Polizeieinsatz Erneut Auseinandersetzungen in Bautzen

Ein Polizeiauto steht vor dem Reichenturm auf dem Kornmarkt in Bautzen.
Mit 40 Beamten war die Polizei Dienstagnacht rund um den Bautzener Kornmarkt im Einsatz (Archivfoto). Bildrechte: MDR/xcitePRESS

In Bautzen ist es erneut zu Auseinandersetzungen zwischen Rechtsextremen und Flüchtlingen gekommen. Wie die Polizei inzwischen bestätigte, wurde sie am Dienstagabend zu mehreren Vorfällen in der Innenstadt gerufen. Auf dem Kornmarkt sollen zwei deutsche Frauen und drei junge Asylbewerber von einer achtköpfigen Männergruppe bedroht worden sein. Zwei Personen hätten mit einem pistolenähnlichen Gegenstand auf die Asylbewerber gezielt. Zeugenaussagen zufolge sind die Personen dem rechten Spektrum zuzuordnen. Zuerst hatte "Zeit Online" darüber berichtet.

Steinwürfe gegen Asylbewerber

Bei anschließenden Autokontrollen im Stadtgebiet nahm die Polizei nach eigenen Aussagen zahlreiche Personalien auf. "Konkrete Tatverdächtige sind derzeit nicht bekannt", sagte Polizeisprecher Tobias Sprunk. Während der Fahndung erfuhren die Polizisten, dass ein 20-jähriger Asylbewerber am Bautzener Holzmarkt einen deutschen Jugendlichen angegriffen haben soll. Die Polizisten nahmen den betrunkenen Tatverdächtigen, der von zwei anderen Flüchtlingen begleitet wurde, in Gewahrsam. Als sich die anderen beiden Flüchtlinge vom Holzmarkt in Richtung Töpferstraße entfernten, verfolgten nach Polizeiangaben zehn, 15 Personen die beiden Asylbewerber. Dabei seien die Flüchtlinge mit Steinen beworfen worden.

Tatverdächtiger ist polizeibekannt

Nur wenige Meter entfernt auf der Steinstraße sei kurz danach ein 39-jähriger Asylbewerber von einem 29-jährigen deutschen Mann mit einem pistolenähnlichen Gegenstand bedroht worden. Wenig später stellten Polizisten den polizeibekannten Tatverdächtigen. Er trug eine Schreckschusspistole und stand unter Drogeneinfluss. Die Polizei leitete gegen den Mann ein Strafverfahren ein.

Ermittlungen dauern an

Die Bilanz des Abends: Von 19:15 Uhr bis 2:10 Uhr waren rund 40 Polizisten in der Bautzener Innenstadt im Einsatz. Sie nahmen vier teilweise polizeibekannte, deutsche Tatverdächtige vorläufig fest. Sie sind inzwischen wieder auf freiem Fuß. Die Ermittlungen dauern an. "Eine Hetzjagd, wie Medien bereits berichteten, hat nach bisherigen polizeilichen Erkenntnissen nicht stattgefunden", sagte Sprunk.

Situation für Flüchtlinge nicht besser

Seit den Vorfällen im September auf dem Bautzener Kornmarkt ist die Polizei täglich von 17 bis 1 Uhr mit mindestens vier zusätzlichen Beamten in der Innenstadt unterwegs. "Die Lage hat sich seitdem beruhigt. Die Ereignisse in der vergangenen Nacht waren die ersten größeren Vorfälle seit den Ausschreitungen im September", sagte Polizeisprecher Tobias Sprunk. Sozialarbeiterin Manja Gruhn vom Jugendhaus Steinhaus schätzt dagegen ein, dass sich die Situation für junge Flüchtlinge in Bautzen nicht verbessert hat. Sie würden in der Innenstadt nach wie vor angepöbelt und angefeindet.

Oberbürgermeister Ahrens fordert hartes Durchgreifen

Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens verurteilte die erneuten Zwischenfälle als "nicht hinnehmbar". Mit dem Einsatz von Schreckschusswaffen sei eine neue Dimension erreicht. Hier müsse mit allen rechtsstaatlichen Mitteln gegengehalten werden.

Dabei muss auch die Polizei mit starker Präsenz und erhöhtem Verfolgungsdruck an den Problemen dranbleiben.

Oberbürgermeister Alexander Ahrens

Ahrens ist überzeugt, dass die Mehrheit der Bautzner Gewalt ablehnt. Dies müsse jedoch deutlicher als in der Vergangenheit artikuliert werden.

Zuletzt aktualisiert: 03. November 2016, 21:12 Uhr

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82 Kommentare

05.11.2016 20:56 Mediator an Gottlieb (81) 82

Lieber Gottlieb, wenn Sie nicht verstehen wollen, dass das Böse von ganz normalen Menschen ausgeht, egal ob es sich um den Holocaust oder den Versuch eine Aslyunterkunft anzuzünden handelt, dann werden Sie eventuell nach den falschen Tätern Ausschau halten.

Weiterhin ist es keine Sauerei, dass Flüchtlinge H4 ähnliche Leistungen erhalten. Diese sichern das menschenwürdige Existenzminimum in unserem Land ab. Die Menschenwürde ist für einen Deutschen nicht anders definiert wie für einen Syrer. Letztendlich ist es aber falsch den Flüchtlingen vorzuhalten, dass Deutschland sich an seine eigenen Standards hält. Will man diese Standards ändern, dann hat dies im politischen Diskurs zu geschehen. Nächtliche Brandanschläge und Neidkampagnen bringen niemanden weiter.

Wie wollen Sie ohne Unterstützung in unserem Land ankommen? Deutsch lernt sich nicht von alleine! Wenn dann die Einheimischen noch ablehnend gegenüber Flüchtlingen sind, dann lernt es sich gleich noch schlechter!

05.11.2016 17:04 Gottlieb 81

@ Mediator (79)
Dises Feld ist ausgefüllt. Ihr Versuch, einen mißratenen Vergleich im nachhinein zu rechtfertigen, ist allerdings mißlungen. Hier geht es nicht um das „größte Verbrechen der Menschheit im 20 Jahrhundert“, sondern um Auseinandersetzungen, die mit einer überbordenden Einwanderung von jungen Migranten mit überdrehten Ansprüchen und atavistischen Vorstellungen zu tun haben. Da wird niemand vergast, wohl aber werden Einheimische schon mal zusammengeschlagen oder sexuell belästigt. Umgekehrt gibt es sicherlich auch manche Überreaktion. Daß Migranten, die sich eigentlich mit vollem Einsatz selbst um Anpassung bemühen müßten, vielfältig mit großem Kostenaufwand betreut werden und ohne weiteres Einheimischen beim Empfang von Hartz 4-Bezügen gleichgestellt werden, halte ich für einen Skandal. Das Ifo-Institut errechnete bereits 2014 - vor der Migrationskrise - einen Netto-Verlust von durchschnittlich 1800 Euro im Jahr pro Migrant.

05.11.2016 08:37 ralf meier 80

03.11.2016 17:56 Dresdner: Da schreiben Sie: ' .. sondern beleidigen ebenfalls jene mindestens 95 % der Dresdner, die der Gagabewegung ebenfalls nichts abgewinnen können' . Erstens stellen Sie da eine Tatsachenbehauptung auf. Zweitens beleidigen Sie pauschal eine Bürgerbewegung als 'GAGA' . Ein Glück für Sie, daß die Moderation manchmal etwas großzüger in der Interpretation der Kommentarrichtlinien ist, um den 'Dialog' hier im Forum nicht zu behindern.

04.11.2016 23:44 Mediator an Gottlieb (78) 79

Muss man Ihnen wirklich alles erklären, weil Sie einfachste Zusammenhänge nicht verstehen, oder stellen Sie sich bewusst dumm?

Was Bernd (52) mit dem Zitat aus den Nürnberger Prozessen aussagt kann man eigentlich kaum falsch verstehen.

Das größte Verbrechen der Menschheit im 20 Jahrhundert wurde nicht von irgendwelchen furchterregenden Monstern begangen, die wir alle auf den ersten Blick zu erkennen glauben, sondern von ganz normalen deutschen Biedermännern, Familienvätern und unscheinbaren Menschen.

Wer heute erneut nach Monstern Ausschau hält, der wird die aufziehende Gefahr erst erkennen, wenn es zu spät ist.

Flüchtlinge als vielfältig alimentiert zu bezeichnen ist doch dreist. Sind H4 Empfänger auch vielfältig alimentiert? Diese erhalten einen höheren Satz als Flüchtlinge. Viele Flüchtlinge stottern einen benötigten Rechtsanwalt übrigens per Ratenvertrag ab.

Was glauben Sie wohl wer die vielen Mrd. im Sozialhaushalt erhält? Bedürftige DEUTSCHE!

04.11.2016 19:13 Gottlieb 78

@ Bernd (52)
Was haben die Nürnberger Prozesse mit den Bürgern in Bautzen zu tun? Ist das Zitat nicht ein bißchen weit hergeholt, und erfüllt es nicht fast schon den Tatbestand der Beleidigung unbescholtener Bürger? Was wäre, wenn ich Antifaschisten – unabhägig davon, ob sie als Gewalttäter namhaft gemacht worden sind oder nicht – auf gut Glück als „rotlackierte Faschisten“ bezeichnen würde? Ich wundere mich, daß Ihr abstruser Vergleich veröffentlicht worden ist. Unter normalen Bürgern verstehe ich jene Steuerzahler, die den gesamten Migrationsbetrieb unfreiwillig bezahlen müssen. Dazu gehören nicht nur die Migranten selbst, sondern Heere von Helfern wie Rechtsanwälte, Sicherheitsdienste, Dolmetscher, Psychologen, Vermieter von Unterkünften, Versorger u. s.w.. Welches Verhalten darf man Ihrer Meinung nach von so vielfältig betreuten und alimentierten Migranten erwarten?

04.11.2016 17:44 Mediator an Nr 76 den Namenlosen 77

Zunächst einmal möchte ich Ihnen ein Taschentuch reichen. Manchmal ist das Leben schon hart, da macht man eine Lehre und wird nicht übernommen, oder ein Betrieb hört auf zu existieren.
Glauben Sie solch einen Strukturwandel gab es im Westen nicht? Das Ruhrgebiet oder die oberfränkische Textilregion waren genauso betroffen.
Hat man diese Regionen auch platt gemacht, oder waren deren Produkte einfach nicht mehr auf dem internationalen Markt absetzbar, weil andere es besser oder billiger konnten?
Glauben Sie wirklich, dass viele Ostprodukte mit real in DM kalkulierten Stückkosten eine Chance auf dem Weltmarkt hatten. Die Produktivität vieler ostdeutscher Betriebe war einfach nicht konkurrenzfähig!
Zu meinem Beispiel, dass sie nicht verstanden haben:
Manche Menschen finden selbst unter günstigsten Arbeitsmarktbedingungen keinen Job, weil sie entweder nichts können, nicht wirklich arbeiten wollen oder von ihrem Charakter und ihrer Einstellung her für jeden Betrieb unzumutbar sind.

04.11.2016 09:53 @74 76

Wir reden von der Zeit nach der Wende und lassen sie bitte die Vergleiche mit dem 2. Weltkrieg. Das scheint für sie die faszinierte Zeit zu sein .Wir haben genug davon in der Schule gelernt, gehört von den Eltern und später in den Betrieben in den Zeitungsschauen gehört. Trotzdem hat sich jeder seine Meinung gebildet und so auch heute. Ihre versuchte "Gehirnwäsche" oder Überzeugungsarbeit funktioniert auch nicht. Die meisten Bürger gehen mit offenen Augen und Ohren durch die Welt .Es geht um die Generation ,die nach der Wende aufgewachsen ist und eben alles frei entscheiden können. Sie hatten oft eine Lehrstelle wurden dann aber nicht übernommen.Die Drogen kamen nach der Wende und am Anfang wurde es noch verharmlost ,man hat alles im Griff so wurde es in den Medien berichtet. Haben sie sich einmal damit beschäftigt ,wieviele Betriebe gerade in und um Bautzen plattgemacht wurden und dadurch tausende Arbeitsplätze weggefallen sind ?Sie haben sicher ,Geld oder Superrente ,Haus usw

03.11.2016 00:03 Dresdner an Horst 56 75

Horst, mindestens dieser Kommentar von Ihnen ist ein weiterer Beitrag, warum Pegidioten immer mehr Dresdnern die Fremdschämröte ins Gesicht treibt. Abgesehen von der primitiven Arroganz, die Sie da blicken lassen, zeugt sie von einer Dummheit, für die die in der Tat vielen großen Geister der sächsischen Geschichte bestenfalls ein müdes Lächeln, eher ganz viel Verachtung aufbrächten. Schätze mal, dass der gute alte, auch für seine Spitzzüngigkeit gegenüber den Kleingeistern seiner Zeit berühmte Martin Luther für Sie einen Begriff hätte, gegen den "Vollhorst" glatt noch ein Kompliment wäre :)

03.11.2016 22:42 Mediator @60 den Namenlosen 74

Sie machen es sich doch sehr einfach mit ihren pauschalen Vorwürfen.
Drogenkonsum, Arbeits- und Persepktivlosigkeit sind keine Erscheinungen unserer Zeit, sondern die gab es schon immer!
Drogen konsumiert man im übrigen freiwillig.
Auch die Arbeitslosigkeit hat sich seit 2005 halbiert.
Von was reden Sie also, wenn Sie behaupten, dass sich da nichts bewegt hat und die Regierung sich nicht kümmert? Werfen Sie einmal einen Blick in die Haushaltspläne, dann werden Sie Milliarden Euro finden, die genau für diesen Zweck eingesetzt werden.
Perspektivlosigkeit ist oft auch eine Charaktersache. Manche Leute hätten wohl selbst im Zweiten Weltkrieg keinen Job in der Rüstungsindustrie gefunden und sich darüber beschwert.
Wer dazu neigt die Ursache für SUBJEKTIV empfundene Ungerechtigkeiten bei anderen zu suchen, der wird immer einen Schuldigen finden, der ihm angeblich die Butter vom Brot nimmt.
Flüchtlinge, Behinderte, oder H4 Empfänger sind für solche Leute austauschbare Sündenböcke.

03.11.2016 22:13 Wieland der Schmied 73

Das ewige links-rechts Gezerre von vielen der Teilnahmer halte ich nicht für zielführend, weil sie eigentlich am Thema vorbeipoltern. Wenn die Auseinandersetzung wieder einem Höhepunkt zustrebt, dann sind sowohl linksseitig die rot-dunkerot-grünen Helden sichtbar und rechts eben die patriotisch-nationalen Formationen, die Mehrheit der Bevölkerung repräsentieren beide nicht, weder die linken noch die rechten, auch wenn die Erbsenzähler der einen oder anderen Seit die Mehrheit zuweisen. Das bedeutet, die schweigende Mehrheit hat sicher auch eine Meinung, aber die will niemand wissen. Der galante Bürgermeister kennt sie bestimmt, aber er redet vorzugsweise dem Tenor der Medien das Wort. Was auf der Strecke bleibt ist die Auffassung der Mehrheit der Ungefragten, die nach meinen eigenen Untersuchungen aussagen, dass sie die eingetretene Unsicherheit hassen wie die Pest, aber sich auch nicht getrauen, es öffentlich zu sagen, weil man sofort als abgestempelt gilt. Hatten wir alles schon!