Wittichenau Dicke Luft im Maja-Möbelwerk

Seit Monaten bereitet die Gewerkschaft IG Metall im Maja-Möbelwerk in Wittichenau die Gründung eines Betriebsrates vor. Der Betrieb, den es seit 1990 gibt, beschäftigt aktuell rund 600 Mitarbeiter. Bisher haben die Beschäftigten keine Arbeitnehmervertretung. Das soll sich dieses Jahr ändern.

Das Maja Möbelwerk in Wittichenau.
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Dass die Betriebsratsgründung im Maja-Möbelwerk nicht einfach wird, das ist seit zwei Wochen klar. Die ersten Probleme tauchten auf, nachdem die Belegschaft am 25. Januar auf einer Betriebsversammlung einen Wahlvorstand gewählt hatte. Dieser Vorstand soll die Betriebsratswahl vorbereiten und durchführen. Die rund 400 Mitarbeiter, die an der Versammlung teilgenommen hatten, verständigten sich darauf, dass der Wahlvorstand aus fünf Kollegen bestehen sollte – wegen der Unternehmensgröße und des Schichtbetriebs. Zehn Kandidaten standen zur Auswahl. Jeder Mitarbeiter konnte auf dem Wahlzettel fünf Stimmen verteilen. Als in den Wahlvorstand gewählt galten die Kandidaten, die mindestens 50 Prozent der Stimmen bekommen haben. Das gelang nur drei Kollegen.

Wahlprotokoll nachträglich geändert

"Deshalb bin ich davon ausgegangen, dass der Wahlvorstand nicht gewählt ist", sagt Uwe Garbe von der IG Metall Bautzen. Er begleitet die Betriebsratsgründung. Die rechtliche Prüfung des Wahlergebnisses habe jedoch ergeben, dass ein Wahlvorstand für die Betriebsratswahl aus mindestens drei Mitgliedern bestehen müsse. "Folglich ist der Wahlvorstand doch gewählt, zwar mit drei und nicht wie geplant mit fünf Mitgliedern", erklärt Garbe. Deshalb habe er das Wahlprotokoll nachträglich geändert und die Wahl für gültig erklärt.

Geschäftsführung erkennt Wahlvorstand nicht an

Das ginge so nicht, sagt Geschäftsführer Uwe Gottschlich. Die Geschäftsführung erkennt den Wahlvorstand nicht an, weil er nicht aus den vereinbarten fünf Mitgliedern besteht. "Die IG Metall kann nicht einfach das Protokoll ändern und sich die Dinge so zurechtbiegen, wie sie es braucht", so der Firmenchef. Er habe mehrfach das Gespräch mit der Gewerkschaft gesucht. Ohne Erfolg, sagt er. "Wir hätten ja eine neue Wahl organisieren oder wie es der Gesetzgeber vorsieht, vom Arbeitsgericht einen Wahlvorstand einsetzen lassen können", schlägt Gottschlich vor.

Es ist denkbar schlecht, wenn der Betriebsrat nur mit Hilfe des Arbeitsgerichts starten kann.

Uwe Garbe, IG Metall Bautzen

Sollte die Geschäftsführung den Wahlvorstand nicht anerkennen, werde das Ganze ohnehin vor dem Arbeitsgericht ausgetragen, kündigt Garbe an. Auch ohne den Segen der Chefs habe der Wahlvorstand am Dienstag mit seiner Arbeit begonnen. "Er hat zunächst eine Beschäftigtenliste vom Arbeitgeber angefordert, um zu wissen, wer im Betrieb arbeitet, damit er die Wählerliste aufstellen kann", sagt der Gewerkschaftsmann. Er geht davon aus, dass die Firmenleitung die Unterlagen nicht freiwillig herausgibt und der Wahlvorstand sie gerichtlich einklagen muss.

Geschäftsführer verweist auf Gesetzeslage

Produktionsarbeiter im Maja Möbelwerk in Wittichenau.
Produktionsarbeiter überprüfen im Maja-Möbelwerk in Wittichenau lackierte Oberflächen von Holzplatten. Das Werk stellt unter anderem Leichtbaumöbel für Ikea her. Bildrechte: dpa

Maja befürworte die Bildung einer konstruktiven und partnerschaftlichen Mitarbeitervertretung, sagt Geschäftsführer Gottschlich. Es gebe auch seitens der Geschäftsleitung keine Bedenken mit der Wahl eines Wahlvorstandes. "Jedoch müssen sich alle beteiligten Partner dabei auch an die gesetzlichen Rahmenbedingungen halten. Unsere Mitarbeiter erwarten von uns, dass wir jederzeit rechtskonform handeln – das gilt auch und vor allem bei einem so wichtigen Sachverhalt wie der Wahl einer Mitarbeitervertretung. Und zwar im Interesse aller Mitarbeiter", sagt Geschäftsführer Uwe Gottschlich.

Gewerkschafter geht gegen Hausverbot vor

Gottschlich wirft dem Gewerkschaftsvertreter Garbe vor, er würde die Belegschaft spalten und Unruhe ins Unternehmen bringen. Deshalb habe der Gewerkschaftsmann diese Woche im Maja-Möbelwerk in Wittichenau Hausverbot bekommen. Garbe sieht das gelassen. Er habe eine Kanzlei beauftragt, eine einstweilige Verfügung zu bewirken, die ihm den Zutritt zum Betrieb ermöglicht. Er nennt die Begründung für das Hausverbot "fadenscheinig".

Aufgrund der mehrfachen und wissentlichen Falschaussagen gegenüber unseren Mitarbeitern, unsachlicher Polemik, Stimmungsmache und keinerlei Interesse an einem konstruktiven Gespräch mit dem Unternehmen haben wir einzig und allein dem für diese Wahlversammlung verantwortlichen Vertreter der IG Metall Hausverbot erteilt. Es besteht keinerlei Hausverbot gegenüber der IG Metall, da wir nach wie vor an einem konstruktiven Dialog interessiert sind.

Uwe Gottschlich, Geschäftsführer Maja-Möbelwerk Wittichenau

Die Betriebsleitung müsse akzeptieren, dass sich die Zeiten geändert hätten und die Belegschaft einen Betriebsrat haben wolle. "Sie bekommen einen Betriebsrat so oder so", sagt Garbe. Die Unzufriedenheit vieler Beschäftigter sei groß. Sie würden auf Mindestlohnniveau dreischichtig arbeiten. "Die Geschäftsführung hat außerdem über die Köpfe der Mitarbeiter hinweg 12-Stunden-Schichten eingeführt und neue Arbeitsverträge geschlossen", zählt der Gewerkschafter auf.

Betriebsratswahl frühestens im Mai

Uwe Garbe rechnet damit, dass der Betriebsrat im Maja-Möbelwerk frühestens im Mai gewählt wird. 20 Bewerber gebe es bereits. "Ich gehe davon aus, dass der Betriebsrat aus elf Mitgliedern bestehen wird. Und er sollte zehn Nachrücker haben", so der Gewerkschaftsmann. Der Betriebsrat soll sich dann um die Stimmung im Werk, um den Umgang miteinander und um Arbeitszeitabläufe kümmern. Für Lohnerhöhungen ist er nicht da. Das ist Sache der Gewerkschaft.

 

Über dieses Thema berichtete MDR SACHSEN auch im Radio:
MDR 1 RADIO SACHSEN | 08.02.2017 | ab 12:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Februar 2017, 16:33 Uhr

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4 Kommentare

10.02.2017 19:43 Mitarbeiter 4

wie in dem Beitrag schon angedeutet wurde , war es nicht abwegig , dass es Gegenwind gibt. Die Idee ist ja aus der Unzufriedenheit der Mitarbeiter über 20 Jahre hinweg entstanden und angeregt worden und nicht aus dem Willen des konstruktiven Miteinanders der Geschäftsführung mit der Gewerkschaft. Nachdem viele Mitarbeiter täglich im Gefühl bestärkt werden unzureichend im betrieblichen Alltag vertreten zu werden gilt es nun eine handlungsfähige Arbeitnehmervertretung zu wählen um Belange der Arbeitnehmer mehr Gewicht zu geben! Auf diesem Weg brauchen die Aktiven aber Rückenwind und Unterstützung von den Kollegen!
Gruß

10.02.2017 19:31 Einer aus der Frühschicht 3

@ 2 Pattel: Du scheinst kein AN zu sein. Oder wirst von deinem AG dafür bezahlt?!

10.02.2017 12:50 Pattel 2

Nur noch nebenbei bemerkt.Es gibt auch Seminare für AG wie verhindert man einen Betriebsrat.

10.02.2017 08:06 Pattel 1

Ich kann nur sagen, Kollegen kämpft für Euer Recht!
Klar seit ihr ein Dorn im Auge.
Lasst Euch nicht einschüchtern. Der Belegschaft rate ich hinter ihren Kollegen zu stehen und zu unterstützen. Sie kämpfen für Euch!