Dresden : Im Kampf gegen die Autodiebe
Dresden zieht an, doch leider nicht nur Neubürger, Studenten und Wissenschaftler aus aller Welt, sondern auch Autodiebe. Fast 500 Fahrzeuge verschwanden in der Landeshauptstadt im ersten Halbjahr 2012. Damit ist Dresden wieder auf dem Weg zum Spitzenplatz in Sachsens Kriminalstatistik, die die Stadt bereits 2011 mit 960 gestohlenen Autos anführte. Zum Verhängnis wurde Dresden in diesem Zusammenhang vor allem seine gute Verkehrsanbindung nach Polen und Tschechien. Binnen einer Stunde lassen sich Autos von hier aus ins Ausland schaffen.
Verschwunden hinter der Grenze
Sind die Autos einmal über der Grenze, sind sie kaum noch zu finden. Meist werden sie in Einzelteile zerlegt und zu neuen Fahrzeugen zusammengesetzt. Thomas Geithner von der Polizeidirektion Dresden: "Grundlage dafür ist, dass man eine saubere Fahrgestellnummer bekommt. Das erreichen die Täter, indem sie billig ein Schrottauto aus Deutschland ankaufen, so eine saubere Fahrgestellnummer bekommen und dann die gestohlenen Teile darum anbauen."
Tschechische Behörden akzeptieren gefälschte Papiere
Auch die Fälschung von Kfz-Papieren steht nach Recherchen des MDR hoch im Kurs. So fanden tschechische Fahnder der Ausländerpolizei bei einer groß angelegten Kontrolle in den Zulassungsbehörden auf Anhieb 1.000 gefälschte Fahrzeugbriefe vermutlich gestohlener Autos im Wert von rund 14 Millionen Euro. Das Ergebnis der Untersuchung erschreckte selbst die Beamten, denn neben professionellen Fälschungen fanden sie zahlreiche äußerst primitive Nachbildungen. Einfache Ausdrucke, handgeschriebene Papiere und sogar Dokumente mit dem Stempel eines Imkerverbandes gingen in den tschechischen Zulassungsbehörden als deutsche Fahrzeugpapiere durch. Die Anmeldung eines gestohlenen Pkw war so ein Kinderspiel.
Das tschechische Verkehrsministerium will künftig genauer hinsehen. Zdenek Neusar von der Behörde sagte: "Wir wollen jetzt in jeder Zulassungsstelle neue Kontrollmöglichkeiten einführen." Die Arbeitsplätze sollen zum Beispiel mit UV-Lampen nachgerüstet werden. Bei Kosten von 1.800 Euro pro Arbeitsplatz in allen 206 Zulassungsstellen müsse sehr viel Geld investiert werden, so Neusar. Die Kontrollen der Polizei gehen unterdessen weiter. Die Beamten vermuten bis zu 5.000 weitere Fälschungen in den Archiven der Zulassungsstellen.
Fahndung mit 150 zusätzlichen Beamten
Damit die Autos erst gar nicht über die Grenze wandern, sind in Dresden seit Anfang Juli 150 zusätzliche Polizeibeamte im Einsatz. Mit der "Operation Helios" soll vor allem der Druck auf die Autodiebe erhöht werden. Bestandteil der Kampagne sind Fahrzeugkontrollen. An den Autobahnauffahrten wird überprüft, ob Wagenhalter und Fahrer übereinstimmen, oder ob es sich um ein gestohlenes Fahrzeug handelt. Vor allem konzentrieren sich die Fahnder auf Fahrzeuge der VW-Gruppe, die von Dieben besonders "nachgefragt" werden. Hoch im Kurs steht in Dresden der Skoda Octavia. Mehr als 160 Autos dieses Typs wechselten nach Angaben der Polizei in Dresden seit Januar unfreiwillig den Besitzer. Im ganzen Jahr 2011 waren es 120.
Wie lange die Polizei mit zusätzlichen Beamten auf die Jagd nach Autodiebe geht, ist nicht bekannt. Laut Polizei sind die Kosten für den erhöhten Personalaufwand enorm. Die Frage bleibt also, wie lange die Aktion finanzierbar ist.
