Region Bautzen

Vorstoß : Initiative macht sich für Parlament der Sorben stark

Die Rechte des sorbischen Volkes könnten durch ein eigenes Parlament gestärkt werden. Johannes Heimrath von der Initiativgruppe für eine sorbische Volksvertretung sagte am Dienstag im brandenburgischen Cottbus, die Einrichtung des "Serbski sejmik" - wie das Parlament in der Muttersprache der Minderheit heißen würde - könne nach einem langen Diskussionsprozess durch eine Volksabstimmung entschieden werden. Mit einem Runden Tisch solle diese Diskussion am 26. Januar im ostsächsischen Schmochtitz bei Bautzen fortgesetzt werden. Das vorgeschlagene demokratisch legitimierte Parlament soll für die Rechte und Interessen der gesamten sorbischen Bevölkerung eintreten.

Vorwurf: Domowina vertritt nicht alle Sorben

Zurzeit ist die Domowina die politische Interessenvertretung der etwa 60.000 Sorben beziehungsweise Wenden in der Lausitz in Sachsen und Brandenburg. Sie steht dem Anliegen der 2011 gegründeten Initiativgruppe skeptisch gegenüber und will stattdessen die eigenen Strukturen stärken. Die Hauptversammlung der Domowina setzte sich zuletzt im März 2011 für eine Erweiterung des Rechtes ein, eine breit legitimierte und anerkannte Vertretung ihrer politischen Ziele zu erreichen. Dazu gehörte eine Direktwahl der Vertreter der Räte für sorbische Angelegenheiten durch das sorbische Volk. Kritiker bemängeln jedoch, dass der Dachverband mit gut 7.200 Mitgliedern nicht die Interessen aller Sorben vertritt.

Bildergalerie: Die Sorben heute

Gründung der Stiftung für das sorbische Volk im Oktober 1991 in der Kirche von Lohsa (Łaz) bei Hoyerswerda Sorbischunterricht in der Grundschule Schleife (Slepo), 2008 sorbischer Kindergarten in Rohne, 2005

Die Lausitz ist die Heimat der Sorben, der kleinsten slawischen Nation und einer der ältesten Minderheiten Deutschlands. Ein Blick in den Alltag der Sorben. [Bilder]


Zu den Kritikern gehört Heimrath. Er betonte: "Unser Ziel ist eine Autonomie für die Sorben mit allen demokratischen Rechten." Sein Mitstreiter und Sprecher der Initiative in der Niederlausitz, Michael Apel, sagte, die gegenwärtigen Strukturen der Sorbenvertretungen seien nicht geeignet, die Probleme der Sorben zu lösen. Nach Plänen der beiden soll ein "Serbski sejmik" alle öffentlich-rechtlichen Aufgaben übernehmen, die bisher von der Domowina und der Stiftung für das sorbische Volk geleistet wurden. "Die Sorben werden als Minderheit bezeichnet, aber das ist ein schiefes Bild", sagte Heimrath. "Es gibt keine demokratisch gewählte Vertretung der Sorben, die selbstbewusst und auf gleicher Augenhöhe mit den deutschen Behörden handelt." Das sei zum Beispiel ein Nachteil, wenn es um die Verteilung der Zuwendungen der Stiftung für das sorbische Volk geht.

Stiftung erhält jährlich 17 Millionen Euro Förderung

Neben der Domowina gibt es noch die "Stiftung für das sorbische Volk". Sie unterstützt nach eigenen Angaben als gemeinsames Instrument des Bundes und der beiden Länder Brandenburg und Sachsen die Bewahrung und Entwicklung, Förderung und Verbreitung der sorbischen Sprache sowie Kultur und Traditionen als Ausdruck der Identität des sorbischen Volkes. Die Stiftung organisiert Veranstaltungen, Wettbewerbe und Ausstellungen und veröffentlicht Filme sowie Musikaufnahmen mit sorbischen Inhalten. Ihre jährliche Förderung beträgt rund 17 Millionen Euro.

Zuletzt aktualisiert: 08. Januar 2013, 16:05 Uhr

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