Tischtennisspiel.
Ohne das Ehrenamt läuft im Breitensport nichts. Bildrechte: dpa

Bildungsurlaub, weniger Formulare und ein Dankeschön Das wünschen sich die Oberlausitzer Sportvereine

Tischtennisspiel.
Ohne das Ehrenamt läuft im Breitensport nichts. Bildrechte: dpa

Christoph Mehnert will kein Jammerlied anstimmen, sondern sagen, was besser laufen könnte. Deshalb hat der Präsident des Bautzener Leichtathletik-Vereins Rot-Weiß 90 bei der Wunschzettelaktion des Kreissportbundes mitgemacht. Für ihn steht vor allem eine Problematik im Raum. Beim LV Rot-Weiß mit knapp 400 Sportlern gibt es derzeit zehn Übungsleiter. "Es ist gut, dass sie den Idealismus haben, sich für ihre Schützlinge einzusetzen", lobt Mehnert.

Christoph Mehnert vom Bautzener LV Rot-Weiß 90
Christoph Mehnert vom Bautzener LV Rot-Weiß 90 Bildrechte: LV Rot-Weiß 90

Aber oft stießen die Trainer an ihre Grenzen, da das Übungleiterdasein im Ehrenamt erfolgt. Es sei nicht leicht, Job, Familie und den Sport unter einen Hut zu bekommen. Das führe dazu, dass auch mal Trainingseinheiten ausfallen müssen. Sicherlich fände es Mehnert schöner, wenn sein Verein einen hauptamtlichen Trainer hätte. Doch wer soll das bezahlen? Eine Alternative wäre ein Regionaltrainer, in den sich mehrere Vereine reinteilen, schlägt der Präsident des LV Rot-Weiß vor.

Manchmal reicht ein einfaches Dankeschön.

Lars Bauer Geschäftsführer vom Kreissportbund Bautzen

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hatte im August zum Ehrenamtsforum in Kamenz Sportvereine des Landkreises aufgerufen, ihre Sorgen und Nöte in Form eines Wunschzettels aufzuschreiben. Das Ergebnis stellte der Kreissportbund am Mittwoch vor. "Rund 30 Vereine haben sich zurückgemeldet und ihre Wünsche sind sehr intensiv und vielfältig ausgefallen", sagt Lars Bauer, Geschäftsführer des Kreissportbundes. Dabei wurde deutlich: "Der Schuh drückt am meisten in der Wertschätzung und Anerkennung der ehrenamtlichen Arbeit", so Bauer. Manchmal reiche da schon ein einfaches Dankeschön der eigenen Mitglieder. Aber laut Bauer gibt es auch Dinge, die auf höherer Ebene angepackt werden müssen.

Zu viel Bürokratie

Das beginnt bei den Kommunen und der Kreisverwaltung: Ein Dankeschön, finanzielle Entlastungen und weniger Bürokratie, nennt der Sportbund als Stichworte für eine höhere Wertschätzung der engagierten Sportler. Bauer möchte diesbezüglich gemeinsam mit dem Landkreis einen Maßnahmekatalog erarbeiten, um das Ehrenamt im Sportverein attraktiver zu machen. So wünschen sich Sportler weniger Papierkram und Formulare, wenn es um die Nutzung von Sportstätten oder Fördermittel geht. Auch verkomplizieren manche Gesetze das Vereinsleben unnötig. So müssen die Sportvereine aktuell die Datenschutzverordnung der Europäischen Union umsetzen. "Da hängt ein ganzer Rattenschwanz dran, bis hin zu finanziellen Belastungen", so Bauer.

Bildungsurlaub fürs Ehrenamt

links Renaldo Barting MSV Bautzen 04, rechts Alexander Riemann
Fechten in Bautzen. Bildrechte: Kreissportbund

Der Freistaat sollte sich hingegen Gedanken über einen Bildungsurlaub für Ehrenamtliche machen. "14 Bundesländer haben dazu bereits eine gesetzliche Grundlage. Sachsen und Bayern bilden die Ausnahme", kritisiert Bauer. Das bedeutet, dass Übungsleiter für Aus- und Fortbildungsmaßnahmen entweder Urlaub nehmen oder auf Abend- und Wochenendlehrgänge ausweichen. Nicht zuletzt wären auch auf Bundesebene Dinge anzugehen. So fordert der Kreissportbund die Erhöhung des Freibetrages für die Übungsleiter- und Ehrenamtspauschale und, dass der Bund Rentenpunkte für die ehrenamtliche Arbeit erwägt. Für Bauer steht fest - das Ehrenamt im Sport braucht einen höheren Stellenwert.

Knapp 400 Vereine sind mit 47 verschiedenen Sportarten im Kreissportbund Bautzen organisiert. Die Palette der Angebote reicht vom klassischen Fußball bis zum Modellflugbau.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 06.12.2017 | ab 16:00 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

Zuletzt aktualisiert: 06. Dezember 2017, 17:27 Uhr

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1 Kommentar

07.12.2017 07:14 Enrico 1

Was mich vor allem entsetzt, ist die zunehmende Unzuverlässigkeit und Unpünktlichkeit der jungen Sportler bzw. deren Eltern. Da gerät man als Trainer schnell zur Überlegung, ob das eigene Engagement und der Zeitverlust für die eigene Familie das Resultat rechtfertigt. Da wird sich nicht abgemeldet oder häufig unpünktlich erschienen, aber der Trainer soll immer pünktlich da sein.