Region Bautzen

90 Mitarbeiter gekündigt : Modemhersteller Sphairon stellt die Produktion ein

Der Telekom-Ausrüster Sphairon stellt seine Produktion in Bautzen zum Jahresende ein. Geschäftsführer Uwe Bartsch bestätigte MDR 1 RADIO SACHSEN einen Zeitungsbericht, wonach 90 der rund 180 Mitarbeiter entlassen wurden. Das Unternehmen wolle seine Fertigung in andere Firmen in Deutschland und dem Ausland verlagern. Namen nannte Bartsch nicht. Er wolle abwarten, bis die entsprechenden Verträge unterzeichnet sind. Um in Bautzen weiter produzieren zu können, hätte das Unternehmen die Hälfte der Fertigungslinien erneuern müssen. Die Kosten dafür im "mittleren einstelligen Millionenbereich" habe er aber nicht ausgeben wollen, sagte Bartsch.

Mitarbeiter wollen Betriebsrat gründen

DSL-, Firewire- und USB-Kabel stecken an einem Laptop
Sphairon beliefert viele namhafte Unternehmen mit Modems und Routern.

Am Standort im Industriegebiet Salzenforst verbleiben demnach nur noch die Forschungsabteilung sowie ein Teil der Verwaltung. Unklar ist laut Geschäftsführer Bartsch noch, ob die von Sphairon produzierten Geräte in Bautzen repariert werden sollen. Wie die Gewerkschaft IG Metall MDR 1 RADIO SACHSEN mitteilte, sollen die gekündigten Mitarbeiter in eine Beschäftigungsgesellschaft wechseln. Rund eine Woche vor den Kündigungen habe es Überlegungen gegeben, einen Betriebsrat zu gründen. Derzeit werde überlegt, ob die Beschäftigten diesen Schritt gehen wollen.

Einem Bericht der "Sächsischen Zeitung" zufolge will sich das Amt für Wirtschaftsförderung Bautzen jetzt um die Mitarbeiter kümmern, die entlassen wurden. Es seien bereits Kontakte zu Firmen in der Region aufgenommen worden, die ähnliche Produkte herstellen. Geschäftsführer Bartsch hofft, dass einige von ihnen auch im rund 50 Kilometer entfernten Dresden unterkommen. Hier boome die Branche, sagte er der Zeitung.

Ermittlungen wegen Insolvenzverschleppung

Sphairon stellt so genannte Router und Modems her, die das Telefonieren und den Datenaustausch über das Internet ermöglichen. Zu den Kunden zählen namhafte Kommunikationsunternehmen wie die Deutsche Telekom, Arcor, Versatel oder Swisscom. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder wirtschaftliche Probleme. Im Dezember 2009 stellte die Firma, die damals noch unter dem Namen Sphairon Access Systems agierte, Insolvenzantrag. Im März 2010 wurde Sphairon verkauft und unter dem Namen Sphairon Technologies neu gegründet.

In der Zwischenzeit ermittelte die Staatsanwaltschaft Görlitz gegen Bartsch und den damaligen zweiten Geschäftsführer Mohamed Al-Sady. Ihnen wurde Insolvenzverschleppung, Betrug und Vorenthalten von Lohnzahlungen vorgeworfen. Wie die Staatsanwaltschaft Görlitz auf Anfrage des MDR am Mittwoch mitteilte, wurden die Ermittlungen in den beiden letzten Punkten eingestellt. Der Tatvorwurf sei nicht nachweisbar gewesen. Zu einer Anklage kam es nicht. Bartsch und Al-Sady sollen die Zahlungsunfähigkeit zu spät angezeigt haben.

Traditionsreicher Standort

Das Unternehmen ist aus dem ehemaligen RFT Fernmeldewerk Bautzen hervorgegangen. Nach der Wende übernahm der Philips-Konzern das Werk. Im Jahr 2000 wollte der neue Gesellschafter den Standort ganz stilllegen. Bartsch und die Finanzbeteiligungsgesellschaft IBG starteten die Produktion von ISDN-Anschlüssen. In den Jahren danach entwickelte sich das Unternehmen erfolgreich, vor allem mit neuen Produkten für das drahtlose Telefonieren. Im Jahr 2008 ging ein neues Entwicklungszentrum in Betrieb.

Zuletzt aktualisiert: 02. August 2011, 17:00 Uhr

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