Landrat Michael Harig
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Bautzen Landrat Harig trifft NPD-Kreischef

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Bautzens Landrat Michael Harig hat sich am Donnerstag mit dem NPD-Kreisvorsitzenden Marco Wruck zu einem Gespräch getroffen. Thema waren die Ausschreitungen zwischen Flüchtlingen und Deutschen im September in der Kreisstadt. Im Vorfeld hatte es heftige Kritik an dem geplanten Treffen gegeben, um das Wruck den Landrat gebeten hatte. Der 32-Jährige ist in der rechten Szene als Wortführer der Gruppe "Sachsen wehrt sich" bekannt. Er hatte am 9. September auf dem Bautzner Kornmarkt eine Demonstration unter dem Motto "Remigration statt Immigration" angemeldet. Fünf Tage danach war die Situation in Bautzen eskaliert.

"Auf dem Fundament des Grundgesetzes"

Wie Landrat Michael Harig am Donnerstagabend mitteilte, verlief das Gespräch in einer vernünftigen und sachlichen Atmosphäre. Er habe deutlich gemacht, dass der Staat aus humanistischer und rechtlicher Sicht zur Hilfeleistung gegenüber Flüchtlingen verpflichtet ist. "Ich habe zum Ausdruck gebracht, dass wir auf dem Fundament des Grundgesetzes stehen", so Harig.

'Die Würde des Menschen ist unantastbar' gilt für jeden Menschen, ohne Ansehen der Person.

Michael Harig Landrat

Harig weiter gesprächsbereit

Harig steht zu seiner Entscheidung, mit denen Gespäche zu führen, die dafür zugänglich sind. Er sagte MDR SACHSEN, darüber lasse er sich auch nicht belehren – weder von seiner eigenen Partei noch von anderen. Es mache Sinn, mit allen Beteiligten in Bautzen zu reden, um die Verhältnisse im positiven Sinn zu verändern. In Bautzen müsse man sich darüber Gedanken machen, wie öffentliche Plätze genutzt werden können oder dürfen, so Harig weiter. Außerdem brauche es eine Form der Jugendarbeit, die alle erreiche.  Es sei notwendig, weitere Gespräche zu führen. Dazu wolle er auch Oberbürgermeister Alexander Ahrens ansprechen.

Aus Harigs Sicht ist es dem NPD-Kreisvorsitzenden Marco Wruck in dem Gespräch um eine Normalisierung in der Stadt gegangen. Wruck sehe im Zusammenhang mit den Vorkommnissen im September große Probleme darin, dass Erziehungsberechtigte nicht ihren Pflichten nachkommen. Dies äußere sich insbesondere im unkontrollierten Ausgang der Jugendlichen bis in die Nachtstunden sowie übermäßigem Alkoholkonsum.

Wruck: "Kritik nur an einer einzigen Stelle"

Harig hat Wruck nach eigener Aussage dazu aufgefordert, "seinen Einfluss dahingehend geltend zu machen, der Verrohung in den sozialen Netzwerken keinen Vorschub zu leisten, indem verbal - im Sinne des Wortes - abgerüstet wird".

Wruck zufolge war Harigs Rüge am Facebook-Profil des NPD-Politikers die einzige Stelle, an der der Landrat Kritik geübt hatte. Wruck sagte dem MDR, er werde an seinem Verhalten in dem Netzwerk nichts ändern, da es sich um sein privates Profil handle. Dort äußert sich Wruck unter anderem negativ über Flüchtlinge.

Weitere Termine sollen folgen

Nach Einschätzung von Wruck war es insgesamt ein gutes Gespräch. Er sagte dem MDR, beide Seiten werden bei weiteren Terminen miteinander reden. Auch Oberbürgermeister Ahrens solle daran teilnehmen, ebenso weitere Vertreter aus dem rechten Lager. Wruck könne sich auch vorstellen, dass Vertreter vom Bündnis "Bautzen bleibt bunt" mit am Tisch sitzen. Einen Konsens haben die Gesprächspartner nach Wrucks Angaben beim Thema Kornmarkt gefunden. Nun wolle man "Ruhe reinbringen". Der Jugendschutz soll konsequent umgesetzt werden und für alle gelten.

Linke und Grüne: Mit Nazis spricht man nicht

Die Linksjugend wird Wruck wohl nicht von einem Treffen überzeugen können. Ihre Meinung machten die jungen Linken mit einer Demonstration gegen das Treffen vor dem Landratsamt noch einmal deutlich: Mit Nazis spricht man nicht. Das sehen auch die Grünen im Landkreis so. "Das sind ja nun mal keine rechtsorientierten, besorgten Bürger, wie man sie heute nennt. In meinen Augen sind das Nazis und ich wüsste nicht, was man mit denen besprechen sollte", sagte Claus Gruhl vom Grünen-Kreisverband Bautzen.

Mitglieder der Linksjugend demonstrieren vor dem Landratsamt Bautzen gegen ein Treffen von Landrat Michael Harig mit NPD-Kreisvorsitzendem Marco Wruck.
Die Linksjugend machte ihrem Ärger über das Treffen Harigs und Wrucks bei einer Demonstration vor dem Landratsamt Luft. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Zuletzt aktualisiert: 16. Dezember 2016, 10:38 Uhr

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7 Kommentare

17.12.2016 16:26 HERBERT WALLASCH, Pirna 7

Natürlich gibt es Gespräche, das ist Realpolitik, ist ja auch richtig die Probleme von jeder Seite anzusprechen, keine hat die absolute Warheit gepachtet. Ganz freiwillig war das sicherlich nicht, aber andere Parteien reden Klartext und man will nicht untätig erscheinen, nach Monaten.

17.12.2016 09:31 ralf meier 6

Es wird einsam um diejenigen, die uns vorschreiben wollen, was wir sagen dürfen und zu wem. Gut so.

16.12.2016 17:04 Normalo 5

Peinlich ist das Bild mit den wenigen Demonstranten wirklich. Peinlich und bedrückend und bezeichnend für die Zustände in Sachsen. Die einen halten es mehr oder weniger offen mit den Rechten, die anderen trauen sich nicht mehr die Demokratie zu verteidigen. Man hat Angst vor Verfolgung. Gruselig.

16.12.2016 15:06 ex-ossi 4

Zu glauben, dass man mit der NPD reden müsse, weil wir nun in einer Demokratie leben, ist falsch. Ich jedenfalls kenne keine Demokratie in der es poltische Praxis ist, mit jedem und jeder im Diskurs zu stehen. Es ist durchaus erlaubt Grenzen zu ziehen. In diesem Fall ist die Grenzüberschrietung gefährlich und an politischer Naivität nicht zu überbieten. Damit werden a) Schlägertrupps politisch aufgewertet und zweites b) den Nazis keinen Stimmen abgejagt, sondern Wahlwerbung für diese gemacht. Die CDU in Sachsen hat da mittlerweile jeden politischen Kompass verloren ...

16.12.2016 10:43 Username vergeben 3

Durch dieses Gespräch werden die Nazis nun endlich verstanden haben, das jeder Mensch ein Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit hat. Sie werden sich nicht weiter zu Hetzjagden, Übergriffen und Anschlägen verabreden. *Ironie aus*

16.12.2016 10:09 Agnostiker 2

Kleine Dogmatiker, die nicht nur "sprachlos" sind sondern auch sonst nix zu sagen haben, sollten einfach mal die Klappe halten wenn Erwachsene reden.

16.12.2016 09:26 BesterOssi 1

Sehr gut, diese Gespräche, weiter so Herr Wruck und Herr Harig, das kann noch was werden ... Bezeichnend und wieder mal entlarvend das dumme Gestammel der Linksextremisten. Und wenn ich mir das Foto von der gewaltigen "Demo" so ansehe: vermummt und derartig übersichtlich, einfach nur peinlich.