Region Bautzen

Katholische Kirche : Ordensgründerin aus Görlitz seliggesprochen

Die gebürtige Görlitzerin Hildegard Burjan ist am Sonntag im Wiener Stephansdom seliggesprochen worden. Rund 2.000 Gläubige nahmen an dem Festgottesdienst zu ihrer Erhebung zum Glaubensvorbild teil. Etwa 50 von ihnen waren aus Görlitz angereist, darunter der Bischof des Bistums, Wolfgang Ipolt, und Oberbürgermeister Joachim Paulick. Kurienkardinal Angelo Amato verlas als Vertreter von Papst Benedikt XVI. das Seligsprechungsdekret. In einer Prozession wurde eine Glasstele mit der Reliquie des neu ernannten Glaubenvorbilds zum Altar gebracht. Am Montagabend findet die erste feierliche Eucharistiefeier zu Ehren der Seligen statt.

Nach schwerer Krankheit konvertiert

Ein Bild der österreichischen Sozialpolitikerin und die Ordensgründerin der Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis, Hildegard Burjan, steht auf einem Sofa im Altenpflegeheim Hildegard Burjan in Görlitz.
Hildegard Burjan war eine aufgeklärte und engagierte Frau.

Burjan gilt als eine der wichtigsten Persönlichkeiten der christlichen Frauenbewegung. Sie wurde am 30. Januar 1883 als Tochter einer jüdischen Familie in Görlitz geboren. Bischof Ipolt zufolge spielte der Glaube in ihrer Erziehung jedoch keine Rolle. Als Hildegard Burjan zwölf Jahre alt war, zog die Familie von Görlitz nach Berlin. 1908 erkrankte die inzwischen verheiratete, promovierte Philosophin schwer. Ihre Heilung grenzte an ein Wunder, da die Ärzte sie nach mehreren Operationen bereits aufgegeben hatten. Die junge Frau ließ sich daraufhin taufen und nahm den katholischen Glauben an.

Erste christlich-soziale Abgeordnete im österreichischen Parlament

Not und Elend von Arbeiterfamilien veranlassten die inzwischen nach Wien übergesiedelte Burjan zu ihren ersten sozialen Tätigkeiten. Sie setzte sich vor allem gegen Kinderarbeit und für die Rechte der Frauen ein, gründete 1912 den "Verein christlicher Heimarbeiterinnen" und fasste 1918 im Verein "Soziale Hilfe" alle Arbeiterinnenverbände zusammen. Für die hungernde Bevölkerung des Erzgebirges startete Burjan eine Lebensmittelaktion. 1919 trat sie als erste christlich-soziale Abgeordnete in das österreichische Parlament ein. Im gleichen Jahr gründete sie die Schwesterngemeinschaft "Caritas Socialis", die sich vor allem um Pflegebedürftige und Sterbende kümmert. Der ohne Klausur und Ordenstracht auskommende Orden ist bis heute in mehreren Ländern aktiv. Im Alter von nur 50 Jahren starb Burjan in Wien.

Vorbild für politisch engaierte Christen

Am Stadtrand von Görlitz ist eine neue Caritas-Wohnanlage mit einem Betreuungs- und Pflegeangebot für Menschen mit dementiellen Störungen und erweitertem Betreuungsbedarf entstanden.
In Görlitz trägt eine Wohnanlage mit Betreuungs- und Pflegeangebot für Menschen mit dementiellen Störungen den Namen Hildegard Burjans.

Im Juni 2011 erkannte das Kardinalskollegium in Rom das für die Seligsprechung notwendige Wunder an. Eine Frau, die sich an Hildegard Burjan gewandt hatte, schenkte später drei gesunden Kindern das Leben. Nach mehreren Operationen war dies als medizinisch nicht erklärbar angesehen worden. Der Görlitzer Bischof Ipolt sagte, mit der Seligsprechung werde bestätigt, dass Hildegard Burjan das Ziel des ewigen Lebens erreicht habe. Die in ihrem Glauben Schlicht und einfach gebliebene Frau sei ein Vorbild für politisch engagierte Christen. Mitte April plant das Bistum einen besonderen Gottesdienst und weitere Veranstaltungen zur Seligsprechung. In Burjans früherer Wohnung in Görlitz leben heute zwei Schwestern von Caritas Socialis". Sie engagieren sich unter anderem in der Krankenhausseelsorge. Zudem sind in der Stadt ein Platz, eine Altenwohnanlage und ein Pflegeheim nach Hildegard Burjan benannt.

Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2012, 19:14 Uhr

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