Neue Diagnosemethode an Uniklinik Leipzig : Alzheimer im Frühstadium erkennen
Seit Ende Juli können Patienten mit geistigen Ausfallerscheinungen an der Uniklinik Leipzig ein neues Verfahren zur Frühdiagnose von Alzheimer in Anspruch nehmen. Das sogenannte PET-Verfahren wurde bislang nur innerhalb von Forschungsprojekten getestet. Die Uniklinik Leipzig gehört zu einem der wenigen Zentren deutschlandweit, an dem die neue Methode eingesetzt wird.
Wie funktioniert die neue Früherkennung für Alzheimer?
Bei der neuen Diagnosemethode handelt es sich um das sogenannte Positronen-Emissions-Tomographische-Verfahren (PET-Verfahren). Dabei können Alzheimer-typische Ablagerungen, sogenannte β-Amyloid-Plaques, sichtbar gemacht werden. Für die Untersuchung werden dem Patienten radioaktive Partikel, sogenannte Radionuklide, verabreicht, die sich dann im Gehirn an die krankhaften Strukturen binden. Das für die Untersuchung verwendete Radionuklid ist völlig unbedenklich. Die Untersuchung dauert maximal 90 Minuten.
Werden bei der PET die Alzheimer-typischen Ablagerungen erkannt, wie geht es dann für den Patienten weiter? Ist es möglich, ein Ausbrechen der Krankheit zu verhindern bzw. zu verzögern?
Alzheimer ist nach wie vor nicht heilbar. Mit der neuen Frühdiagnose können aber Aussagen zum Vorliegen einer Alzheimer-Erkrankung und zur Ausdehnung der Ablagerungen getroffen werden. Außerdem können entscheidende Informationen für künftige Therapien gewonnen werden. Wie Prof. Hermann-Josef Gertz, stellvertretender Direktor der Klinik für Psychiatrie, erklärte, ist die "Indikation medikamentöser Therapien auf das Demenzstadion beschränkt".
Empfehlenswert ist laut Dr. med. Solveig Tiepolt, Ärztin an der Klinik für Nuklearmedizin, immer, dass Patienten, die nicht primär vom Neurologen oder Psychiater behandelt werden, aber entsprechende Symptome wie Gedächtnisstörungen oder Einschränkungen der Merkfähigkeit aufweisen, eine Anbindung an Gedächtnisambulanzen oder ähnliche Einrichtungen wahrnehmen. Oder dass sie einen entsprechend spezialisierten Facharzt aufsuchen, unabhängig davon, ob eine PET erfolgt oder nicht.
Zu erwähnen ist laut Tiepolt hier noch, dass es erste Hinweise gibt, dass durch gesunde Lebensweise wie beispielsweise die Mittelmeerdiät oder Gehirnjogging der Übergang von einer leichten Gedächtnisstörung zur Alzheimer-Erkrankung bzw. Demenz verzögert werden kann.
Wird jeder Patient, der die Ablagerungen aufweist, auch an Alzheimer erkranken?
Nein. Auch wenn sich β-Amyloid-Plaques laut Prof. Dr. Osama Sabri, Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, schon 10-15 Jahre vor dem Auftreten von ersten Demenzsymptomen im Gehirn ablagern, gibt es dafür keinen eindeutigen Kausalzusammenhang. Werden bei einem Patienten ohne Alzheimersymptome diese Ablagerungen im Gehirn festgestellt, heißt das im Umkehrschluss also nicht, dass er irgendwann tatsächlich an Alzheimer erkranken wird. Allerdings ist es wissenschaftlich erwiesen, dass bei allen Alzheimerpatienten diese Ablagerungen im Gehirn zu finden sind.
Kann sich grundsätzlich jeder Patient dieser Frühdiagnose unterziehen?
Nein. Das neue Verfahren ist keine Vorsorgemaßnahme, sondern dient in erster Linie der Frühdiagnose bzw. Diagnosesicherung. Jeder Patient, der eine entsprechende Indikation hat, kann sich dieser Untersuchung unterziehen. Indikationen sind: objektiv nachweisbare Gedächtnisstörungen oder Einschränkungen der Merkfähigkeit.
Benötigt man für die Untersuchung eine Überweisung oder kann man sich direkt bei der Uniklinik anmelden?
Für die Untersuchung benötigen Patienten eine Überweisung durch den behandelnden Arzt, z.B. einen Neurologen oder Psychiater.
Gibt es bestimmte Patienten, die sich auf jeden Fall einer Untersuchung unterziehen sollten?
Schon aus ethischen Erwägungen gibt es keinen Patienten, den man zwingend untersuchen muss. Aber bei Patienten mit Alzheimer-Symptomen kann die Untersuchung sehr hilfreich und zum Teil wegweisend hinsichtlich der Diagnose sein.
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Die Mittelmeerdiät
Grundlage der Mittelmeerdiät ist pflanzliche Kost, insbesondere ungesättigte Fette, wie die in Olivenöl. Zudem gibt es eher Fisch als Fleisch. Die Anhänger verzichten weitgehend auf Käse und Jogurt sowie auf gesättigte Fette, die sich hauptsächlich in tierischen Nahrungsmitteln finden. Bereits 2005 fanden Wissenschaftler in einer Studien heraus, dass die Mittelmeerdiät mit viel Gemüse, Obst und Getreide das Leben tatsächlich verlängern kann. Die Forscher der Universität Athen hatten dafür Daten von 74.000 Menschen ab 60 Jahren aus neun europäischen Ländern ausgewertet. Die mediterrane Kost ist seit 2010 auf Betreiben Italiens, Spaniens, Griechenlands und Marokkos als Mittelmeer-Diät sogar von der UNESCO als Immaterielles Kulturerbe anerkannt.
Demenz vs. Alzheimer
Demenz ist ein Sammelbegriff für ungefähr 55 verschiedene Krankheitsbilder. Gemeinsame Kennzeichen sind der Verlust intellektueller Funktionen wie Denken, Erinnern und Verknüpfen. Auch die Sprache und die Motorik können betroffen sein.
Die häufigste Form der Demenz mit etwa 60 Prozent aller Fälle ist die Alzheimer-Krankheit, eine chronische Erkrankung des Gehirns. Weitere Formen der Demenz sind Durchblutungsstörungen des Gehirns (vaskuläre Demenz), die zu einer Unterversorgung der Gehirnzellen und dann zu deren Absterben führen (Hauptursachen sind u. a. Schlaganfälle, Diabetes, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen), und Hirnschädigungen durch Medikamente, besonders durch Schlaf- und Beruhigungsmittel, und durch starken Alkoholkonsum.
