Kamenz : Neue Unterkunft für Asylbewerber im Landkreis Bautzen
Das neue Asylbewerberheim des Landkreises Bautzen ist fertig. Der Bautzener Landrat Michael Harig übergab am Dienstag die Schlüssel an den Betreiber. Die ehemalige Polizeischule am Flugplatz Kamenz war in den vergangenen Monaten für rund 3,6 Millionen Euro saniert und umgebaut worden. Das Haus bietet bis zu 400 Personen Platz. Sie müssen sich allerdings mit Mindeststandards begnügen. So leben drei Asylbewerber zusammen in einem etwa 18 Quadratmeter großen Zimmer, pro Etage gibt es einen zentralen Sanitärbereich und eine Küche. Lediglich acht Familien-Wohneinheiten verfügen über ein eigenes kleines Bad.
Menschen aus 29 Nationen in einem Haus
Erste Bewohner des vom Landkreis als Zentrum für Integration bezeichneten Wohnheims werden 340 Asylbewerber, die bisher in zwei Einrichtungen in Kamenz und Seeligstadt untergebracht sind. Beide Häuser waren beim "Heim-TÜV" des sächsischen Ausländerbeauftragten Martin Gillo durchgefallen. In der Bewertung war von starker Abnutzung und einem verwahrlosten Zustand die Rede, unter den Bewohnern herrsche ein hohes Aggressions- und Frustpotential. Im neuen Asylbewerberwohnheim gibt es neben dem besseren baulichen Zustand auch einen größeren Außenbereich mit Sport- und Spielplatz. Auch die Sozialarbeit für die Asylbewerber und Geduldeten aus 29 Nationen soll verbessert werden.
Wie sinnvoll sind große Gemeinschaftsunterkünfte?
Der Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz bezeichnete das neue Heim bei MDR INFO als gute Lösung. Es biete menschenwürdigere Bedingungen. Gillo reagierte wesentlich zurückhaltender auf die Eröffnung. Ihm und andere Experten ist das Heim zu groß. Es liegt weit über der Empfehlung des Ausländerbeauftragten, der sich für Unterkünfte mit maximal 100 Plätzen ausspricht. Gillo warnte zudem vor einer unzureichenden Betreuung: "Wenn wir die Bewohner sich selbst überlassen, dann wird das Heim ein Gefängnis ohne Schlüssel und Wärter." Mit qualifizierter Sozialarbeit könne hingegen eine "internationale Dorfgemeinschaft" entstehen. Die Grünen lehnen dagegen solche Gemeinschaftsunterkünfte generell ab und forderten zuletzt eine Unterbringung Betroffener in normalen Wohnungen.
Aufregung hat sich gelegt
In Kamenz war das neue Asylbewerberwohnheim trotz der dezentralen Lage lange ein Reizthema. Eine Bürgerinitiative versuchte, die Einrichtung per Bürgerentscheid zu verhindern. Das entsprechende Bürgerbegehren war allerdings unzulässig. Zudem hat sich Bürgermeister Dantz zufolge die Stimmung in Kamenz geändert. Dantz unterstrich, die Stadt wolle sich den Fremden als weltoffen anbieten.
Sachsenweit gibt es derzeit 30 Asylbewerberheime. Ende 2011 lebten dort exakt 3.333 Asylsuchende und sogenannte Geduldete. Beim "Heim-TÜV" wurden jedoch nur fünf Heime als "angemessen" bewertet.
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