Unwetter in Ostsachsen - überschwemmte Gärten
Bildrechte: MDR/News 5

Aufräumen nach Unwetter Spitzkunnersdorf erlebt sein schlimmstes Hochwasser

Unwetter in Ostsachsen - überschwemmte Gärten
Bildrechte: MDR/News 5

An der Dorfstraße in Spitzkunnersdorf wird am Tag nach dem starken Unwetter immer noch geschaufelt, geschrubbt und Schlamm abgespritzt. Familie Blum kennt die Prozedur schon, sie erlebt das inzwischen zum fünften Mal. 2010 und 2013 hat es sie gleich mehrmals getroffen - und nun wieder 2017. Aber so schlimm war es noch nie. Das ganze Grundstück samt Gartenteich und Schuppen ist verschlammt. Das Haus hat es zum Glück dank einer Sperrwand an der Haustür nicht so stark getroffen. Andere hat es da schlimmer erwischt: Bei den Nachbarn wurden Autos weggespült und Wohnzimmer unter Wasser gesetzt. Etwa 50 Häuser sind in Spitzkunnersdorf vom Hochwasser betroffen.

Große Hilfsbereitschaft nach dem Unwetter

"Das Unwetter hat nur eine halbe Stunde gedauert", erzählt Friedhart Seidel, der ebenfalls an der Dorfstraße wohnt. Innerhalb von ein paar Minuten habe es aber so stark geregnet, dass der Dorfbach an der Straße stark anschwoll und das Wasser mehr als einen halben Meter im Grundstück stand. Kaum aber war der Spuk vorüber, haben alle mit angepackt. Bis zu 300 Anwohner, Gäste und Urlauber hätten mitgeholfen, sagt Bürgermeister Bruno Scholze. Auch er ist am Tag nach dem Unwetter in Gummistiefeln an der Dorfstraße unterwegs, um die Schäden zu begutachten. Die Hilfsbereitschaft habe ihn sehr gefreut. Sogar aus Bad Schandau habe man Hilfsangebote bekommen. Natürlich könne man die Schäden nicht von heute auf morgen beseitigen, das werde länger dauern.

Zwei Männer neben einem Baum
Bildrechte: MDR/Viola Simank

Wenn in sieben Jahren viermal Hochwasser ist, dann ist das schlimm. Da weiß man auch nicht mehr, was man den Menschen als Trost sagen soll. Man kann bloß helfen: Beim Aufräumen, bei der Entsorgung des Sperrmülls, da übernehmen wir als Gemeinde auch die Kosten. Aber es ist schwierig.

Bruno Scholze (CDU), Bürgermeister von Leutersdorf

Rückhaltebecken geplant aber nicht gebaut

Vor allem über die Felder hinter dem Ort floss das Wasser wie auch schon bei vergangenen Starkregen in den Ort hinein. Schon lange sind deshalb zwei Rückhaltebecken geplant, doch die gibt es bisher nur auf dem Papier. Denn das Land, auf dem sie gebaut werden sollen, gehört nicht der Gemeinde. Die Eigentümer aber wollen nicht verkaufen - sehr zum Ärger der Betroffenen. Am liebsten würde sie ihnen einen Schlammcontainer vors Haus schütten, erzählt eine Anwohnerin, damit sie sehen, was das Hochwasser anrichtet.

Bildergalerie Das große Aufräumen

Gartenstühle, Rad
Die Spitzkunnersdorfer haben bereits 2010 und 2013 mehrere Hochwasser erlebt. Das gestrige war aber bisher das Schlimmste. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Gartenstühle, Rad
Die Spitzkunnersdorfer haben bereits 2010 und 2013 mehrere Hochwasser erlebt. Das gestrige war aber bisher das Schlimmste. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Garten
Rund 50 Grundstücke wurden von den Wassermassen überflutet ... Bildrechte: MDR/Viola Simank
Schlammbespritzte Fahrräder
... auch in Wohnhäuser und Schuppen drang das Wasser ein. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Voller Container an einer Straße
Seit Sonntag füllen sich die Sperrmüllcontainer bei den Betroffenen. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Frau hält Gummistiefel
Gummistiefel sind in Spitzkunnersdorf zur Zeit sehr begehrt und im Nachbarort sogar schon ausverkauft. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Dorfstraße
Die Dorfstraße am Spitzkunnersdorfer Wasser. Am Sonntag stand das Wasser innerhalb von wenigen Minuten einen halben Meter hoch. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Mann putzt Fahrrad
Der Kärcher im Dauereinsatz: Der Schlamm muss schnell runter. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Schmutzige Schuhe
Bildrechte: MDR/Viola Simank
Alle (8) Bilder anzeigen

Auch Friedhart Seidel, der für die CDU im Gemeinderat sitzt, ist auf die Landeigentümer nicht gut zu sprechen. Ein Teil würde gar nicht hier wohnen, sondern irgendwo in den alten Bundesländern. "Die haben doch gar keinen Bezug hierher." Aber es gibt auch im Ort Stimmen, die die Rückhaltebecken kritisch sehen und bezweifeln, ob sie wirklich solche Schäden verhindern würden. Im Fall des aktuellen Unwetters ist es wohl tatsächlich so, dass die geplanten Rückhaltebecken vermutlich wenig gebracht hätten.

Planungen neu überdenken

Denn, sagt Bürgermeister Scholze, das Wasser kam aus einer ganz anderen Ecke als bisher, nämlich unter anderem über den großen Stein und über den Kiesberg. Die Rückhaltebecken seien aber an einer anderen Stelle geplant gewesen, so dass sie die Wassermassen gestern gar nicht hätten aufhalten können. Zumal sie für soviel Regen auch zu klein gewesen wären: Immerhin fielen bis zu 80 Liter Wasser pro Quadratmeter innerhalb von nur 20 Minuten. Angesichts der aktuellen Ereignisse müsse man die Planung also noch einmal neu überdenken, so Bruno Scholze.

Gemeinderat Friedhart Seidel ist nichtsdestotrotz immer noch für den Bau der Becken. Auch wenn sie keine hundertprozentigen Schutz bieten würden, so müsse man es doch wenigstens versuchen. So sehen das auch viele Anwohner. Denn es ist bestimmt nicht das letzte Hochwasser in Spitzkunnersdorf gewesen.

Bildergalerie Heftige Unwetter in der Oberlausitz

Während viele Menschen den Muttertag mit sommerlichen Temperaturen genießen konnten, sorgten kräftige Gewitter in der Oberlausitz für chaotische Verhältnisse. Schwer getroffen hat es Spitzkunnersdorf und Oderwitz.

Unwetter in Ostsachsen - überschwemmte Gärten
Bis zu 70 Liter Regen auf den Quadratmeter haben dafür gesorgt, dass sich der sonst eher beschauliche Spitzkunnersdorfer Bach zu einem reißenden Strom verwandelte.  Bildrechte: MDR/News 5
Unwetter in Ostsachsen - überschwemmte Gärten
Bis zu 70 Liter Regen auf den Quadratmeter haben dafür gesorgt, dass sich der sonst eher beschauliche Spitzkunnersdorfer Bach zu einem reißenden Strom verwandelte.  Bildrechte: MDR/News 5
Unwetter in Ostsachsen - überschwemmte Gärten
Bis zu 80 Zentimeter hoch stand das Wasser in der Ortschaft. Bewegliche Güter wie Mülltonnen oder Bänke wurden mitgerissen und in Vorgärten geschwemmt. Bildrechte: MDR/News 5
Überschwemmungen in der Oberlausitz
Autos verschwanden in den Fluten. Bildrechte: MDR/Matthias Wehnert
Unwetter in Ostsachsen - überschwemmte Gärten
Nach Aussagen von CDU-Gemeinderat Friedhart Seidel wäre das Unglück vermeidbar gewesen: "Es sind schon lange Hochwasserauffangbecken geplant. Aber einzelne Landeigentümer sind dagegen und alle müssen darunter leiden." Bildrechte: MDR/News 5
Überschwemmungen in der Oberlausitz
Mehrere Feuerwehren aus der Region waren im Einsatz, um das Wasser aus den überfluteten Vorgärten abzupumpen. Das Strom- und Telefonnetz brach teilweise zusammen. Verletzte gab es nach ersten Angaben nicht. Bildrechte: MDR/Matthias Wehnert
Alle (5) Bilder anzeigen

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Fernsehen: MDR SACHSENSPIEGEL | 15.05.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Mai 2017, 21:52 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.