Sachsen

Richard Wagner

(1813-1883)

Richard Wagner kam am 22. Mai 1813 als neuntes Kind des Laienschauspielers Carl Friedrich Wilhelm Wagner und seiner Frau Johanna Rosina im zweiten Stock zum "Roth- und Weißen Löwen" am Brühl Nr. 319 in der Messestadt Leipzig zur Welt. Seinen Vater lernte der zukünftige Musiker nicht kennen. Er starb noch im Herbst desselben Jahres. Seine Mutter heiratete wenig später den Schauspieler und Dichter Ludwig Geyer. Die Familie siedelte nach Dresden um.

Eigentlich lag es nahe, dass Richard Wagner auch die Schauspielkunst erlernen würde, denn der Stiefvater nahm den Knaben immer wieder mit an die Dresdner Hofbühne. Aber der Drang zu Komponieren war stärker. Die erste musikalische Ausbildung in Harmonielehre erhielt Wagner bei dem Gewandhausmusiker Christian Gottlieb Müller. Bald komponierte er Ouvertüren, Konzertstücke und Klavierwerke.

Nach seinen Studien in Dresden und Leipzig wirkte der junge Wagner als Kapellmeister und Chordirigent in Würzburg, Lauchstädt, Rudolstadt, Magdeburg und Königsberg. 1839 wegen hoher Schulden aus Riga geflohener, begann in Paris für ihn ein schwieriger Existenzkampf. Die Opern "Die Feen", "Das Liebesverbot", "Rienzi" und "Der Fliegende Holländer" waren bereits komponiert, doch der ersehnte Erfolg blieb aus. Der kam erst mit der triumphalen Uraufführung der Oper "Rienzi" am 20. Oktober 1842 im Dresdner Hoftheater. Der kaum 30jährige war schlagartig als Opernkomponist bekannt und wurde daraufhin zum zweiten Kapellmeister in Dresden berufen.

Den unruhigen Jahren zwischen 1832 bis 1842 folgte nun eine ruhigere Dekade in Dresden. Wichtige Werke wie "Der Tannhäuser" und "Lohengrin" entstanden. Doch bedeutete für Wagner eine erneute Flucht wiederum Jahre der Wurzel- und Mittellosigkeit. Diesmal zwangen ihn jedoch die politischen Wirren zur Flucht: Vom Zeitgeist ergriffen, hatte er am Abend des 14. Juli 1848 im Garten des Polnischen Brauhauses in der zweiten Hauptversammlung des Sächsischen Vaterlandsvereins seinen Artikel "Wie verhalten sich die republikanischen Bestrebungen dem Königtume gegenüber ?" verlesen. Darin forderte er die Entlassung des stehenden Heeres, trat stattdessen für die Volksbewaffnung ein und appellierte an den König Friedrich August II., er solle Sachsen zum Freistaat erklären. Diese Rede brachte ihm nicht nur Beifall ein. Einige Sänger und Kapellmeister verlangten seine sofortige Amtsenthebung. Richard Wagner wurde nun steckbrieflich gesucht. Ihm blieb keine andere Wahl, als zu flüchten. Über Chemnitz, wo er bei seiner Schwester Zuflucht fand, kam er mit der Postkutsche nach Weimar, von dort verhalf ihm Franz Liszt zur Weiterfahrt nach Zürich.

Es folgten acht Jahre im Zürcher Exil. Bevor er 1861/62 offiziell deutschen Boden wieder betreten durfte, musste er sich noch für jeweils ein bis zwei Jahre in Venedig, Luzern und Paris aufhalten. Erst mit der Übersiedlung nach München 1864 und später nach Bayreuth hatten die Lehr- und Wanderjahre des Komponisten ein Ende gefunden. In den Züricher Jahren verfasste Wagner seine kunsttheoretischen Schriften. Hierin entwickelte er eine theaterreformatorische Vision, die in der Musikgeschichte als die Idee des Gesamtkunstwerkes Eingang gefunden hat. Seine Überzeugung, dass nur in einer integrierten Form der Künste die letzten Geheimnisse des Glaubens hörbar, sichtbar, erlebbar und fühlbar dargeboten werden können, wurde von vielen seiner Zeitgenossen als geradezu prophetisch angesehen.

Fortan schrieb Wagner seine Libretti selbst. Er gestaltete den Text prosaähnlich, so dass die Szenen, "ohne die läßtigen Pausen, in denen man die Kaffeetassen klappern hören kan", ineinander übergingen. Die Musik erhielt dadurch den Charakter einer endlos fließenden Melodie, die niemals aufhört. Den Höhepunkt dieser motivischen Arbeit stellten gleichsam "Tristan und Isolde" und vor allem der "Ring der Nibelungen" dar. Als Dirigent achtete er insbesondere auf die Textverständlichkeit beim Singen. Worte, die bedeutungsvoll waren, sollten stark betont werden. Daraus ergab sich ein sehr deklamatorischer Gesang. Aber am augenfälligsten bei seiner Idee vom Gesamtkunstwerk war der Bau des Bayreuther Festspielhauses. Dieser Kunsttempel wurde eigens für die religiöse Rezeptionsweise erbaut. Nicht umsonst wollte Wagner sein letztes Bühnenweihefestspiel, den "Parsifal", nur in Bayreuth aufgeführt wissen.

Die Persönlichkeit Wagners war von einer ungeheuren Ideenvielfalt, Spontaneität, Impulsivität, Spiritualität, aber auch Zerbrechlichkeit und Hilflosigkeit gekennzeichnet. Nach vielen Höhen und Tiefen fand er in den letzten Jahren seines Aufsehen erregenden Lebens an der Seite Cosima von Bühlows in Bayreuth zu einem Stück des ersehnten Glücks.

Am 13. Februar 1883 ist der Komponist in Venedig gestorben.

Zu Ostern 2001 wurde im Meininger Theater Wagners "Ring der Nibelungen" in der Urfassung von 1876 an vier aufeinanderfolgenden Tagen aufgeführt. Regie führte Christine Mielitz. Das Bühnenbild wurde von Alfred Hrdlicka ausgestattet. Das im Vorfeld völlig ausverkaufte "Wagnis Wagner" wurde von 700 Gästen aus aller Welt besucht.

Die Richard-Wagner-Büste des Bildhauers Arno Breker nahe des Festspielhauses auf dem Grünen Hügel in Bayreuth
Die Richard-Wagner-Büste des Bildhauers Arno Breker nahe des Festspielhauses auf dem Grünen Hügel in Bayreuth

Zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2010, 10:30 Uhr

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