Schon von weitem kann man das Kraftwerk Lippendorf mit seinen riesigen Türmen erkennen
Bildrechte: MDR/Duy Tran

Lausitzer Tagebau Greenpeace erhebt Vorwürfe gegen EPH

Im vergangenen Jahr hat das tschechische Energieunternehmen EPH das Braunkohlegeschäft von Vattenfall in der Lausitz übernommen. Umweltaktivisten von Greenpeace betrachteten den Verkauf kritisch - und legen jetzt nach: die 1,7 Milliarden Euro Barmittel von Vattenfall seien womöglich nicht mehr vorhanden. Die sächsische Landeregierung und der neue Eigentümer LEAG weisen die Vorwürfe zurück.

Schon von weitem kann man das Kraftwerk Lippendorf mit seinen riesigen Türmen erkennen
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Greenpeace erhebt schwere Vorwürfe gegen den neuen Eigentümer der Lausitzer Braunkohle-Sparte. Demnach sollen 1,7 Milliarden Euro für die Rekultivierung verschwunden sein. Das Geld habe Alt-Eigentümer Vattenfall dem Käufer EPH nach der Übernahme ausgezahlt. Im jüngst erschienenen "Schwarzbuch EPH - Bilanz nach 100 Tagen LEAG (ein Update)" von Greenpeace wird ausgeführt:

Die 1,7 Milliarden Euro Barmittel, die Vattenfall dem Käufer für die Rekultivierung mitgegeben hat, [sind] womöglich nicht mehr vorhanden […]. Unmittelbar nach der Übernahme von Vattenfall sind Gesellschafter der EPH mit Milliardenbeträgen ausgezahlt worden.

Greenpeace "Schwarzbuch EPH - Bilanz nach 100 Tagen LEAG (ein update)"

Greenpeace befürchtet, dass bei einer drohenden Pleite des Unternehmens kein Geld mehr vorhanden ist und die Landesregierungen von Sachsen und Brandenburg für die Rekultivierungskosten aufkommen müssten. Die Umweltorganistaion stützt sich dabei in ihrem Bericht auch auf den letzten Halbjahresbericht von Vattenfall, der im Dezember 2016 veröffentlicht wurde. Darin weist das Unternehmen hohe Verluste auf. Auch für das Nachfolgeunternehmen LEAG werden in dem Greenpeace-Bericht düstere Zeiten vorausgesagt.

Linke fordert Handeln der Landesregierung

Die sächsische Linke forderte Wirtschaftsminister Martin Dulig auf, von EPH Sicherheitsleistungen für die bestehenden Tagebaue zu verlangen, die wie eine Kaution hinterlegt werden. Der Sprecher des Wirtschaftsministeriums, Jens Jungmann sagte dem MDR, die Vorwürfe seien nicht neu. Die Landesregierung prüfe derzeit die Bücher der LEAG wie schon beim Verkauf angekündigt."Während der Prüfung wird auch die Frage eine Rolle spielen, ob und wenn ja in welchem Umfang Sicherheitsleistungen von der LEAG erhoben werden könnten." Die Spekulationen, Rückstellungen für die Rekultivierung seien verschwunden, entbehrten jeder Grundlage. Rückstellungen seien nach Handelsrecht Verbindlichkeiten, die hinsichtlich ihrer Entstehung oder Höhe ungewiss seien. "Wie soll man also Rückstellungen verscherbeln?", so Jungmann.

LEAG: Rückstellungen stehen zur Verfügung

Auch die LEAG widerspricht den Spekulationen: Mit dem Verkauf der Vattenfall-Braunkohlensparte an die neuen Eigentümer EPH/PPF I seien die Unternehmen Lausitz Energie Bergbau AG und Lausitz Energie Kraftwerke AG mit finanziellen Mitteln in einem Umfang von etwa 1,7 Milliarden Euro ausgestattet worden, erklärte Sprecherin Kathi Gerstner auf Anfrage des MDR.

Für die Wiedernutzbarmachung von Bergbaufolgelandschaften hat die Vattenfall Europe Mining AG bereits vor dem Verkauf, wie gesetzlich gefordert, angemessene Rückstellungen gebildet, die nach wie vor dem Unternehmen Lausitz Energie Bergbau AG zur Verfügung stehen.

LEAG

Die Rückstellungen würden im Jahresabschluss ausgewiesen und damit auch regelmäßig im Bundesanzeiger veröffentlicht. Sie beliefen sich laut Bilanz der Vattenfall Europe Mining AG zum 31.12.2015 auf etwa 1,4 Milliarden Euro.

Erst jüngst hatte der neue LEAG-Chef im Interview mit dem MDR mögliche neue Braunkohle-Tagebaue in der Lausitz in Aussicht gestellt. Näheres wolle er im Frühsommer sagen.

Greenpeace wollte Vattenfalls Braunkohlesparte ebenfalls kaufen und hatte ein Stiftungsmodell im Sinn. Die Braunkohle-Verstromung sollte dann bis spätestens 2030 beendet werden. Doch die Umweltaktivisten waren aber aus dem Bieterverfahren ausgeschlossen worden.

Zuletzt aktualisiert: 28. Januar 2017, 16:25 Uhr

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3 Kommentare

29.01.2017 11:21 Jens der Lausitzer 3

@2, ja genau, aber diesen "Hirnschmalz" hat eben Greenpeace nun gerade nicht. Einseitigkeit und Scheuklappendenken ist deren Primat. Schön, dass diese Truppe bei den Bieterverhandlungen rausgeflogen ist. Die Lausitzer Landkreise sind zur Zeit sehr froh, dass es so gelaufen ist wie es ist.

28.01.2017 00:46 Blumentopf 2

Ich bin froh, dass wenigstens Greenpeace den Wecker stellt, sonst würden unsere Landesregierungen noch viel länger schlafen. So ein Strukturwandel braucht Zeit und viel Hirnschmalz. Je früher wir umdenken, desto sozialverträglicher wird's!

28.01.2017 15:24 Morchelchen 1

Hat man noch vor 10 Jahren hochachtungsvoll von Greenpeace gesprochen, hinterlässt diese Organisation mittlerweile einen schalen Nachgeschmack. Die sind einfach zu realitätsfremd geworden und, was mich besonders stört, zu radikal.