Ein Wolf
Bildrechte: MDR/Stefan Simank

Petition gegen Wolfs-Abschuss Kuchenliebhaber Wolf "Pumpak" soll nicht sterben

Der Streit um die Wiederansiedlung von Wölfen nähert sich einem neuen Höhepunkt. Mehr als 83.000 Menschen haben sich im Internet gegen den Abschuss eines Wolfes in der Oberlausitz ausgesprochen, obwohl dieser offenbar die Scheu vor dem Menschen verloren hat. Die sächsisches Behörden wollen den sogenannten Problemwolf "Pumpak" abschießen lassen. Droht "Pumpak" das gleiche Schicksal, wie Bruno, dem Problembär in Bayern?

Ein Wolf
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"Wir sind eine Gruppe von Menschen, die sich vereinsübergreifend für den Schutz der Wölfe in Deutschland engagieren." Mit diesen Worten beginnt eine Petition im Internet, die sich zu Aufgabe gemacht hat, das Leben von Pumpak, einem rund um Rietschen lebenden Wolf zu retten. Der Wolf war mehrfach nachts in der Ortschaft unterwegs, zeigte beim Wühlen in Komposthaufen nur wenig Scheu. Kamen ihm Menschen näher, dann trollt sich der Wolfsrüde in den nahen Kiefernwald. Manchmal wartete der Vierbeiner auch in angemessenen Abstand auf die Reaktion der erschreckten Zweibeiner, die dann ihrerseits den Rückzug in die sicheren vier Wände antraten. Der Wolf ist ein Jungtier und Jungtiere sind nun einmal neugierig.

Pumpak liebt Kuchen

Normalerweise sind Wölfe sehr scheu und machen sich aus dem Staub, bevor sie der Mensch überhaupt zu Gesicht bekommt. Doch der Jungrüde in Rietschen scheint eine Ausnahme zu sein. Es wird vermutet, dass Pumpak als Jungtier gefüttert wurde und zwar am polnischen Neißeufer. Pumpak liebt offenbar Kuchen. In Rietschen versuchte er einen frischgebackenen Kuchen vom Fensterbrett zu stehlen, auf dem die Leckerei zum Abkühlen abgestellt war.

Schießen oder schützen? - Die Rückkehr der Wölfe
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Seine Neugier, sein Stöbern in Gärten und die Angst der Menschen vor dem legendenumwitterten Räuber machten Pumpak nunmehr zum Problemwolf für die Behörden. Das Landratsamt Görlitz gab den zweijährigen Wolf zum Abschuss frei und das Sächsische Umweltministerium grünes Licht für den Schießbefehl an der polnischen Grenze.

Pumpak soll leben!

Der Schießbefehl auf den Wolf entsetzt Naturschützer und Tierfreunde. Einige Jäger dagegen begrüßten die Entscheidung, denn seitdem die Wölfe aus Polen eingewandert sich und sich Revier um Revier zurück erobern, wird um die grauen Räuber erbittert gestritten. Vor elf Jahren gab es einen ähnlichen Fall in Bayern mit einem Bären.

Bruno wurde zum "Problembär". Meister Petz war aus dem Winterschlaf erwacht und hatte sich ausgerechnet Bayern als neues Jagdrevier ausgesucht. Der erste Bär nach 170 Jahren und die Folgen waren sichtbar. Sechs Schafe, die Bruno als Speise dienten. Immer wieder tauchte Bruno in der Nähe von Dörfern auf. Hier ein Einbruch in einen Schweinestall, dort ein ausgeraubter Hühnerstall. Zu Gesicht bekam den Bär niemand oder nur als flüchtigen Schatten. Auch Bruno, der Bär, teilte Deutschland in Befürworter und Gegner. Wie damals der Schießbefehl auf Bruno, löst nunmehr der geplante Abschuss von Pumpak einen Sturm der Entrüstung aus.

Der Landrat des Landkreises Görlitz Bernd Lange
Bildrechte: Landkreis Görlitz

Man braucht schon ein sehr dickes Fell, um die Beschimpfungen über die sozialen Netzwerke ertragen. Es sind nicht nur die Unwissenheit oder die Unsachlichkeit die verletzen, sondern vor allem die Drohungen oder massiven Beleidigungen, die weit in den persönlichen Bereich hinein reichen.

Bernd Lange Landrat Görlitz

Mehr als 83.000 Menschen haben bislang im Internet eine Petition unterstützt, die die sogenannte Entnahme des Wolfes aus dem Revier verhindern soll. Mit der Entnahme umschreiben die Behörden den Abschuss eines Tieres, welches Verhaltensauffällig ist.

Mehrere verletzte Schafe liegen auf einer Wiese
Verletzte Schafe nach einem Wolfsriss. Bildrechte: Torsten Kruse

Entnommen werden kann ein Wolf beispielsweise, wenn er immer wieder in Schafsherden einfällt, Schutzzäune ignoriert oder wie im Fall von Pumpak seine Scheu verloren hat.

Wir legen wegen der beabsichtigten Tötung des Wolfes Pumpak bei Görlitz (auf Grund angeblicher Verhaltensauffälligkeiten) Beschwerde ein. Nehmen Sie sofort die Ausnahmegenehmigung zur "Entnahme" zurück.

Internetpetition wolf-pumpak-muss-weiterleben

Doch nicht nur im Internet machen die Wolfs-Retter mobil. Mehr als 100 E-Mails hat das Sächsische Umweltministerium erhalten, in denen sich die Absenden zugunsten von Pumpak aussprachen. Selbst in Berlin muss sich Bundesumweltministerin Barbara Hendricks mit dem sogenannten Problemwolf beschäftigen und beantwortet Anfragen. Darin verweist sie auf die Entscheidung der Dresdner Behörden.

Die Entscheidung zur Entnahme des Wolfes haben Fachleute getroffen, die sowohl Sachverstand im Naturschutz als auch in den juristischen Belangen haben. Die nun getroffene behördliche Entscheidung ist daher eher nicht für eine Volksabstimmung geeignet., sagte Ministeriumssprecher Frank Meyer.

Frank Meyer Pressesprecher Sächsisches Umweltministerium

Die Jäger in der Oberlausitz beobachten den Streit um den Problemwolf Pumpak sehr aufmerksam. Seit Jahren fordern sie den Abschuss von Wölfen, die Probleme bereiten. "Pumpak sei in dem Fall kein Problem", sagt allerdings ein Jäger, der nicht genannt werden will. "Pumpak wird aber zum Problem, wenn er möglicherweise in einem Jahr ein eigenes Rudel bildet und seine Erfahrungen an den Nachwuchs weiter gibt. Dann verliert auch der Nachwuchs die Scheu vor dem Menschen." Das will die Initiatorin der Internet-Petition, Brigitte Sommer aus dem hessischen Hanau, nicht stehen lassen.

Ein russischer Jäger mit seiner Wolfstrophäe auf dem Rücken.
Ein Jäger in Russland mit seiner Wolfstrophäe auf dem Rücken. Bald auch in Deutschland? Bildrechte: IMAGO

"Es werde immer wieder neugierige Jungwölfe geben, die ihr Revier erkunden oder Erfahrungen sammeln", sagt Brigitte Sommer und verweist auf einen Jungwolf, der in Oldenburg durch eine Siedlung streifte. "Wenn jeder neugierige Jungwolf als Problem abgeschossen werden würde, wäre das eine Katastrophe."

Wir versuchen noch auf mehr als 100.000 Unterschriften zu kommen, um einfach der Landesregierung klar zu machen, dass ein großes öffentliches Interesse besteht, an der Natur, an mehr Wildtieren, an den Wölfen und dass eine kleine Lobby aus Politik, Jägerschaft und Nutztierhaltern versucht, ihre Interessen gegen den Willen der Bürger durchzusetzen. Das kann nicht sein, das stellt die Demokratie in Frage.

Brigitte Sommer Initatorin Petition "Pumak"

Unterdessen wollen die DIE GRÜNEN von der Sächsischen Staatsregierung wissen, wer den Problemwolf in der Oberlausitz zur Strecke bringen soll und haben eine Anfrage über ihre Landtagsfraktion gestartet. Zudem soll ein Privatmann eine einstweilige Verfügung bei den zuständigen Verwaltungen beantragt haben, um den finalen Schuss zu verhindern.

Pumpak ist verschwunden

Seit die Behörden den Wolf in Rietschen zum Abschuss frei gegeben haben, ist Pumpak verschwunden. Seit mehr als einer Woche wurde der zwei Jahre alte Räuber nicht mehr gesehen. Vielleicht hat er sich über die Neiße nach Polen in die Görlitzer Heide getrollt oder zieht über den benachbarten Truppenübungsplatz.

Übrigens, wer das Gewehr auf Pumak anlegen darf und wer die Trophäe anschließend an die Wand hängen wird, dazu wollte sich das Görlitzer Landratsamt nicht äußern.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR 1 RADIO SACHSEN | 06.02.2017 | Nachrichten ab 6 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Februar 2017, 11:47 Uhr

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40 Kommentare

07.02.2017 11:13 Jeannette 40

Antwort auf Nachricht von Unbekannt gestern Abend...
Na ich weiß nicht
Aber bei einigen ist mit Gehirn nicht viel los. Sie schreiben, dass der Mensch in ihrer Welt jagt, seitdem er existiert.
Wollen Sie mir etwa sagen, dass frühere Jagden mit denen von jetzt vergleichbar sind?
Wenn sie richtig lesen könnten, hätten sie ja wohl gemerkt, dass ich von diesem Gemetzel gesprochen habe. Jedes Jahr werden ca. 600.000 Füchse, Marder, etwa 350.000 Katzen und Hunde getötet. Von den gerade genannten dient keines der Fleischgewinnung.
Sie werden von Jäger aus Spaß am töten erschossen. Mit Arten bzw. Tierschutz hat das nichts zu tun!
Jetzt wollen sie nun auch endlich den Wölfen an den Kragen.
Das sie natürlich kein tierlieber Mensch sind, merkt man sofort.
Und übrigens Herr Unbekannt.
Ich habe nichts von Kuschelwölfchen geschrieben.
Aber auch der Wolf ( und um den geht es ja schließlich) hat auch ein Recht auf Leben.

07.02.2017 09:24 Geschwätz entlarven an Sandra Riedel #36 39

Balkonbiologen bei der Arbeit.

Welch ein Glück für Sie, daß Ihre Lebensmittel nichts mit der Landwirtschaft zu tun haben sondern aus dem Supermarkt kommen. Da sind Sie fein raus und können nach Herzenslust Hasspostings gegen die Landwirte schreiben.

Vermutlich kommt bei Ihnen auch das Wasser aus der Wand und der Strom aus der Steckdose. Da braucht man dann auch nicht weiter denken als die Nase lang ist.

Wenn Sie lesen können, sollten Sie's mal mit dem § 130 StGB probieren.

07.02.2017 06:13 Sandra Riedel 38

Das ist doch ein Teufelskreis: Die Landwirte beanspruchen jeden erreichbaren Quadratmeter für sich, es gibt kaum einen ungenutzten Zipfel im Land. Das Wild verliert im Herbst mit der Ernte Deckung und Nahrungsgrundlage,zieht sich in die Wälder zurück. Dort findet es auch Schutz vor dem Wolf,rottet sich zusammen,und verbeisst den Wald. Nun schreit die Forst nach höheren Abschusszahlen, die Jäger sind dran. Die ganze Intensivlandwirtschaft ist m.E. der Auslöser. Jeder sollte verpflichtet werden, einen gewissen Teil seiner Flächen der Natur zur Verfügung zu stellen. Die Landwirte erhalten jedes Jahr Unsummen von unseren Steuergeldern, um die Natur zu zerstören, nun sollten sie statt dessen mal welche retten. Dann wäre auch die Diskussion um den Wolf einfacher. Solange mit Lebensmitteln an der Börse spekuliert werden kann, sind die Aussichten allerdings mehr als schlecht...

06.02.2017 22:42 an Jeanette #35 37

Ich weiß ja nicht in welcher Welt Sie leben. Aber in meiner Welt jagt der Mensch schon SEIT ER EXISTIERT. Ohne Jagd würde es ihn in dieser Form gar nicht geben und ohne den davon abhängigen Fleischkonsum hätte sich sein Gehirn niemals derart entwickeln können. Der Mensch hat also nicht minder ein Recht zur Jagd wie Ihr geliebter Kuschelwölfi.

Wenn es nach Leuten wie Ihnen ginge, wäre der Mensch gar keiner und würde noch als Affe auf den Bäumen sitzen. Wenn Sie das gut finden, dürfen Sie Ihren Lebensmittelpunkt gerne dorthin verlegen. Darüber wäre niemand traurig.

06.02.2017 22:36 Rasselbock 36

Sehr geehrte Damen und Herren
In den sozialen Netzwerken ist zu lesen, dass bei Ihnen ein Wolfsprojekt läuft. Ist es richtig, das Thema soll lauten:” Entnahme eines Landrates aus der Natur mittles Wölfen”? Es ist fast unglaublich. Ist das so sachlich richtig? Jaja, die närrischen Zeiten und das Volk.
Mit freundlichen Grüssen

06.02.2017 17:07 Jeannette 35

Eins ist Fakt
Wenn irgendwas passiert, Horrormeldungen von Übergriffen auf Rehen , Schafen und Kälbern
dann kommen diese Meldungen fast immer von Jägern und Landwirten.
Zu den Landwirten kann ich sagen, dass ich verstehe, dass man mehr als sauer ist, wenn zum wiederholten Male viele der Nutztiere verletzt oder getötet wurden.
Es mag auch sein, dass der Schutz dieser Nutztiere wie es vor ein paar Jahren noch war, in dieser Zeit nicht mehr ausreichend ist! Weil eben der ,, normale Wolf" locker Zäune über 1.80 m überklettert. Wahrscheinlich ist das einzige was wirklich hilft Herdenschutzhunde und Strom auf den Zaun.
Die Jäger hingegen sollen bitte den Ball flach halten. Wer das ganze Jahr über Tiere erschießt ( z. Bsp. den Fuchs auch wenn er Nachwuchs hat ), oder eure Hetzjagden ( Hasen) etc. Wovon ihr nichts wissen wollt) - ihr Jäger müßt euch über einen Wolf/ Wölfe gar nicht beschweren.
Wie manche von euch,überhaupt so einen Beruf ausüben dürfen , frage ich mich immer wieder.

06.02.2017 16:04 Betrachter 34

Man weint um einen verhaltensauffälligen reiswütigen Wolf, beschimpft die die anderer Meinung sind...und möchte diese am Liebsten lunchen! Ich sag Euch was: Zuschauen wenn da Jemand verblutet und Rettungskräfte verhindern oder bedrohen, wird jetzt sehr hart bestraft. Die Zäune um die Dummheit der Menschen können gar nicht hoch genug sein!

06.02.2017 15:51 Rasselbock 33

Der Wolf soll länger nicht gesehen worden sein. Es kann so erklärt werden: Das Tier, Wölfe sind sehr intelligent, hat den Durchschnitts IQ der Sachsen nun kennengelernt. Richtige Reaktion: Er sucht das Weite. Mit dem IQ das ist steigerungsfähig: Sächsicher Jäger.

06.02.2017 15:07 Geschwätz entlarven 32

Ja genau. Das Tier auf dem oberen Bild ist ein Wolf, und die Erde ist eine Scheibe.

Die Ohren eines Wolfes bilden ein kleines, gleichseitiges Dreieck. Was wir hier sehen, sind lange Hundeohren. Ebenso die Rute. Ein Wolf hat keine lange gebogene Rute sondern eine kurze, buschige, gerade. Beim Gehen trägt der Wolf seine Rute waagerecht - und nicht wie auf dem Bild nach unten hängend. Die ganze Körperhalt und die kürzeren Hinterläufe - das paßt eher zu einem Schäferhund als zu einem Wolf.

Aber das ist ungebildeten Fanatikern natürlich egal. Die können in der Regel nicht mal einen Wolf von einem Dackel unterscheiden.

Die Hybridisierung ist für die Erhaltung der Art Canis lupus übrigens eine deutlich größere Gefahr als die Entnahme all zu dreister Tiere. Und sie tritt in der Nähe menschlicher Siedlungsgebiete natürlich deutlich häufiger auf als z.B. in den Weiten der Taiga.

06.02.2017 14:34 Taubert, Friedhelm 31

Es ist schon interessant und absurd zugleich wie viele
Menschen sich für einen Wolf mit auffälligen Verhal-ten einsetzen und einen notwendigen Abschuss ver-
hindern möchten. Nicht einen werden die Ängste der
Menschen der betreffenden Region kümmern, auch nicht die Sorgen von Nutztierhaltern. Vielleicht muss erst jemand mit dem Leben bezahlen, um einsichtig zu werden und den klaren Menschenverstand wieder einsetzen zu lassen. Es gibt Grenzen, von mir aus Obergrenzen. Für mich steht fest: Eingriffe in die stetig steigende Wolfspopulation müssen unkompliziert möglich sein. Kein Vollschutz für den Wolf!!