Verkehrssicherheit A4 Dreimal mehr Brummis am Grenzübergang Ludwigsdorf unterwegs

Seit Monaten diskutieren die Polizeidirektion Görlitz, das sächsische Innenministerium und das Wirtschaftsministerium darüber, wie die A4 zwischen Dresden und Görlitz sicherer werden kann. Denn in den vergangenen zehn Jahren hat der Schwerlastverkehr auf dem rund 100 Kilometer langen Abschnitt in Richtung polnischer Grenze enorm zugenommen. Dadurch steigt die Gefahr für Unfälle.

Autoverkehr auf einer zweispurigen Autobahn.
Die Verkehrsbelastung auf der A4 zwischen dem Dreieck Dresden-Nord und der polnischen Grenze ist in den vergangenen zehn Jahren enorm gestiegen. Dabei hat vor allem der Schwerlastverkehr spürbar zugenommen. Bildrechte: MDR/Lutz Günther

Mehr als 600 Mal knallte es 2016 auf der A4 zwischen Dresden-Nord und dem Grenzübergang Ludwigsdorf. Damit sei die Zahl der Unfälle in den zurückliegenden zehn Jahren zwar gleich hoch geblieben, sagt der Sprecher der Polizeidirektion Görlitz, Thomas Knaup. Aber die Unfälle seien schwerer geworden. Einen wesentlichen Grund sieht die Polizei in der zunehmenden Verkehrsbelastung. Fast 22.900 Fahrzeuge täglich passierten im vergangenen Jahr den Grenzübergang Ludwigsdorf. Das waren mehr als doppelt so viele wie 2006. Der Schwerlastverkehr hat sich dagegen im gleichen Zeitraum fast verdreifacht. Inzwischen ist jedes dritte Fahrzeug im Bereich Ludwigsdorf ein Brummi.

Vorschläge für mehr Sicherheit auf der A4

Verkehrskontrolle Rastplatz Oberlausitz.
Verkehrskontrolle Freitagvormittag am Autobahnrastplatz Oberlausitz: Die Polizei nimmt einen polnischen Lkw unter die Lupe. Am Fahrzeug war alles in Ordnung. Bildrechte: MDR/Lutz Günther

Um das Fahren auf dem Autobahnabschnitt in und aus Richtung Polen wieder sicherer zu machen, gibt es aus Polizeisicht mehrere Möglichkeiten. Ein zeitweises Überholverbot für Lkw in der Hauptverkehrszeit und ein Tempolimit für bestimmte Abschnitte ließen sich ohne großen finanziellen Aufwand umsetzen. Das sächsische Verkehrsministerium teilte auf Anfrage von MDR SACHSEN mit, bis zum Herbst ein Gutachten vorlegen zu wollen, welches klären soll, ob Tempolimits, Lkw-Überholverbote und Verkehrsleiteinrichtungen die Situation auf der A4 etwas entschärfen können.

Mehr Lkw-Rastplätze und ein dreispuriger Ausbau der A4 zwischen Dresden und Görlitz könnten den Verkehr ebenfalls entlasten. Doch das sächsische Wirtschaftsministerium hat für diese Vorschläge die Hoffnungen gedämpft. Es seien Vorhaben, die nicht im Bundesverkehrswegeplan stünden, weil quasi zu wenige Autos über die A4 rollen. Derzeit sind es 40.000 pro Tag. Erst ab einer Belastung von 70.000 Fahrzeugen würde vom Bund ein Ausbau erwogen. Somit wird es in absehbarer Zeit also keinen Ausbau der Autobahn und auch keine zusätzlichen Rastplätze geben.

Mehr Polizeikontrollen könnten ebenso helfen, die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Wie das jedoch die Polizei mit immer weniger Personal leisten soll, ist fraglich. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich hatte die Verkehrssicherheit auf der A4 östlich von Dresden zur Chefsache erklärt. Eigene Vorschläge, wie die Autobahn in Richtung Grenze sicherer werden kann, ist der Freistaat bisher schuldig geblieben.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Fernsehen: MDR SACHSENSPIEGEL | 02.06.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Juni 2017, 23:19 Uhr

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1 Kommentar

02.06.2017 22:00 Horst 1

Güter auf die Schiene ist in diesem autolobby-hörigen Land scheinbar kein Thema. Stattdessen prähistorische "Konzepte" wie "noch breitere Straßen"...