Interview Nur traurig oder schon depressiv?

Manchmal hat man einfach den Blues. Hält die Melancholie länger an und können liebgewordene Dinge nicht aufmuntern, sollte man sich professionelle Hilfe suchen, sagt die Psychologin Ulrike Seifert von der Initiative Görlitz e.V..

Bündnis gegen Depression
Die Psychologin Ulrike Seifert arbeitet in einer Reha-Einrichung für psychisch Kranke in Görlitz. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Frau Seifert, was ist eine Depression?

Von einer Depression im medizinischen Sinne sprechen wir dann, wenn wir ein überdauerndes Muster beobachten. Es muss mindestens vierzehn Tage eine gedrückte Grundstimmung herrschen, gepaart mit Freudlosigkeit und Interesselosigkeit. Also auch Dinge, die mir normalerweise Spaß bereiten, können mich an der Stelle nicht mehr abholen. Dazu kommt die Antriebslosigkeit, dass man keine Kraft mehr hat, bestimmte Dinge anzugehen.

Neben diesen Hauptsymptomen gibt es jede Menge Untersymptome wie extremes Schlafbedürfnis oder vermehrte Schlaflosigkeit, Appetitverlust, negative Gedankenschleifen, Schuldgefühle, Verlust von Selbstvertrauen, Suizidgedanken.

Was sollte man dann tun ?

Man sollte auf jeden Fall Fachleute aufsuchen. Die erste Anlaufstelle ist dabei in der Regel der Hausarzt. Die Hausärzte sind sensibilisiert für dieses Thema. Gemeinsam mit dem Patienten sollte dann geprüft werden, ob eine Behandlung mit Antidepressiva oder eine Psychotherapie oder beides sinnvoll ist. 

Kann eine Depression jeden treffen?

Grundsätzlich ja. Man kann nicht sagen, es gibt den einen Auslöser oder so etwas wie ein "Depressionsgen". Wir gehen in der Forschung mittlerweile davon aus, dass hier mehrere Faktoren zusammenspielen. Das können beispielsweise genetische Veranlagungen, negative frühkindliche Erfahrungen oder traumatische Erlebnisse sein, die einen für die Entwicklung einer depressiven Erkrankung anfällig machen können. Wenn dann im späteren Leben ein Auslöser hinzukommt wie etwa vermehrter Stress oder eine Verlusterfahrung, kann sich eine depressive Episode entwickeln.

Depression ist also keine Modekrankheit?

Nein, das denke ich nicht. Ich denke, dass es mittlerweile mehr im Bewusstsein ist, dass eine Depression eine Erkrankung ist, über die auch gesprochen werden darf und gesprochen werden muss. Auch vor hundert Jahren und sogar schon in der Antike wurde das Krankheitsbild beschrieben, das wir heute als depressive Störung kennen.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 28.07.2017 | ab 14 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

Zuletzt aktualisiert: 03. August 2017, 10:12 Uhr

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