Streit um Abschuss des Problemwolfes geht weiter Kuchenliebhaber Pumpak bleibt in der Schusslinie

In der Oberlausitz sind die ersten Wölfe vor etwa 17 Jahren wieder heimisch geworden. Sie wanderten aus Polen ein und die Wiederansiedlung der scheuen Räuber war eine Sensation. Die Wölfe sind streng geschützt, erobern sich Revier um Revier zurück. Überall, wo Isegrimm auftaucht, teilen sich die Menschen in Wolfsgegner und Wolfsbefürworter. Nun hat Sachsen den ersten sogenannten Problemwolf. Der Wolfsrüde Pumpak sorgt nicht nur in der Oberlausitz, sondern auch überregional für Aufregung.

Die Behörden haben den zwei Jahre alten Wolfsrüden Pumpak zum Abschuss frei gegeben. Das sächsische Umweltministerium hat die "Entnahme" des Tieres genehmigt, weil der Wolf angeblich die Scheu vor dem Menschen verloren hat. Als Entnahme bezeichnen die Behörden einen Vorgang, bei dem ein Tier aus seiner natürlichen Umwelt entfernt wird. "Beim Wolf bedeutet eine Entnahme das sichere Ende. In Freiheit geborene Wölfe sterben qualvoll in der Gefangenschaft. Deshalb kann Pumpak nur erschossen werden", erklärt der Leiter des Wolfsbüros vom Naturschutzbund Markus Bathen. "Entnahme bedeutet bei einem Wolf Abschuss."

Gesprächsrunde zum Wolfsabschuß: von links nach rechts: Heike Zettwitz, Henrik Thode, Markus Bathen, Wolfram Günther
Der Wolf Pumpak war am Mittwoch in Görlitz Thema einer Gesprächsrunde. Bildrechte: Uwe Walter

Pro und kontra Pumpak

Die sächsische Landtagsfraktion Bündnis90/Die Grünen hatten am Mittwochabend in Görlitz zu einer Diskussionsrunde geladen: "Wolf Pumpak - ist der Abschuss wirklich notwendig." Dieses Mal sorgten die Wölfe zwar nicht für einen proppevollen Saal, aber dafür wieder für eine heiße Diskussionsrunde. Gleich zum Auftakt stellten die Gastgeber klar. Der Jungwolf muss nicht abgeschossen werden, weil die Voraussetzungen dafür nicht erfüllt sind.

Pumpak ist nicht dadurch aufgefallen, dass er auf Menschen zugeht. Das Einzige was er tut, er sucht Futter in einer menschlichen Umgebung. Wenn aber Menschen aufgetaucht sind, hat er sich ganz normal verhalten und ist verschwunden.

Wolfram Günther Landtagsfraktion Bündnis90/Die Grünen

Der Wolf war in den vergangenen Wochen mehrfach durch Ortschaften bei Rietschen gestreift. Pumpak durchwühlte Komposthaufen auf der Suche nach Fressbaren. Zudem entpuppte sich der Jungwolf als Naschkatze, denn er versuchte sogar frisch gebackenen Kuchen von einem Fensterbrett zu stehlen. Die Bäckerin staunte nicht schlecht über den vierbeinigen Dieb. Angst hatte sie nicht. Der freche Diebstahl hatte für den zwei Jahre alten Rüden Folgen. Das Landratsamt Görlitz bezeichnete den Wolf als Zumutung für die Bevölkerung und erklärte den Kuchenliebhaber zum Problemwolf.

Ein Wolf steht in einem verwildertem Garten.
Pumpak, der Fette, auf Beutezug in einem verwilderten Garten. Bildrechte: LUPUS

Die Entnahme des Problemwolfes wurde beantragt. Das Todesurteil für die Naschkatze im Wolfspelz wurde vom Umweltministerium bestätigt. Doch der genehmigte Abschuss sorgte bundesweit für Aufsehen.

Jungwölfe im Visier

Mehr als 90.000 Menschen schlossen sich bereits im Internet der Petition "Pumpak soll leben" an. Junge Wölfe sind neugierig. Sie müssen ihre Erfahrungen erst machen. Weil sich die Wölfe immer weiter in Deutschland ausbreiten, werde es immer häufiger zu Sichtungen von Jungwölfen kommen, meint die Initatorin der Internet-Petition aus dem hessischen Hanau, Brigitte Sommer. Die Gesellschaft müsse lernen, damit umzugehen.

Es geht nicht um Pumpak allein, sondern um den Umgang generell mit Jungwölfen. Wenn jetzt in Sachsen erneut ein Jungwolf geschossen wird, dann befürchte ich, wird die Jagd auf Wölfe eröffnet.

Brigitte Sommer Initatorin "Pumpak muss leben"

Für den Umgang mit den Raubtieren wurde ein sogenanntes "Wolfsmanagment" erarbeitet. An dem Plan haben 2008/2009 Behörden, Naturschützer, Landwirte, Jäger und Biologen mitgearbeitet. In den Plan flossen auch internationale Erfahrungen ein, beispielsweise wie Schweden oder Norwegen mit ihrer Wolfspopulation umgehen. Im Wolfsmanagment sind verschiedene Stufen vorgesehen, wie mit Problemwölfen umgegangen werden soll. Ein Abschuss sei dabei das allerletzte Mittel, sagt Henrik Thode als Vorsitzender des ökologischen Jagdverbandes Sachsen. Die Wolfspopulation in der Oberlausitz habe ein gutes Niveau erreicht. Die Entnahme von Pumpak gefährde kein Rudel.

Vergrämung als Alternative

Die Behörden hätten bei ihrer Entscheidung, Pumpak abschießen zu lassen, Expertenmeinungen bzw. Fachleute ignoriert, kritisiert der Leiter des Wolfsbüros vom Naturschutzbund Markus Bathen. Das Wolfsmanagment sieht auch eine Vergrämung vor, welche in Schweden beispielsweise mit großem Erfolg durchgeführt wird. Der sogenannte Problemwolf wird zunächst gefangen. Dann bekommt das Tier einen Sender verpasst. Immer wenn Isegrimm im falschen Jagdrevier, beispielsweise in der Nähe von Nutztieren oder Siedlungen unterwegs ist, bekommt er eine Gummikugel auf den Pelz gebrannt.

Auch bei Pumpak sei das möglich, zumal das Leckermaul wahrscheinlich unkompliziert in einer Kastenfalle zu fangen wäre, sagt Markus Bathen. Aus seinem Garten, von seinem Komposthaufen, stammen die ersten Fotos von Pumpak. Der junge Wolfsrüde stammt aus einem Rudel aus dem polnischen Rauscha - Ruszów - bei Rothenburg an der Neiße. Dort lernte Pumpak wahrscheinlich als Welpe die Abfälle polnischer Waldarbeiter zu schätzen und entdeckte seine Vorliebe für Süßigkeiten. Polnische Jäger und Wissenschaftler gaben ihm den Namen "Pumpak", zu deutsch "der Fette". In Polen wird der geplante Abschuss vom Pumpak kritisch gesehen.

Mehr Gelassenheit tut not

Seit die Behörden das Leckermaul Pumpak zum Abschuss freigegeben haben, verändert sich nach Aussage von Markus Bathen die Stimmung in den Dörfern um Rietschen. Wolfsgegner hätten begonnen, die Wölfe als Bereicherung der Natur zu akzeptieren, sagte der Biologe. Auch Henrik Thode fordert als Jäger einen unaufgeregten Umgang mit Wölfen.

Wenn wir mit den Wölfen leben wollen, müssen auch Wölfe geschossen werden. Das gehört im Umgang mit den Raubtieren dazu und wenn dieser Fall eintritt, sollte man es auch durchziehen.

Markus Bathen Leiter Wolfsbüro NABU Bundesverband

Ein Gast aus Polen kann die Aufregung um Wölfe in Deutschland nicht verstehen. Zur Freude der anwesenden Wolfsbeführworter erzählte der grauhaarige Naturfreund von seinem Urlaub in den Abruzzen in Mittelitalien. Etwa ein Drittel des bis zu 3.000 Meter hohen Gebirges steht unter Naturschutz. Dort leben schon immer Wölfe.

Die Wölfe kommen relativ nahe an Ortschaften heran, sogar am Vormittag. Sie stöbern in Abfalleimern beispielsweise von Pizza-Gaststätten nach Fressbaren. Die Menschen dort haben keine große Angst vor Wölfen, gehen gelassen damit um und machen nicht so eine Panik wie hier in der Gegend.

Italienurlauber Besucher der Diskussionsrunde

Ein Höhenzug in den Abruzzen.
In den Abruzzen gehen die Menschen mit Wölfen gelassen um. Bildrechte: Colourbox.de

Damit brachte der polnische Gast einige anwesende Schäfer, Jäger und Betroffene von Wolfsrissen gegen sich auf. Panik sei das falsche Wort und es gehe nicht allein um Pumpak. Es gehe um die vielen Wölfe, um mittlerweile 15 Rudel in der Region.

Es ist unglaublich, der Wolf Pumpak wird vermenschlicht.

Es wird um kein anderes Tier so ein Theater gemacht wie um den Wolf.

Es wird nur der Wolf gesehen und die Ängste der Anwohner, Schäfer und Landwirte werden vernachlässigt oder ignoriert.

Ich bin gegen so viele Wölfe in der Region.

Wir sind ja nicht gegen Wölfe, aber ihre Anzahl pro Revier müsste festgelegt werden.

Wölfe ins Reservat! Steckt er die Nase raus, knallts.

Stimmen von Teilnehmern der Diskussionsrunde zu Pumpak

Der Streit um den zwei Jahre alten Wolfsrüden Pumpak wird weiter gehen. Die Landtagsfraktion der Grünen will den Abschuss nicht hinnehmen.

Gesprächsrunde zum Wolfsabschuß - aufmerksame, kritische Zuhörer
Gesprächsrunde zum Wolfsabschuß in Görlitz: Aufmerksame und kritische Zuhörer verfolgten die Debatte. Bildrechte: Uwe Walter

Schießen, Schaufeln und Schweigen

Die sogenannte Entnahmegenehmigung für das Landratsamt Görlitz läuft in den nächsten Tagen aus. Doch damit ist der Kuchenliebhaber Pumpak noch nicht aus der Schusslinie. Das Landratsamt will die Abschussgenehmigung verlängern lassen. Einen derartig verhaltensauffälligen Wolf könne man der Dorfbevölkerung um Rietschen nicht zumuten, begründet Heike Zettwitz die Entscheidung ihrer Behörde.

Die Jäger im nördlichen Teil des Landkreises Görlitz wollen auf die Wolfstrophäe verzichten und werden ihre Flinte zumindest nicht offiziell auf Pumpak anlegen. "Wir lassen uns doch nicht zum Buhmann machen", betont Christan Berndt vom Jagdverband Niederschlesische Oberlausitz. Er fordert für seine Jagdgenossen weiterhin eine Regulierung der Wolfspopulation in Sachsen.

Ein russischer Wolfsjäger posiert mit seinen Jagdtrophäen.
Russische Verhältnisse in Deutschland? Ein Wolfsjäger präsentiert seine Strecke. Bildrechte: IMAGO

Der umstrittene Wolf Pumpak hat bislang von dem Treiben um seinen Pelz wahrscheinlich nichts mitbekommen. Er ist seit Tagen nicht mehr gesehen worden. Möglicherweise ist der Jungwolf auf der Suche nach einem neuen Revier oder auf Wanderschaft, üblich bei zweijährigen Wölfen. Es kann aber auch sein, dass der Rüde illegal erlegt worden ist. In der Jägerschaft wird das als Variante S-S-S bezeichtet. Im Klartext heißt das Schießen-Schaufeln-Schweigen.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR 1 RADIO SACHSEN | 09.02.2017 | Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen | ab 5:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Februar 2017, 17:29 Uhr

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13 Kommentare

11.02.2017 20:10 Wolf 13

Klar wird irgendwann mal ein Wolf auch einen Menschen attacktieren, morgen, übermorgen, in einem Jahr, in 10 Jahren, irgendwann?? Alles nur eine Frage der Zeit. Irgendwann trifft einen auch der Blitz beim Sch.....en, auch alles eine Frage der Zeit. Deswegen immer schön die Ar...backen zusammenkneifen, die Kinder einschließen und das Haus nicht verlassen!! Seit mehr als 15 Jahren gibt es Wölfe in D und nix ist passiert. In der gleichen Zeit sind aber über 300 Menschen durch Jagdwaffen umgekommen. Die wirkliche Gefahr im Wald trägt Waffen, hat 2 Beine und ist grün gekleidet!

11.02.2017 16:12 Jeannette 12

Zu Wagner, sie sind einer von denen, dem wir solches Dilemma zu verdanken haben. Ein Wolf greift keinen Menschen an. Tollwut ist in der Zwischenzeit ausgerottet. Der Mensch steht nicht auf dem Speiseplan den Wolfes. Und Jungwölfe sind nun mal neugierig, wie junge Hunde auch. Dann müßten wir alles erschließen . Junge Hunde, junge Wölfe. Wenn es nach dem Mensch ginge, am besten gleich alles weg

11.02.2017 11:12 Werner 11

@Wagner, wieder einer mit dem Rotkäppchensyndrom - unglaublich!
Schlimmer sind allerdings die von der Sorte Schießen, Schaufeln, Schweigen!

11.02.2017 09:13 ach so 10

Die vielgelobten Herdenschutzhunde schütze ihre Herde auch vor Radfahrern die zu nahe kommen.
Außerdem: Gibt es in der Region noch Bodenbrüter (Fasan z.B.)?

11.02.2017 08:30 Wagner 9

Der kleine süße Pumpack ist aber wirklich zum knutschen dieser Schlingel, klaut er sich mal eben einen Kuchen von der Fensterbank. Dafür muß man doch einfach Verständnis haben. Haben diese unrealistischen Wolfsproblemverniedlicher auch dann noch Verständnis, wenn Pumpak oder einer seiner Kumpels im nächsten Jahr ein arglos im Sandkasten spielendes 3-jähriges Kleinkind tötet und frißt?

10.02.2017 00:21 Volker Vogel 8

Herr Tuschmo, wer wie Sie vom "Wegballern" der Wölfe spricht, sollte sich vorsehen. Oder wollen Sie irgendwann in den Verdacht geraten, einen dieser unter Artenschutz stehenden Geschöpfe "weggeballert" zu haben? Aber von Ihnen ist man ja keinen anderen Kommentar gewöhnt.

[Anmerkung der Redaktion: Vielen Dank für den Hinweis. Der von Ihnen erwähnte Kommentar wurde nachträglich entfernt. Viele Grüße]

10.02.2017 21:46 Seenland-Aktive 7

Sind für den Tourismus im „Lausitzer Seenland“ per Rad unterwegs, seit 2014 und Tausende km im Jahr zwischen Talsperren Bautzen/Spremberg und fast bis zur A 13 DD - B im Westen. Und das von März bis November. Wölfe (tagsüber) gesehen - Fehlanzeige. Spuren mal an den Tagebauseen und Restflächen entdeckt - ja. Und an das Wolfsbüro gemeldet. Von dort auch immer Verhaltensregeln mitbekommen. Inzwischen sind an bestimmten Waldabschnitten sogar schon Warntafeln aufgestellt worden. Ob das gut ist oder eher interessierte Besucher gerade in diese Territorien lockt?

10.02.2017 20:37 Sailor 6

Wenn ich mir die Stimmen aus der Diskussionrunde durchlese, kann ich nur mit dem Kopf schütteln.

Dazu fällt mir ein Zitat von Chief Dan George ein:

Wenn du mit den Tieren sprichst, lernst du sie kennen. Wenn du nicht mit ihnen sprichst, lernst du sie nicht kennen. Was du nicht kennst, davor fürchtest du dich. Was du fürchtest zerstörst du.

10.02.2017 18:22 Simone Schleyer 5

Bitte lasst die Wölfe leben. Ich finde es schön dass sie wieder einen Weg in die heimischen Wälder gefunden haben so wie es schon früher war.

10.02.2017 16:25 Nerka 4

Leben und Leben lassen!Lass die Tiere in ruhe.Was ist bitte da so schwer zu verstehn?