr ein riesiges Vakuum entstanden ist. Da passen (von links nach rechts und in dieser Reihenfolge) Lucke - Petry - Gauland - Höcke rein. Kein Wunder, dass man bei so viel "Luft" um Inhalte und Methoden streitet. Ich selbst wäre inhaltlich bei den vier genannten Personen/Linien am ehesten bei Petry, allerdings hat sie wohl an einigen Stellen schon unglücklich agiert, denn sooo katastrophal waren die Äußerungen von Gauland ("wir werden die sie jagen") nun auch wieder nicht - ähnlich kämpferisch-bissig haben auch schon CDU, SPD, Grüne und FDP reagiert, wenn sie in der Opposition stark waren. Nun, notfalls gehen in Merkels "Vakuumlandschaft" zwei AfDs a 7-8 % rein (wäre zusammen soagr mehr als 13%). Besser wärs, man raufte sich zusammen.

26.09.2017 22:33 Mediator an Udo K 31

Sorry, aber Entscheidungen im Bundestag werden über Abstimmungen getroffen. Bei solchen Abstimmungen geht es um Mehrheiten und i.d.r. verfügt eine Regierung über diese.
Wenn man sich dann vorher noch ein paar Reden der AfD anhören muss, dann ändert dies auch nichts. Manchmal sind solche Reden ja auch ganz lustig, wenn sich wieder mal ein AfD Politiker vor laufender Kamera zum Horst macht.
Ansonsten wiederlegen sie mir doch einmal, dass ich lediglich Unsinn geschrieben habe. Die Skandale der AfD in MV entsprechen wie die zahlreichen Fraktionsaustritte in den Landtagen der Realität.
Es ist schon sehr bezeichnend, dass die bis Sonntag als Aushängeschild der AfD gehandelte Petry über Nacht zu einer gierigen charakterlosen Abzockerin mutiert sein soll.
AfD Politiker behaupten doch sonst so gerne, das sie ihr Leben nach dem folgenden Slogan gestalten:
"Alles für den Dackel, alles für den Club - unser Leben für den Hund"*
*Unpassendes bitte durch patriotische Füllwörter ergänzen.

26.09.2017 20:48 Werner Leissler 30

Viele neue Bundestagsabgeordnete der AfD liegen mit großer Sicherheit, auf ähnlicher politischer Linie wie Frauke Petry. Deshalb ist es -gerade gegenüber diesen Abgeordneten- besonders infam, die neue Fraktion bereits vor dem ersten Zusammentreffen zu verlassen. Kennenlernen nicht erwünscht - warum ? Ihr Mann Marcus Pretzell hat jetzt in NRW allerdings auch seine Fraktion verlassen obwohl die Mitglieder (nach seiner eigenen Aussage) völlig seinen politischen Vorstellungen entsprachen. Fazit: Es steht bei Petry/Pretzell nur die möglichst große politische Schädigung der Partei im Vordergrund. Eine Erklärung für dieses Verhalten, findet sich nur wenn man das schon oft veröffentlichte unstete Leben des H. Pretzell in der Vergangenheit betrachtet. Unter dessen unheilvollem Einfluss nun auch Fr. Petry steht. - Noch viel unverständlicher ist allerdings, dass einige wenige Landtags-Abgeordnete dieses spalterische und intrigante Schmierentheater mitmachen.

26.09.2017 20:13 Udo K 29

@ Mediator 27
Was Ihr Geschreibsel mit meinem Beitrag zu tun haben soll, wissen sicher Sie selbst nicht.
Wie immer, Hauptsache Unsinn absondern.

Und was die zukünftigen Debatten im Bundestag betrifft, wird endlich nicht nur schläfrig alles abgenickt, auch Ihnen nicht genehmer Schlagabtausch kann nur belebend sein.

26.09.2017 18:07 Frank 28

@ 13: Frau Petry hat nicht betrogen! Sie möchte sachbezogene Arbeit leisten und in der AFD geht das wohl eher nicht. Sie bleibt als Fraktionslose im BT. Wir werden sehen, was die AFD im neuen BT leistet. Ich habe da so meine Zweifel. Nun wir werden sehen und dann wissen wer Wählerinteressen verrät.

26.09.2017 16:55 Mediator an Udo K (26) 27

Mensch Udo, du wolltest doch eine alternative Politik und Politiker die sich anders verhalten als die etablierten Eliten. Jetzt beschwer dich mal nicht! Wer Leuten, die er nicht kennt einen Blankoscheck ausstellt, der muss sich nicht wundern, wenn dann Neonazis im Parlament sitzen, Frau Petry sagt, dass sie mit dem AfD Haufen nichts mehr zu tun haben will und Leute wie ein Herr Arppe in MV davon träumen politische Gegner zu hängen.

In Sachsen hat halt anscheinend ein Viertel der Bevölkerung die Vorstellung, dass Politik mit einem dauerhaften Proletenaschermittwoch gleichzusetzen ist. Jeder macht halt mit seiner Stimme was er will. Die Politik, die wichtig für das Land und die Menschen ist wird ja gottseidank weiterhin von richtigen Politikern gemacht. Diese haben sicherlich auch noch jede Menge Optimierungspotential, aber sie wissen wenigstens um was es geht.

Sehr traurig, dass bald auch Teile der Debatten im Bundestag an gewisse Trashformate im Fernsehen erinnern werden.