DGB-Lausitzkonferenz in Hoyerswerda "Wir können uns nicht leisten, in Zukunft nur Tretboote zu vermieten"

Wo liegen die Potenziale der Lausitz, wo deren Zukunft? Auf diese Fragen versuchte die Lausitzkonferenz des Deutschen Gewerkschaftsbundes DGB am Mittwoch in Hoyerswerda Antworten zu finden. Seit 13 Jahren veranstaltet der DGB die Lausitzkonferenzen. Dieses Jahr mit einer Premiere: Zum ersten Mal standen der sächsische und der brandenburgische Wirtschaftsminister auf einer Bühne und diskutierten.

Blick übern Tagebau Nochten auf das Kraftwerk Boxberg.
Dampfende Kühltürme - wie hier im Braunkohlekraftwerk Boxberg - werden in der Lausitz bald der Vergangenheit angehören. Jetzt sucht die Region nach Wegen nach dem Kohleabbau. Bildrechte: MDR/Rica Sturm

Was kommt nach der Kohle? Diese Frage treibt seit zwei Jahrzehnten die Menschen in der Lausitz um. Lange war der Strukturwandel in der Lausitz ein Thema für nächste Generationen. Durch die aktuelle Energiepolitik der Bundesregierung aber ist es plötzlich in greifbare Nähe gerückt. In etwa 20 Jahren soll mit der Braunkohleverstromung Schluss sein. Erste Ideen, wie es danach weitergehen soll, gibt es. Ob diese aber auch den Praxistest bestehen, werden die nächsten Jahre zeigen.

Milliardeninvestition am Flugplatz Rothenburg geplant

Die Zukunft der Lausitz liege nicht nur im Tourismus, in Naturreservaten oder der Energie, betonte Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig zum Auftakt der Konferenz in Hoyerswerda. Die Lausitz sei neben der Energieregion vor allem auch eine Industrieregion. Dulig verkündete, ein chinesischer Automobilzulieferer plane auf dem Flugplatz in Rothenburg eine Milliardeninvestition. Dieser wolle in der Oberlausitz Elektrofahrzeuge bauen und plane mit bis zu 1.000 Arbeitsplätzen.

Geld wird in der Industrie verdient

Drei Männer stehen auf einer Bühne in einem voll besetzten Saal und diskutieren
Rund 140 Gäste kamen zur Lausitzkonferenz in Hoyerswerda, darunter die Wirtschaftsminister von Sachsen und Brandenburg, Bürgermeister sowie Landtags- und Bundestagsabgeordnete. Bildrechte: Sächsisches Wirtschaftsministerium

Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber hatte ebenfalls gute Kunde. Der Windanlagenbauer Vestas werde in Lauchhammer rund 300 neue Arbeitsplätze schaffen. Ganz neu war die Nachricht nicht. Doch beide Minister wollten zeigen, dass in der Lausitz auch künftig vor allem industrielle Arbeitsplätze vonnöten sind. "Wir können uns nicht leisten, in Zukunft nur Tretboote zu vermieten. Davon kann die Region nicht leben", sagte Gerber.

Das Geld, das im Tourismus ausgegeben wird, werde in der Industrie verdient, machte der Brandenburger Minister klar. An jedem Industriearbeitsplatz hingen zwei bis drei Arbeitsplätze im Zulieferer- und Dienstleistungsbereich. Deshalb sei es wichtig, zuerst die ansässige Wirtschaft und Industrie zu stärken und dann Neuansiedlungen zu unterstützen. Und deshalb würden sich Dulig und Gerber gemeinsam für den Erhalt aller drei Bombardier-Standorte in Sachsen und Brandenburg einsetzen.

Länder gründen gemeinsame Gesellschaft

Auch beim Thema Strukturwandel arbeiten beide Bundesländer inzwischen enger zusammen als noch vor Jahren. Nach langem Ringen wollen Sachsen und Brandenburg in den nächsten Wochen eine gemeinsame Wirtschaftsförderungsgesellschaft namens Wirtschaftsregion Lausitz GmbH gründen. Gesellschafter sollen die Landkreise im Braunkohlerevier sowie die Stadt Cottbus sein. "Die Gesellschaft soll die Aktivitäten vor Ort bündeln, wissenschaftliche Expertisen einholen, Ideen entwickeln und strukturiert voranbringen. Wir wollen damit einen Ansprechpartner für die beiden Landesregierungen und die Bundesregierung haben", erklärte Martin Dulig.

Die Lausitz ist eine Region, die über Jahrhunderte hinweg einem Strukturwandel ausgesetzt war und viele Höhen und viele Tiefen erleben musste und gerade in den letzten Jahrzehnten mit Reindustrialisierung und Arbeitslosigkeit das bitter bezahlt hat. Deshalb haben wir eine Verantwortung, dass die Region eine gute Zukunft hat. Gerade jetzt durch die veränderte Energiepolitik ist eine Dynamik entfacht worden, wo klar ist, wir brauchen schnelle Antworten.

Martin Dulig Wirtschaftsminister Sachsen

Dulig: Lausitz braucht keinen Masterplan von außen

Vier Jahre soll diese Gesellschaft zunächst arbeiten. Acht Millionen Euro stellen beide Länder dafür zur Verfügung. Zum 1. Juli soll die GmbH starten. "Wir müssen eine gemeinsame Position für die Lausitz finden", mahnte Albrecht Gerber an.

Da sich nicht jeder Wunsch der Städte und Gemeinden erfüllen lasse, müsse die Region Schwerpunkte setzen, die ihr wichtig seien. Die Lausitzrunde - ein Zusammenschluss von Bürgermeistern und Landräten aus dem Lausitzer Braunkohlerevier sei dabei bereits eine "gute Triebfeder von unten", so Gerber. "Der Strukturwandel wird nur erfolgreich sein, wenn er aus der Region getragen wird", ergänzte Dulig. Die Lausitz bräuchte keinen Masterplan von außen, der den Menschen in der Region vorschreibt, was gut und was nicht so gut für sie ist, sagten beide Minister.

Die neue Eisarena, aufgenommen am 23.08.2013 in Weißwasser (Sachsen).
Ohne die Steuermillionen des Energiekonzerns Vattenfall hätte sich Weißwasser den Neubau seiner Eisarena nicht leisten können. Bildrechte: dpa

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 03.05.2017 | Nachrichten ab 11:00 Uhr
MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 03.05.2017 | Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen ab 11:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Mai 2017, 16:54 Uhr

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1 Kommentar

05.05.2017 11:07 Graf von Henneberg 1

Alles nur Politiker - Geschwätz. Ein Blick in das Ruhrgebiet genügt um den tiefgreifenden Wandel nach dem Abschied von der Kohle zu erkennen. In der Lausitz wird es nicht anders werden. Die Gegend wird in allen Bereichen wieder so aussehen wie vor Beginn der Kohleförderung. Ja, der Wolf ist ja auch schon wieder ansässig. Die Politik klebt nur Makulatur an die Wände um gewählt zu werden.