Chemnitz : 12.000 Unterschriften für bessere Bahnanbindung
Der erneute Besuch von Bahnchef Rüdiger Grube in Chemnitz bringt der Stadt abermals keinen schnellen Anschluss an das Ferneisenbahnnetz. Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig hat Grube am Montag mehr als 12.000 Unterschriften für eine Wiederanbindung der Stadt an den Fernverkehr überreicht. Nach einem Treffen mit Vertretern der Region warnte Grube vor übertriebenen Erwartungen. Beim Ausbau der Strecke Chemnitz-Leipzig gehe es um "einen Zeitraum, der nicht vor 2020 ist", sagte der Bahnvorstand. Vergangenen Monat hatte der bundeseigene Verkehrskonzern gemeinsam mit Sachsen vereinbart, den zweigleisigen Ausbau und die Elektrifizierung der Strecke Chemnitz-Leipzig zu prüfen und sogenannte Vorplanungen aufzunehmen.
Konkrete Zusagen bisher Fehlanzeige
Um den Forderungen aus Südwestsachsen nach besseren Bahnverbindungen Nachdruck zu verleihen, haben die Grünen des sächsischen Landtags den Besuch Grubes mit einer Protestaktion begleitet. Landtagsabgeordnete Annekathrin Giegengack erklärte, es sei ein Skandal, dass die Region Chemnitz mit mehr als 1,5 Millionen Einwohnern vom Bahnfernverkehr abgekoppelt ist - und dies, obwohl der Ballungsraum der Wirtschaftsmotor Sachsens ist. Der CDU-Bundestagsabgeordneten Frank Heinrich hat mit einer Fahrradtour auf die schlechte Anbindung aufmerksam gemacht. Er kündigte an, mit dem Fahrrad nach Berlin zum Bundesverkehrsministerium zu radeln. Seine Ankunft wird für Mittwoch erwartet.
Grünen-Politiker Kühn fordert zum Durchhalten auf
Der Grünen-Bundestagabgeordneter Stephan Kühn, der am Gespräch in Chemnitz teilnahm, sagte dem MDR, die Region dürfe nun mit ihren Forderungen nicht nachlassen. Vordringliches Ziel müsse die Elektrifizierung der Sachsen-Franken-Magistrale über Hof hinaus bis Nürnberg bleiben. Nur auf dieser Verbindung sei langfristig Fernverkehr denkbar. Zudem sei die Elektrifizierung für den Güterverkehr aus der Wirtschaftsregion heraus wichtig. Kühn sagte, die Elektrifizierung bis Nürnberg müsse entsprechend des Bundesverkehrswegeplans umgesetzt werden - auch dann, wenn die Bahn eigentlich die Achse nach Regensburg bevorzuge. Der Bundesverkehrswegeplan sei gültig und müsse umgesetzt werden. Zudem regte der Politiker eine Diskussion über eine Fortführung der Bahnreform an, wobei die strikte Trennung zwischen eigenwirtschaftlichem Fernverkehr und öffentlich finanziertem Nahverkehr auf den Prüfstand gestellt werden solle.
Fernbahn-Zukunft der Strecke Chemnitz-Leipzig unklar
Ob überhaupt und wenn ja, welche Fernzüge auf der Strecke Leipzig-Chemnitz nach dessen Ausbau einmal fahren sollen, blieb wiederum unklar. Die eingleisige Strecke diente bisher stets vorrangig dem Regionalverkehr zwischen den beiden sächsischen Großstädten. Auf den tatsächlich einst für den Fernverkehr errichteten Strecken Dresden-Chemnitz-Nürnberg, Chemnitz-Riesa-Berlin sowie Chemnitz-Gera-Aachen schließt die Bahn jedoch bisher aus wirtschaftlichen Gründen eine Wiederaufnahme von Fernverbindungen vehement aus.
Chemnitz und ganz Südwestsachsen sind seit Jahren vom Fernverkehrsnetz der Bahn abgekoppelt. Vor rund zehn Jahren wurden die Interregios Chemnitz-Aachen gestrichen. Der letzte Interregio-Fernzug der DB von Chemnitz nach Berlin fuhr im Mai 2006. Im Dezember 2006 wurde schließlich noch der Intercity-Verkehr auf der Linie Dresden-Chemnitz-Karlsruhe eingestellt. Seither erreichen nur noch Regionalzüge der Deutschen Bahn die Stadt Chemnitz. An einzelnen Tagen fährt zudem die zur Italienischen Staatsbahn gehörende Vogtlandbahn mit einem Regionaltriebwagen nach Berlin - die Fahrzeit liegt bei 3:24 Stunden. Rund 50 Minuten schneller geht es mit der Deutschen Bahn auf der Umsteigeverbindung über Leipzig, wobei 18 Minuten allein auf die Umsteigezeit zwischen Regionalexpress und ICE entfallen.
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