Sachsen

Schutz von Kindern und Jugendlichen : Kooperation gegen Kampftrinken in Sachsen

Das sogenannte Koma-Saufen bei Kindern und Jugendlichen soll stärker eingedämmt werden. Sachsens Sozialministerin Christine Clauß und mehrere Krankenkassen vereinbarten bei einem Treffen in Leipzig, das Projekt "HaLT - Hart am LimiT" auf möglichst viele Kommunen und Landkreise in Sachsen auszudehnen. Bisher wurde das Projekt in Dresden und Leipzig, mit finanzieller Unterstützung der AOK, getestet.

Suchtberater kommen ins Krankenhaus

Ein Glas wird an der Zapfanlage gefüllt.
2010 wurden mehr als 800 Kinder und Jugendliche in Sachsen mit Alkoholvergiftungen stationär behandelt.

Das Projekt besteht aus zwei Teilen. Zum einen aus dem präventiven Teil, bei dem Jugendliche im Vorfeld vor den Gefahren des Alkohols gewarnt werden. Durch Öffentlichkeitsarbeit sowie Aktionen in Clubs, Diskotheken und auf öffentlichen Veranstaltungen sollen sie für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol sensibilisiert werden. Die Erwachsenen sollen dagegen an ihre Vorbildrolle erinnert werden.

Beim zweiten Projektteil erhalten die Jugendlichen, wenn sie mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert wurden, Besuch von einem Suchtberater. Dabei soll über den Alkoholmissbrauch gesprochen und Hilfe angeboten werden. Nach Ansicht von Clauß ist das der beste Zeitpunkt, um einzugreifen. Denn im Krankenhaus sei der Schock am größten. Künftig steht dieses Angebot nicht nur AOK-Mitgliedern offen. Durch die Kooperation mit weiteren Krankenkassen sollen noch mehr Jugendliche erreicht werden. Jetzt beteiligen sich auch die BKK, die IKK classic und die Knappschaft an den Kosten.

"Übermäßiger Alkoholkonsum ist bei jungen Menschen aller
Einkommens- und Bildungsschichten anzutreffen."

Christine Clauß, Sozialministerin Sachsen

Gute Quoten in Dresden und Leipzig

Sozialministerin Clauß hofft, dass sich möglichst viele Kommunen und Krankenhäuser dem Projekt anschließen. Denn allein im Jahr 2010 seien in Sachsen 831 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 20 Jahren mit einer Alkoholvergiftung registriert worden. Die Erfahrungen in Dresden und Leipzig, den Betroffenen frühzeitig zu helfen, seien erfolgreich gewesen, ermuntert Clauß auch die anderen Gemeinden. So wurden in Leipzig zwischen August 2010 und Dezember 2011 insgesamt 92 Kinder und Jugendliche in die Uniklinik eingeliefert. Davon haben 84 das Hilfsangebot angenommen.

In Dresden, wo das Projekt bereits seit 2008 läuft, musste sich das Angebot erst einmal herumsprechen. Wie die zuständige Mitarbeiterin im Gesundheitsamt, Anja Maatz, auf MDR-Anfrage mitteilte, wurden zwischen September 2008 und September 2009 mehr als 100 Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung in die Uniklinik oder das Krankenhaus Dresden-Neustadt eingewiesen. Damals konnten nur rund 20 von ihnen erreicht werden. "Wir waren eben neu", erklärt sich Maatz die Zahlen. Im Jahr 2011 sei die Quote schon deutlich besser gewesen. Von 80 eingelieferten Jugendlichen haben sich 53 beraten lassen. Im ersten Halbjahr 2012 nutzten von 46 Patienten 29 das Hilfsangebot. "Insgesamt ist die Zahl der eingelieferten Kinder und Jugendlichen zurückgegangen", freut sich Maatz.

Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2012, 08:23 Uhr

1. Heinz Faßbender:
@Eine Kooperation gegen die Aktenvernichtung in den Ämtern wäre mal angesagt - oder?
16.07.2012
18:00 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen.
Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

Präventionsprojekt "HaLT"

Das Projekt "HaLT" ist ein bundesweites Projekt, bei dem Jugendliche bei einem Alkoholmissbrauch professionelle Hilfe angeboten bekommen. Außerdem wird durch Aktionen und Öffentlichkeitsarbeit vor den Gefahren des Alkohols gewarnt. "HaLT" wurde zunächst in Baden-Württemberg erprobt und wird inzwischen an 145 Standorten in 15 Bundesländern angeboten. In Sachsen gibt es Standorte in Leipzig und Dresden.

Weitere Beratungsstellen für Suchtkranke

In Sachsen gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich Hilfe bei einem Suchtproblem zu holen. Es gibt Beratungsstellen, suchtspezifische psychiatrische Einrichtungen, Fachkliniken, Selbsthilfeangebote und spezielle Wohnstätten.

Besonders spezialisiert ist das Blaue Kreuz. Die bundesweite Organisation hat auch einen Landesverband in Sachsen.

Einen Überblick über alle Hilfsangebote für Suchtkranke in Sachsen gibt es auf der Internetseite der Sächsischen Landesstelle gegen Suchtgefahren.

© 2013 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK