Schwarzbuch der Steuerzahler 2013 "Schleudersachse" für Freibad-Gedenkstätte in Boxberg

Der "Schleudersachse" des Bundes der Steuerzahler geht in diesem Jahr in die Oberlausitz. Wie der Steuerzahlerbund mitteilte, wird die Gemeinde Boxberg (Landkreis Bautzen) für ihr "fragwürdiges" Konzept zum Freibad-Umbau mit dem Negativpreis ausgezeichnet. Dem Steuerzahler seien damit etwa 350.000 Euro Mehrkosten entstanden. Boxberg hatte das Bad im Jahr 2000 wegen der hohen Betriebskosten geschlossen. Später wurde die Fläche in einen Landschaftspark umgestaltet, in den Relikte des alten Freibades integriert wurden, um an das alte Bad zu erinnern.

Keiner geht hin

Insgesamt kostete der Umbau 767.500 Euro, zum Großteil finanziert aus dem Förderprogramm Stadtumbau Ost. Kritisch sieht der Bund der Steuerzahler nicht nur die hohe Summe. Bedenklich sei auch, dass die "Freibad-Gedenkstätte" wegen ihrer abgeschiedenen Lage nur selten von den Bürgern besucht werde. Zudem gebe es kein touristisches Konzept. Ein einfacher Rückbau oder Abriss hätte nur die Hälfte gekostet, heißt es weiter. Die Stadtverwaltung habe dem Steuerzahlerbund versichert, das Konzept nochmals zu überarbeiten. "Mit Veranstaltungen wie Freilichtkino, einem Kinderspielplatz oder Kulturveranstaltungen könnten sich die Bürger wenigstens ein bisschen mehr über die teure Investition freuen", heißt es im Bericht des Steuerzahlerbundes.

Das im Jahr 2000 geschlossene Bad wurde 2010 umgebaut. Seitdem steht ein ehemaliger Sprungturm an einem der zwei ehemaligen Schwimmbecken, die jetzt mit Erde aufgefüllt und mit Rasen bepflanzt sind.

Kritik am Landratsamt in Annaberg-Buchholz

Am Donnerstag hat der Bund der Steuerzahler sein Schwarzbuch 2013 vorgestellt. Eine Rüge für Sachsen gab es in diesem Jahr nicht - der Freistaat ist in diesem Jahr im bundesweiten Vergleich unerwähnt geblieben.

Der Vizepräsident des sächsischen Landesverbandes der Steuerzahler, Knut Schreiter, zählte im Gespräch mit MDR 1 RADIO SACHSEN, dennoch einige negative Beispiele für verschwendete Steuergelder auf. "Auffallend in diesem Jahr ist der Landkreis Erzgebirge. Dort hat man ein Gebäude des Landratsamtes umbauen wollen, wo jetzt erhebliche Kostensteigerungen zu verzeichnen sind." Demnach erhöhen sich die Planungskosten von 15 auf nunmehr 19 bis 22 Millionen Euro. "Da ist das Projekt aus dem Ruder gelaufen", erklärt Schreiter. "Das zeigt: Die öffentliche Hand kann immer schlecht mit den Baukosten kalkulieren. Jedes Mal sind Kostensteigerungen zu verzeichnen." Dazu kommt, dass sich die Fertigstellung erheblich verzögert. Statt im Juli 2013 soll das Gebäude nun Anfang 2014 in Betrieb gehen.

Landrat Frank Vogel wollte die Kritik des Steuerzahlerbundes nicht kommentieren. In einem Interview mit MDR 1 RADIO SACHSEN spricht er weiterhin von einem "soliden Projekt" und rechnet vor: allein die aufwändige Dachkonstruktion habe eine Million Euro mehr gekostet als geplant. Der zweite große Posten entfalle auf die Gestaltung der Außenanlagen. Eigentlich sei vorgesehen gewesen, lediglich die Bauspuren zu beseitigen, sagte Vogel. Doch dann hätten sich die Fraktionsvorsitzenden und er entschieden, einen Landschaftsarchitekten mit der Gestaltung zu beauftragen - die Mehrkosten hierfür liegen bei 700.000 Euro. Dazu kommen Nachträge und Kostensteigerungen durch die längere Bauzeit.

Ein Jahr Bauverzug am Reclam-Gymnasium

Kritisch äußerte sich Schreiter auch zum Bauablauf der neuen Dreifeldsporthalle am Reclam-Gymnasium in Leipzig. Dem Bau sei ein falsches Baubodengutachten zugrunde gelegt worden und nun hat Grundwasser die Bodenplatte verformt. Der Steuerzahler müsste erst einmal 500.000 Euro vorstrecken, damit der Bau abgeschlossen wird, "auch wenn voraussichtlich der Planer und der Statiker hierfür Verantwortung tragen müssen". Eigentlich sollte der im März 2011 begonnene Bau im Juni 2013 übergeben werden. Nun soll es im Juni 2014 in Betrieb gehen.

Jahr Preisträger Schleudersachse Kritik Schaden in Euro
2000 Gemeinde Bad Muskau Aufbau Kulturhaus k.A.
2001 Gemeinde Seiffen Erlebnisbad ohne Betreiberkonzept 30 Millionen D-Mark
2002 Stadt Meißen Bau Fahrradparkhaus 125.000
2003 Stadt Freiberg Scheinprivatisierung 60 Millionen
2004 Stadt Dresden Planung Waldschlößchenbrücke 13 Millionen
2005 Stadt Dresden Verkauf Schloss Nickern >5 Millionen
2006 Landkreis Meißen Verkauf und Rückmiete Domherrenhof pro Jahr 450.000
2007 Verteidigungsminister Jung Auflösung Bundeswehrkaserne Schneeberg nach Sanierung mehr als 60 Millionen
2008 Sachsen LB Notverkauf Landesbank 1,2 Milliarden
2009 Landestalsperrenverwaltung Rollrasen in Flutrinne 63.000
2010 KWL-Geschäftsführer riskante Finanzwetten bis 284 Millionen
2011 Sächs. Staatsregierung Medienschulung Sprecher Cohausz (nicht verliehen) 36.000
2012 Porsche staatliche Subventionen für Leipziger Werk 44 Millionen
2013 Gemeinde Boxberg Umbau Freibad 350.000

Freibad Boxberg Das Freibad in Boxberg wurde 1983 eröffnet. Durch die Warmwassernutzung des benachbarten Kraftwerkes war es einst ein Besuchermagnet. Nach Informationen des Bundes der Steuerzahler kamen damals bis zu 170.000 Besucher jährlich. Anfang 2000 seien es nur noch 17.000 gewesen. Die Gemeinde veranstaltete daraufhin einen studentischen Wettbewerb für die Nachnutzung des Freibades.

Zuletzt aktualisiert: 18. Oktober 2013, 11:44 Uhr

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10 Kommentare

18.10.2013 14:28 joachim lissner 10

@Reiner Arndt!:Danke ,Ihr Kommentar kann ich als Annaberger nur zustimmen.Die poltisch Verantwortlichen für die schamlose bzw.masslosse Steuerverschwendung in unserer Stadt sind wahrlich kein deut besser ,wie der Limburger Skandalbischof!

18.10.2013 09:13 Reiner Arndt 9

@3. joachim lissner: Außerdem wird beim Fall LRA Annaberg gern vergessen: Der Erzgebirgskreis ist längst nicht so reich wie irgendeine Region in Hessen - demzufolge ist der Bau des Herrn F. Vogel (Annaberg) mindestens so skandalös wie der Limburger "Käse" desa Tebart van Elst. Eigentlich sogar noch schlimmer, denn in ANA geht's um 100% öffentliche Steuergelder!!!

17.10.2013 23:36 Köhler,Steffen 8

Super Herr Bürgermeister endlich haben wir wieder einen Preis im Land Sachsen gewonnen. Erst den Titel als reichste Gemeinde und jetzt als Schleudersachse. Aber wer Geld hat kann es ja auch ausgeben für was auch immer. Mann hätte es auch besser für etwas sinnvolles einsetzen sollen. Aber als Vorschlag für das "Schwimmbaddenkmal" vielleicht bauen wir ja noch ein Altersheim dort hin dann wäre es vielleicht sinnvoll und die älteren Leute können sich noch dran erfreuen. Und den Schleudersachsen sind wir wieder los. Bis zum nächsten Denkmal

17.10.2013 20:32 Verrückt 7

Da wird das Schwimmbad wegen zu > hoher Betriebskosten !!! geschlossen und dann wird das Geld trotzdem herausgeworfen. Wer kommt auf solch einen Irrsinn ???

17.10.2013 18:16 Mandy 6

alle jahre wieder ... und was hat sich geändert? nichts ... solange die verantwortlichen nicht für diesen nonsens persönlich in haftung genommen werden, wird sich auch nichts ändern. konstatieren ist eben bequemer als agieren .

17.10.2013 16:12 Wolfram Stoye 5

Und was ist mit den 100 Mio Bundeswehrkrankenhaus Wiederitzsch ??? Wieso sitzen die Herren Verteidigungsminister nicht schon seit Jahren zusammen im Knast?

17.10.2013 15:44 Spottdrossel 4

Ein Stück aus dem Tollhaus! Dann führt doch in diesem Schwimmbad "Balduin der Trockenschwimmer" (Original: Le Petit Baigneur), eine französische Filmkomödie aus dem Jahr 1968 mit Louis de Funès und Robert Dhéry, auf.

17.10.2013 15:21 joachim lissner 3

Endlich hat der Bund der Steuerzahler auch den Landkreis Annaberg-Buchholz mal so richtig aufs Korn genommen und die immer mehr steigenten Kosten bei dem noch immer nicht fertiggestellten Landratsamtes stark kritisiert .Aber diese masslosse Verschwendung unserer Steuergelder hat es schon in Annaberg oft gegeben . Das war zum Beispiel beim Bau des neuen Arbeitsamtes genauso.Deshalb wird ja das Arbeitsamt auch im Volksmund ,Palazoo Prozzo genannt (diese Bezeichnung hat auch einst,der" Palast der Republik "vom Volk erhalten) . Ausserdem wurde mehr als eine Millionen sinnlos hinausgeworfen ,für aufgestellte Kunstgegenstände rings um das Arbeitsamt .In Wirklichkeit ist das keine Kunst,sondern reinster Schrott.Wenn man sich da aufhält ,hat man immer das Gefühl ,dieser Schrott sind der Überbleibsel eines Atombombentests. Deshalb bin ich der Meinung ,das Annaberg nicht nur bei diesen genannten Beispielen von massloser Steuerverschwendung ,schon längst mal den "Schleudersachse" verdient hat.

17.10.2013 14:15 Wagner 2

Steuergeldverschwendung!
181Millionen Euro Steuergeld für eine Brücke in Dresden die eine Welterbelandschaft verschandelt, erzwungen für täglich gerade mal 17000 PKW/LKW's?

17.10.2013 13:31 Hans-Peter Fritzsche 1

Wie hier mit Steuergeldern umgegangen wird, ist eine große Schweinerei und müßte endlich mal ordentlich bestraft werden - und vor allem zurückgezahlt werden. Welche "Typen" genehmigen so etwas überhaupt?? Was nützt da im Nachhinein ein Schwarzbuch, wenn vor diesen Fehlentscheidungen nicht kontrolliert wird!!