Kromlauer Park Rakotzbrücke bildet Kreis.
Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Marode Schönheit vor dem Verfall bewahrt Rakotzbrücke im Kromlauer Park ist gerettet

Der Bund und Sachsen stellen für die Sanierung der Rakotzbrücke in Kromlau 2,4 Millionen Euro bereit. Jahrelang hatte die Gemeinde vergeblich um Geld gebettelt, um das marode Baudenkmal vor dem Einsturz zu bewahren. Mit dem Geld soll nicht nur das beliebte Fotomotiv saniert werden, sondern auch der Rhododendronpark Kromlau neu gestaltet werden. Mit knapp 200 Hektar Fläche gehört der Park zu den größten in Sachsen.

von Uwe Walter

Kromlauer Park Rakotzbrücke bildet Kreis.
Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Der Gablenzer Bürgermeister Dietmar Noack ist am Freitag ein schwerer Stein vom Herzen gefallen. Für eines seiner Sorgenkinder gibt es Hoffnung, obwohl es aus Stein ist und gut 150 Jahre auf dem Buckel hat. Der Bund und Sachsen stellen aus dem Bund-Länder-Programm "Städtebaulicher Denkmalschutz" 2,4 Millionen Euro bereit. Eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichneten Sachsens Innenminister Markus Ulbig und der Bürgermeister von Gablenz, Dietmar Noack, im Hochzeitszimmer vom Schloss Kromlau. Das Geld soll nicht nur der Rakotzbrücke zugute kommen, sondern auch bei der Neugestaltung der knapp 200 Hektar großen Parkanlage eingesetzt werden.

Für den Erhalt der Rakotzbrücke haben viele gekämpft und sie haben deutlich gemacht, dass die Teufelbrücke auch ein Aushängeschild für Sachsen ist. Aber der Erhalt ist nicht nur eine sächsische, sondern eine nationale Aufgabe.

Markus Ulbig Sächsischer Innenminister

Schloss Kromlau - Förderzusage v.l. MdB Michael Kretschmer, Innenminister Markus Ulbig, Bürgermeister  Dietmar Noack, MdB Thomas Jurk.
2,4 Millionen für den Kromlauer Park: MdB Michael Kretschmer, Innenminister Markus Ulbig, Bürgermeister Dietmar Noack, MdB Thomas Jurk (v.l.) Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Förderanträge füllen Aktenordner

Es hat lange gedauert, bis in Dresden und Berlin die Bedeutung des Baudenkmals im Kromlauer Park gewürdigt wurde. Die kleine Gemeinde Gablenz mit etwa 1.600 Einwohnern ist finanziell mit dem Erhalt des Schlosses und der Parkanlage in Kromlau überfordert. Obwohl Denkmalschützer und Bürgermeister immer wieder auf den maroden Zustand der Rakotzbrücke hingewiesen hatte, rührte sich nichts. Seit vier Jahren übte sich Bürgermeister Dietmar Noack im Schreiben von Förderanträgen. Immer wieder wurden sie abgelehnt. Der Schriftverkehr füllt mittlerweile einige Aktenordner.

Über die Rakotzbrücke Die Rakotzbrücke wurde ab 1860 nach fast zehnjähriger Bauzeit über den 35 Meter breiten Rakotzsee gebaut. Das Volksmund auch als Teufelsbrücke bezeichnete Bauwerk besteht aus Basaltsäulen und Feldsteinen. Die Bogenbrücke schließt sich im Wasser wieder und bildet einen Kreis. Kromlau liegt im sorbischen Siedlungsgebiet und mit Rakotz heißt im obersorbischen Krebs. Die Steine stammen aus Nordböhmen und der Sächsischen Schweiz.

Rakotzbrücke mit der Orgel aus Basalt.
Rakotzbrücke mit der künstlichen Felslandschaft aus Basalt und Feldsteinen. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Rettung in letzter Minute

Im Frühjahr spitzte sich die Situation dramatisch zu. Aus dem Bauwerk bröckelte der Putz, Frost hatte Steine gelockert und dann lösten sich bis zu zehn Kilogramm schwere Brocken aus dem Bogen. Der Bereich um die Brücke und die Brücke selbst wurden aufrund der Einsturzgefahr für Touristen gesperrt. Trotzdem verleitete die schmale Brücke immer wieder Besucher dazu, für spektakuläre Fotos hinaufzuklettern. Ein gefährliches Unterfangen, sagte Udo Frenschkowski, Gebietsreferent für Ostsachsen im Landesamt für Denkmalschutz.

Gebietsdenkmalpfleger Udo Frenschkowski.
Udo Frenschkowski Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Wir reden hier von einem 25-jährigen Sanierungsstau. Das müssen wir jetzt aufholen. Die Brücke ist in einem baulich sehr schlechten Zustand. Feuchtigkeit sowie Frost haben schwere Schäden hinterlassen.

Udo Frenschkowski Gebietsdenkmalpfleger

Teufelsbrücke als Internet-Star

Die Rakotzbrücke hat in den letzten Jahren vor allem über das Internet einen beachtlichen Bekanntheitsgrad erreicht. Nachhaltig dazu beigetragen hat ein Münchner Fotograf.

Für einen Wettbewerb eines Limonadenherstellers hatte er einen BMX-Fahrer im Radstand auf dem Scheitel der Rakotzbrücke abgelichtet und gewonnen. Die schmale Brücke hätte damals bereits einstürzen können, meint der Denkmalpfleger. Bislang ist es am Rakotzsee noch zu keinem Unfall gekommen, obwohl sich um das Bauwerk zahlreiche Legenden ranken.

Zeitzeuge Karl-Heinz Krahl aus Gablenz.
Karl-Heinz Krahl Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Vor mehr als 100 Jahren soll ein Zimmermann aus Gablenz von der Teufelsbrücke in den gleichnamigen See gestürzt und dann im schwarzen Wasser ertrunken sein.

Karl-Heinz Krahl Gablenzer

Das dunkle Wasser unter der Teufelsbrücke stammt von der Braunkohle, die hier im Muskauer Faltenbogen an die Oberfläche kommt. Dort oxidiert sie und färbt das Wasser fast schwarz, erklärt der Gablenzer Karl-Heinz Krahl. Wie Karl-Heinz Krahl sind die Einheimischen stolz auf ihren Kromlauer Park. Auch deshalb hofft Bürgermeister Dieter Noack, dass die Parkanlage samt Rakotzbrücke der Nachwelt erhalten bleibt.

Auch die eingestürzte Grotte aus Basalt soll wieder aufgebaut werden. Sie war in den 1950er-Jahren zusammengefallen. Ebenfalls geplant ist, die mehr als vier Meter lange Basaltsäule auf die Spitze des künstlichen Felsens im See zu setzen. Sie war vor einigen Jahren abgebrochen. Die Denkmalpflege ist in ganz Europa auf der Suche nach einer passenden Balsaltsäule. Das ist nicht einfach, denn die einstigen Steinbrüche sind geschlossen oder stehen unter Naturschutz, erklärt Denkmalpfleger Udo Frenschkowski.

Bauzäune an der Rakotzbrücke.
Bauzäune sollen das Betreten der maroden Rakotzbrücke verhindern. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Kromlauer Park mit Hochzeitsschloss

Die Gemeinde hat in den vergangenen Jahren schrittweise das kleine Schloss saniert. Das Gebäude war als Gutshaus im 18. Jahrhundert auf einer Wehranlage errichtet und 1860 als Herrenhaus von Großgrundbesitzer Friedrich Herrmann Rötschke ausgebaut worden. Dieser hatte 16 Jahre zuvor begonnen, den Kromlauer Park anzulegen. In den 1980er-Jahren wurde das Gebäude als Kindergarten genutzt.

Schloss Kromlau vom Garten.
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Nach der politischen Wende wechselte das Schloss mehrfach den Besitzer. Dann war die Gemeinde Eigentümer. Seit einem Jahr sind im Herrnhaus Hochzeiten möglich. 16 Paare tauschten im Vorjahr die Ringe, in diesem Jahr gaben sich 18 Paare den Hochzeitskuss. "Für nächstes Jahr haben wir für das Schloss Kromlau bereits zahlreiche Anfragen", freut sich der Bürgermeister.

Gemeinde Gablenz Bürgermeister Dietmar Noack.
Dietmar Noack. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Aus Polen kommen zahlreiche Brautpaare zur Fotosession in den Park und zum Schloss gerauscht. So zwei, drei Paare pro Woche werden es sein. Tendenz steigend!

Dietmar Noack Bürgermeister Gablenz

Mit den 2,4 Millionen Euro soll deshalb nicht nur das Rakotz-Ensemble saniert, sondern auch der Park neu gestaltet werden. "Der Kromlauer Park ist ein Anziehungspunkt. Allein zum Park- und Blütenfest kommen jährlich zu Pfingsten um die 20.000 Besucher. Wir hatten auch schon Gäste von jedem Kontinent", meint der ehrenamtliche Bürgermeister.

2,4 Millionen für den Kromlauer Park Teufelsbrücke in letzter Minute gerettet

Kromlauer Park Rakotzbrücke bildet Kreis.
Die Teufelsbrücke bildet ihren legendären Kreis. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Kromlauer Park Rakotzbrücke bildet Kreis.
Die Teufelsbrücke bildet ihren legendären Kreis. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Rakotzbrücke mit der Orgel aus Basalt.
Bis zu zehn Kilogramm schwere Steine lösten sich aus dem Bogen. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Teerbelag auf der Rakotzbrücke soll das Eindringen von Wasser verhindern.
Ein provisorischer Teerbelag auf der Rakotzbrücke sollte das Eindringen von Wasser verhindern. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Figur im Kromlauer Park.
Mythologische Figur aus dem Rokoko im Kromlauer Park. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Detail an der Anlegestelle am Rakotzsee.
Entdeckenswerte Detail unweit der Teufelsbrücke am Rakotzsee. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Bauzäune an der Rakotzbrücke.
Die Basaltsäulen aus Nordböhmen wurden erst auf der Neiße transportiert, dann mit Fuhrwerken nach Kromlau gebracht. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Marode Rakotzbrücke - Steine fallen aus dem Bogen.
Die Steine stammen aus der Umgebung und der sächsischen Schweiz. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Kromlauer Park - Blickrichtung Süden.
Der Kromlauer Park soll neu gestaltet werden. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Schloss Kromlau vom Garten.
Das Herrenhaus im Kromlauer Park kann für Hochzeiten gebucht werden. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Eingang vom Schloss Kromlau.
Der Eingang vom "Hochzeitsschloss" Kromlau. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Schloss Kromlau Hochzeitszimmer.
Das Trauzimmer bietet Platz für 30 Gäste. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Schloss Kromlau Tafelraum mit Blick in den Saal.
Das Herrnhaus im Kromlauer Park bietet sich für Hochzeiten an. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Rododendronowy park w Kromoli
Der Kromlauer Park gilt als eine der größten Rhododendren-Freilandanlage Deutschlands. Bildrechte: Tomaš Faska/MDR
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Der Landschaftspark ist eine der größten Rhododendren-Freilandanlage Deutschlands. Der Großgrundbesitzer Rötschke schuf ihn als Konkurrenz und in Anlehnung an den benachbarten Fürst-Pückler-Park Bad Muskau.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.10.2017 | 18:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. August 2017, 12:54 Uhr

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