Aus dem ehemaligen Spreehotel in Bautzen ziehen die letzten Asylbewerber aus.
Bildrechte: MDR/Viola Simank

Spreehotel Bautzen Schwerer Abschied und neue Chance

Das ehemalige Spreehotel in Bautzen ist keine Flüchtlingsunterkunft mehr. Am Mittwoch mussten die letzten Asylbewerber in ein anderes Heim ziehen. Nun soll das Haus in ein Integrationszentrum umgewandelt werden.

Aus dem ehemaligen Spreehotel in Bautzen ziehen die letzten Asylbewerber aus.
Bildrechte: MDR/Viola Simank

Dutzende Koffer, Kinderwagen, Fernseher, Tüten, Fahrräder – alles muss mit. Der ganze Straßenrand vor dem Spreehotel ist damit vollgestellt. Das Gepäck gehört den 80 Flüchtlingen, die aus ihrer Unterkunft ausziehen müssen. Gerne gehen sie nicht. Einige von ihnen haben seit fast drei Jahren hier gewohnt, wie Hassan Amrico. Der 66-Jährige kommt aus Syrien. Die Zeit im Spreehotel sei gut gewesen, sagt er. Man habe hier seine Privatsphäre gehabt, sogar ein eigenes Bad mit Toilette. Außerdem hätten die Mitarbeiter im Haus allen immer sehr geholfen. Wie es dagegen in der neuen Unterkunft werden wird, weiß er nicht.

Schwerer Abschied

Aus dem ehemaligen Spreehotel in Bautzen ziehen die letzten Asylbewerber aus.
Heimleiter Peter-Kilian Rausch verbschiedet sich von vielen der Bewohner persönlich. Bildrechte: MDR/Viola Simank

Amrico wird wie alle anderen Flüchtlinge in ein anderes Asylbewerberheim in Bautzen gebracht, dem Greenpark. Zwei Busse stehen für sie bereit, Mitarbeiter des Landratsamtes und die Polizei überwachen die Abreise der Flüchtlinge. Keiner wehrt sich gegen den Umzug. Der Abschied fällt vielen aber sichtbar schwer, Tränen fließen. Auch Peter-Kilian Rausch, der Chef des Spreehotels, geht der Auszug nahe. "Ich bin heut nah am Wasser gebaut", meint er nur und verabschiedet sich von vielen der ehemaligen Bewohner persönlich.

Heute wissen die Flüchtlinge, wohin sie gebracht werden. Das war bei ersten Umzugsaktion am Montag anders. Da wurde ihnen erst kurz vor der Abfahrt gesagt, in welche Heime sie verlegt werden, nämlich nach Neukirch, Hoyerswerda und Wehrsdorf. Man habe so Unruhe im Vorfeld auch zwischen den Flüchtlingen vermeiden wollen, begründete eine Sprecherin des Landratsamtes das Vorgehen. Außerdem sei bis kurz vor dem Auszug an den Verteilungsplänen gearbeitet worden.

Gute Zeit im Spreehotel

Aus dem ehemaligen Spreehotel in Bautzen ziehen die letzten Asylbewerber aus.
Das wars: In zwei Bussen wurden die etwa 80 Flüchtlinge am Mittwoch in ihre neue Unterkunft gefahren. Bildrechte: MDR/Viola Simank

Ein Vorgehen, das bei Heimleiter Rausch und den Helfern auf Unverständnis stieß. Auch deshalb ist Rausch froh, dass die Abreise an beiden Tagen trotzdem reibungslos geklappt hat und dass es nun ruhiger wird. Vor drei Jahren hat er sein Hotel in ein Asylbewerberheim umgewandelt. Anfangs gab es viel Skepsis und Anfeindungen, auch von Anwohnern in der Nachbarschaft. Doch sein Haus wurde bald so etwas wie ein Vorzeigeprojekt, denn Rausch und seine Mitarbeiter kümmerten sich intensiver als in anderen Heimen um die mehr als 200 Flüchtlinge, die zeitweise dort untergebracht waren. Für ihn war es eine gute Zeit, sagt Rausch, der selber im Spreehotel wohnt. Und das trotz der vielen Arbeit, nächtlichen Feueralarmen und mancher Probleme, die es zu lösen galt. Er sei traurig, dass so viele der Bewohner ausziehen mussten.

Doch der Vertrag mit dem Landkreis Bautzen, der das Spreehotel als Asylbewerberheim angemietet hat, läuft Ende der Woche aus. Denn es kommen immer weniger Flüchtlinge im Landkreis an. Waren es vor einem Jahr noch 25 Flüchtlinge pro Woche, sind es aktuell 25 pro Monat, so Gritt Borrmann-Arndt vom Landratsamt. Auch andere Heime sind deshalb schon geschlossen worden, wie zum Beispiel in Hoyerswerda. Dafür gehe es jetzt umso stärker um die Integration.  

Bildergalerie Abschied vom Spreehotel

Aus dem ehemaligen Spreehotel in Bautzen ziehen die letzten Asylbewerber aus.
Das musste alles mit: Dutzende Koffer, Kinderwagen und Taschen von 80 Heimbewohner mussten in den Bussen verstaut werden. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Aus dem ehemaligen Spreehotel in Bautzen ziehen die letzten Asylbewerber aus.
Das musste alles mit: Dutzende Koffer, Kinderwagen und Taschen von 80 Heimbewohner mussten in den Bussen verstaut werden. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Aus dem ehemaligen Spreehotel in Bautzen ziehen die letzten Asylbewerber aus.
Vor dem Eingang des Spreehotels trafen sich die Heimbewohner noch ein letztes Mal. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Aus dem ehemaligen Spreehotel in Bautzen ziehen die letzten Asylbewerber aus.
Auch ein Umzug geht nicht Ohne Bürokratie: Mitarbeiter des Landratsamtes übergaben den Flüchtlingen die nötigen Papiere. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Aus dem ehemaligen Spreehotel in Bautzen ziehen die letzten Asylbewerber aus.
Warten unter Polizeischutz: Die Polizei war mit vier Einsatzwagen vor Ort, doch es blieb alles friedlich. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Aus dem ehemaligen Spreehotel in Bautzen ziehen die letzten Asylbewerber aus.
Es gab viele Umarmungen zum Abschied. Auch Hassan Amrico (rechts) verabschiedete sich von Dolmetscher Firas. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Aus dem ehemaligen Spreehotel in Bautzen ziehen die letzten Asylbewerber aus.
Das wars: In zwei Bussen wurden die etwa 80 Flüchtlinge am Mittwoch in ihre neue Unterkunft gefahren. Bildrechte: MDR/Viola Simank
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Vom Asylheim zum Integrationszentrum

Um die Integration soll sich künftig auch das Spreehotel kümmern. Etwa 50 Flüchtlinge sind dort noch geblieben, weitere werden dazukommen. Es sind diejenigen, die bereits asylberechtigt sind, aber noch keine eigene Wohnung haben. Sie sollen nun besser unterstützt werden, weshalb das Spreehotel in ein Integrationszentrum umgewandelt wird. Das Projekt wird zunächst bis Ende des Jahres vom Landratsamt Bautzen gefördert, in dem es 3,5 Stellen für Mitarbeiter finanziert. Sie sollen den Flüchtlingen unter anderem bei der Wohnungssuche und bei Behördengängen helfen. Und Peter-Kilian Rausch will sich vor allem um die Jugendlichen kümmern, damit sie passende Praktika und eine Ausbildung finden. "Sie sollen die Möglichkeit bekommen, sich auch mal zu testen und auszuprobieren. Also eine Woche zum Beispiel mal beim Schreiner mitlaufen oder als Klempner. Damit sie dann auch das machen, was sie wirklich wollen und können."

Zunächst steht aber erst einmal das große Reinemachen an. Nachdem die beiden Busse am Vormittag mit den Flüchtlingen Richtung neuer Unterkunft abgefahren sind, packen viele Helfer mit an, um die leergezogenen Zimmer zu putzen und herzurichten. Denn auch aus anderen Heimen der Umgebung sollen bald anerkannte Asylbewerber ins Spreehotel ziehen können, wenn sie keine Wohnung finden. Rausch hofft, dass das Projekt auch im kommenden Jahr gefördert wird und das Integrationszentrum  im Spreehotel mindestens bis Ende 2018 arbeiten kann.  

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Fernsehen: MDR SACHSENSPIEGEL| 12.07.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juli 2017, 10:27 Uhr

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14 Kommentare

14.07.2017 15:07 Stefan 14

Offenbar gibt es keine Bewohner des Spreehotel, die
bei dem Wiederaufbau ihrer Heimat mithelfen wollen.

13.07.2017 19:05 Nachdenkliche 13

@ 12 Trigus: Sie haben vergessen Ihren Beitrag mit "Vorsicht 100 % Ironie" zu kennzeichnen.

13.07.2017 17:00 Mohamed Trigus 12

Ich habe Kino MDR geseht, Bautzen Integrationshotel für Leute hat. Die Idea find gut und bete, das mehr Integrationshotels habe soll. Deutsche Steuergeld sehr gut. Ich Hotel weiterempfehlt. Gut Mann im Sprehotel, Orden an Brust.
#Nachdenkliche
Laufe Du durch Kriegland bis Deutschlund und gehe gleich Arbeite.

Mohamed Trigus

13.07.2017 16:45 Fragender Rentner 11

Wieviel Geld hat er bisher für das Heim und deren Bewohner pro Monat bekommen?

Wird es jetzt mehr oder weniger Geld pro Monat und Person?

13.07.2017 12:01 Nachdenkliche 10

Wenn ich das Konzept des Herrn Rausch lese, frage ich mich wie hier weitere Steuerzahlergelder von den zuständigen Stellen ausgereicht werden können. Zitat: "laufen dann mal beim Schreiner oder Klempner mit oder sie sollen... , Rausch will...". Ich vermisse die Wörter " wird und werden". Was hat das mit ernsthafter Hilfe zur Berufsfindung zu tun? Dafür gibt es genügend Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit. Hier wird das Rad neu erfunden um mit geringstem Aufwand den Rahm abschöpfen zu können.

13.07.2017 09:50 HuMann 9

Ich freue mich mit dem Betreiber, das ein Hotelbetrieb mit Hilfe von Steuermitteln, an dem abgeschiedenen Standort weiter möglich ist. Zur Stadt Bautzen ist es zwar recht weit aber ein Badestrand für die Geflüchteten ist aber vor Ort. So kann die Gute Zeit für einige Flüchtlinge im Spreehotel doch noch weiter gehen.

13.07.2017 09:18 Hammerstein 8

Ein Integrationszentrum im Spreehotel und einen Herrn Rausch braucht Bautzen nicht, weil es nur um das Geldverdienen geht.

13.07.2017 09:11 Clown Ferdinand 7

"... so etwas wie ein Vorzeigeprojekt, denn Rausch und seine Mitarbeiter kümmerten sich intensiver als in anderen Heimen um die mehr als 200 Flüchtlinge, ..." - bei einem Hotel mit Vollpension kein Problem.

12.07.2017 19:54 Grubenotter 6

@4 : Wozu? Herr Rausch und Konsorten sorgen doch dafür, dass sie hier für immer eine Heimat haben.

12.07.2017 18:46 Grubenotter 5

Ist es eigentlich zuviel verlangt, dass dieses zivilisierten Fachkräfte ihre Zimmer selber wieder herrichten? Oder sind die so runtergewohnt, dass da echte Fachleute ran müssen? Fragen über Fragen.