Stichproben unter Schülern : Unterrichtsausfall in Sachsen höher als bekannt
An sächsischen Schulen fallen offenbar doppelt so viele Stunden aus wie bisher bekannt. Das geht aus einer Stichprobe des Landesschülerrates hervor, die am Mittwoch in Dresden vorgestellt wurde. Danach findet der Unterricht nur zu 85 Prozent regulär statt. 6,7 Prozent fallen den Angaben zufolge komplett aus. In 8,3 Prozent der Fälle werde der Unterricht vertreten oder die Schüler würden mit Aufgaben beschäftigt.
Viel Ausfall in höheren Klassen
Die Zahlen widersprechen den offiziellen Angaben des Kultusministeriums deutlich. Danach fielen im ersten Halbjahr 2011/12 rund drei Prozent der Stunden aus, 4,5 Prozent wurden vertreten. Die Ausfallstatistik des Landesschülerrates ist zwar nicht repräsentativ. Die Daten könnten aber wichtige Indikatoren zur Angleichung der Statistik des Ministeriums sein, hieß es in Dresden.
Für die Stichprobe hatte der Landesschülerrat erstmals die Schüler selbst aufgerufen, den Ausfall zu dokumentieren. Zwischen dem 18. und 22. Juni wurden Daten von über 100 Schulen aus ganz Sachsen gesammelt. Die Ergebnisse von 87 Schulen und rund 33.000 Unterrichtsstunden wurden jetzt dokumentiert. Anders als in den offiziellen Statistiken des Kultusministeriums wurden laut Landesschülerrat auch spontaner Ausfall sowie nicht fachgerechte Vertretung erfasst. Neben der Gesamtauswertung für ganz Sachsen wurden auch Einzelauswertungen für die einzelnen Städte und Kreise sowie für Jahrgangsstufen erstellt. Dabei sei festgestellt worden, dass vor allem in den Klassenstufen 8 und 9 die Ausfallrate besonders hoch ist. Bis zu 15 Prozent des Unterrichts hätten nicht stattgefunden, in der Spitze seien sogar 46 Prozent erfasst worden. Regional mussten die Schüler im Raum Dresden den meisten Ausfall hinnehmen, gefolgt von den Regionen Leipzig und Chemnitz.
Landesschülerrat fordert mehr Personal
Der Vorsitzende des Landesschülerrates, Konrad Degen, zeigte sich von dem Ergebnis der Statistik selbst überrascht: "Ausfallstunden sind in Sachsen Alltag", sagte er bei der Vorstellung des Berichts am Mittwoch in Dresden. "Bisher machte es den Anschein, als ob Vertretungsstunden in ihrer Mehrzahl fachgerecht unterrichtet würden. Mit diesem Anschein hat diese Erhebung sachsenweit gebrochen." Er forderte mehr Personal in den Schulen, um die Ausfälle von Lehrern abfedern zu können. Andernfalls sei der Erfolg von Sachsens Schülern "enorm gefährdet".
Kultusministerium sieht für dieses Jahr keine Probleme
Schülersprecher Degen sieht auch im neuen Schuljahr große Probleme im Schulsystem. "Das neue Jahr hat so begonnen, wie das alte aufgehört hat." Schon an den ersten Tagen sei Unterricht ausgefallen, mancherorts fehlte der Klassenlehrer, Kurse und Klassen wurden seinen Angaben zufolge zusammengelegt.
Das Kultusministerium nannte diese Vorwürfe haltlos und pauschal. Das Jahr habe gut begonnen, sagte ein Sprecher. Lehrer, die kurzfristig ausfallen, könnten durch Honorarkräfte ersetzt werden. Auch freiwerdende Stellen würden wieder besetzt. Allein im September sei die Anstellung von 110 neuen Lehrern geplant. Damit könne man im neuen Schuljahr deutlich flexibler reagieren.
Die Statistik des Landesschülerrates zum Unterrichtsausfall sei zwar unzulänglich, erklärte das Ministerium. Dennoch stimme man mit den Schülern überein, dass man mit dem vergangenen Jahr nicht zufrieden sein könne.
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