Blick in eine Fertigungshalle von Bombardier in Bautzen
In Bautzen werden Stadt- und Straßenbahnen gebaut. Bildrechte: Bombardier Transportation

Jobabbau Bombardier streicht mehr als 900 Stellen in Ostsachsen

Blick in eine Fertigungshalle von Bombardier in Bautzen
In Bautzen werden Stadt- und Straßenbahnen gebaut. Bildrechte: Bombardier Transportation

Der kanadische Schienenfahrzeughersteller Bombardier Transportation will insgesamt 930 Arbeitsplätze in Bautzen und Görlitz streichen. Das gab Unternehmenssprecher Andreas Dienemann nach den Verhandlungen zwischen Gewerkschaft, Betriebsräten und Unternehmensleitung am Donnerstag bekannt. Demnach sollen in Görlitz 700 Arbeitsplätze wegfallen, darunter 500 von Leiharbeitern. In Bautzen sind 230 Jobs betroffen.

Dienemann sprach von "keiner leichtfertigen Entscheidung". Aber es gehe um die Zukunft des Werkes in Sachsen. Damit trägt Sachsen die Hauptlast des Stellenabbaus im Konzern. In der vergangenen Woche hatte Bombardier Transportation angekündigt, dass in den deutschen Werken 1.430 der 10.500 Mitarbeiter gehen müssen. Insgesamt unterhält das Unternehmen sieben Produktions- und Konstruktionsstandorte deutschlandweit.

Gewerkschaft kritisiert Konzernleitung

Die Gewerkschaft hatte schon im Janauar für den Fall eines Stellenabbaus Widerstand angekündigt. "Dann sitzen wir hier nicht mehr so gemütlich", hatte Jan Otto, IG-Metall-Vorsitzender in Ostsachsen, beim Besuch von Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig gesagt. Nun erklärte er, der Stellenabbau sei nicht gerechtfertigt. Die Werke seien ausgelastet und hätten sogar schon Aufträge abgeben müssen. Mit der Personalverringerung würden Fehler der Konzernleitung aus den vergangenen Jahren kaschiert.

Anfang des Jahres hatte WirtschaftsministerDulig bei einem Werksbesuch betont, Bombardier trage eine Verantwortung für die Region und die Mitarbeiter in Bautzen und Görlitz. Bombardier-Geschäftsführer Dieter John schloss dagegen schon damals einen Stellenabbau nicht aus. Künftig soll es laut John ein "Werk Sachsen" von Bombardier mit zwei Unternehmensteilen geben. Diese sollen spezialisiert und besser aufeinander abgestimmt sein. Verantwortlich soll dann eine gemeinsame Betriebsleitung sein. Schon jetzt halfen sich Mitarbeiter beider Werk bei Engpässen gegenseitig aus.

Mirko Schultze, Görlitzer Landtagsabgeordneter der Linken sagte, für den Standort Görlitz wie für die ganze Region sei das ein harter Schlag. Es gelte jetzt, die Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen und gemeinsam mit der IG Metall alles zu versuchen, die Streichungen entweder abzuwenden oder aber wenigstens so sozial verträglich wie möglich zu machen. "Ich erwarte vom Oberbürgermeister von Görlitz, der jahrelang als Manager bei Bombardier beschäftigt war und alle Warnungen in den Wind geschlagen hat, jetzt klare Worte in Richtung des Konzerns sowie ein klares Bekenntnis zu Belegschaft." Siegfried Deinege ist seit Juli 2012 Rathauschef.

Reisezugwagen und Trambahnen für halb Europa

Ein Doppelstockwagen der DB Regio mit der Anzeige "Nicht einsteigen" steht an einem Bahnsteig vor dem Bahnhof Mittweida.
In Görlitz werden Doppelstockwagen entwickelt und gebaut, die deutschlandweit und im Ausland fahren. Bildrechte: MDR/Regina Hamborg

In Görlitz werden Wagenkästen sowie komplette Schienenfahrzeuge projektiert, entwickelt und gefertigt. Bis 1849 reicht die Tradition des Waggonbauwerks an der Neiße zurück. International bekannt ist der Betrieb für seine Doppelstockwaggons.

Noch drei Jahre älter ist das Werk in Bautzen. An der Spree hat man sich aber im Laufe der vergangenen 25 Jahre auf den Bau von Straßenbahnen spezialisiert. Zuvor waren auch in Bautzen Reisezugwagen gebaut worden, die - modernisiert - noch heute von zahlreichen osteuropäischen Bahngesellschaft eingesetzt werden.

Aktuell beschäftigt Bombardier an den beiden ostsächsischen Standorten 3.500 Menschen. Viele sind langjährige Fachkräfte für den Schienenfahrzeugbau.

Zuletzt aktualisiert: 25. Februar 2016, 21:17 Uhr

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62 Kommentare

17.03.2016 15:29 M.p.BW. 62

Die Bilder von Ostsachsen mit brennenden Heimen,Hetze,Brüllen usw.trägt Früchte.Ursache und Wirkung,das ist immer so im Leben. Auch im Westen haben Heime gebrannt,aber die Feuerwehr zu behindern,das ist zum Schaden von Sachsen gewesen....Vielleicht sollten die Menschen erst denken,bevor sie Staftaten begehen..Die Mitarbeiter zahlen den Preis dafür..

28.02.2016 17:14 M. Jacob 61

So manchem Autor hier empfehle ich dringend die Teilnahme an einem Deutschkurs. Derzeit werden sehr viele Kurse angeboten und ich denke, die Teilnahme schult nicht nur die Sprach- und Schriftkenntnisse, sondern auch das Miteinander und das Kennenlernen von Menschen aus anderen Kulturen, eben Toleranz.

28.02.2016 13:08 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 60

@ 59. realist: Das tut gut zu lesen! Eigentlich eine selbstverständliche Haltung, die nicht weiter zu betonen wäre, aber in der heutigen Zeit scheint diese Selbstverständlichkeit unter die Räder des 'Scheiß auf Anstand'-Zuges geraten zu sein. Weiter so und nicht unterkriegen lassen!

28.02.2016 10:31 realist 59

Wir bei Bombardier in Goerlitz beschäftigen Menschen aus 14 Nationen, arbeiten gemeinsam und versuchen in Büro und Werkstatt die Managementfehler auszubuegeln. Gemeinsam mit IGM und allen demokratischen Kräften geben wir Ausländerfeindlichkeit keine Chance.

27.02.2016 16:14 Wessi 58

Hallo, gehts noch? Hier wird jammernd gefordert, die Politik möge sich engagieren.Wie denn? Das ist, Ihr lieben Leute, im Kapitalismus anders.Ihr wolltet das 1989.Und noch heute schimpft Ihr auf "Linke" die da vielleicht was ändern wollen.Guckt mal ins AfD-Programm zu den Themen Wirtschaft,Mindestlohn,Arbeitnehmerrechte...ich meine da nicht wachsweiche Nix-Aussagen.Und was sollen die Gewerkschaften denn tun? Politische Streiks sind gesetzeswidrig...die Gewerkschaften können gegen betriebliche Entscheidungen nur das Beste (ist nie 100%) heraushandeln oder ggf. klagen.Also was nun?

27.02.2016 15:13 V2Knut 57

@53. [Krause-Göring-Eckardt]: Darauf gibt es noch mal ein AMEN! ... und zwar gratis...

27.02.2016 12:39 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 56

@ 53. V2Knut: Endlich!! Endlich haben Sie es begriffen!!

27.02.2016 12:24 Thomas Meltzer 55

Das ist eben der Kapitalissmus Opel gibt man trotz nicht Erfüllung von Vorderungen (Abspaltung von GM) einhaufen Steuergeld und Ostdeutschenregionen und Firmen in Ostdeutschland läst man kaputt gehen und auch die Landwirtschaft wird nicht unterstützt wenn sie in einer Kriese istr aber Banken bekommen sofort Milliarden in den Arsch geschoben das ist der Kapitalismus der Bruder des Faschissmus verbreitet von der USA

27.02.2016 11:55 V2Knut 54

@52. [Martin]: Wenn es Ihnen jetzt besser geht, bevor Sie sich hier auskotzten, dann gönne ich es Ihnen! ............... Ein Sachse mit einiger Bildung und mit etwas mehr Optimismus für die Zukunft... , und der sich Ihre vollgekleckerten Schuhe nicht anziehen wird ...

27.02.2016 11:26 V2Knut 53

@51.: Bei soviel Allwissenheit bleibt der dümmlichen Gemeinde in den unterentwickelten Landstrichen wie so oft nur noch eines: AMEN!