Wölfe im Nebel
Bildrechte: NABU Deutschland/Jan Noack

Wolfsattacke in der Königsbrücker Heide "Es ist ein Blutrausch gewesen"

Wölfe im Nebel
Bildrechte: NABU Deutschland/Jan Noack

Nach der Wolfsattacke in der Königsbrücker Heide am Montag sind bislang 64 tote Tiere gefunden worden. "Es ist ein Blutrausch gewesen", sagte Cornelia Schlegel von der Naturschutzgebietsverwaltung Königsbrücker Heide im Gespräch bei MDR SACHSEN. Die Wölfe haben also weitaus mehr Tiere gerissen, als sie überhaupt fressen können. Schlegel zufolge sind nur zehn Tiere angefressen worden.

Wölfe nutzen offenbar die Gunst der Stunde

Nach ersten Erkenntnisen geht die Naturschutzgebietsverwaltung davon aus, dass die Wölfe ein Loch im Zaun genutzt haben, um an die Tiere heranzukommen. "Der Koppelzaun war an einer Stelle von außen nach innen durchgebrochen und an zwei Stellen in einem größeren Bereich von innen nach außen", erklärte Cornelia Schlegel. Das Loch im Zaun könne durch Wildschweine oder einen Sturm entstanden sein. In Panik vor den Wölfen brachen die Tiere dann offenbar aus ihrer Koppel aus.

Experte identifiziert Bissspuren

Dass die Herde von Wölfen angegriffen wurde, gilt als sicher. Ein Wolfsexperte des Landkreises Bautzen habe drei Tierkadaver untersucht und eindeutig Kehlbisse eines Wolfes identifiziert. Angesichts der großen Zahl der gerissenen Tiere sei davon auszugehen, dass mehrere Wölfe unterwegs waren. Der Vorfall ist der bislang schwerste Wolfsangriff in Sachsen.

Herkunft der Wölfe noch unklar

Noch sei unklar, ob es Wölfe des heimischen Königsbrücker Rudels waren oder andere Wölfe, die dort durchgezogen sein könnten. Die toten Nutztiere sollen zur genetischen Analyse ins Senckenberg-Institut Görlitz gebracht werden. Dort wurde unlängst ein neues Wolfszentrum eingerichtet, das bundesweit Behörden zum Umgang mit wilden Wölfen berät. Die DNA-Analysen sollen Aufschluss darüber geben, ob es sich bei den Angreifern um die Königsbrücker Wölfe handelte.

Der Wolf im Schafspelz?

Bislang lebten Wölfe und Schafe in der Königsbrücker Heide in friedlicher Koexistenz. Das Wolfsrudel ist seit 2011 dort ansässig, die Heidschnucken pflegen bereit seit 2003 die Landschaft. Auch künftig will man auf die tierischen Gärtner nicht verzichten, erklärt Cornelia Schlegel. In der kommenden Woche wolle man überlegen, wie es weiter geht. Fest steht: Der Schäfer hat alles richtig gemacht. Der Zaun sei hoch genug gewesen und habe Strom geführt. Das habe der Wolfsbeauftragte des Landkreises bei der Begutachtung des Schadens auch so bestätigt. Im Fall einer ordnungsgemäßen Sicherung hat der Schäfer Anspruch auf vollständigen Schadenersatz für den Wert der getöteten Tiere vom Land Sachsen.

25 Schafe konnten unbeschadet innerhalb der Koppel gesichert werden. Der Schäfer hat die Tiere in den Stall geholt, um sie zur Ruhe zu bringen. Nach vermissten Tieren wird noch gesucht. Mitarbeiter der Naturschutzgebietswacht durchstreifen das Gebiet.

Zuletzt hatte es im August auf einer gesicherten Weide in der Lausitz einen ähnlichen Fall gegeben, bei dem 17 Schafe angegriffen wurden. Experten sprachen auch damals von einem Blutrausch.

Rückkehr nach 150 Jahren

In Deutschland war der Wolf vor 150 Jahren ausgerottet worden. Inzwischen gehen Experten davon aus, dass der Wolf in ganz Deutschland wieder heimisch werden könnte. Lediglich im Ruhrgebiet sind wegen der dichten Besiedlungen die Bedingungen für den Wolf nicht gegeben.

Der Wolf breitet sich seit Jahren von der Neiße her immer weiter westwärts aus. Nach der Wende waren erste Tiere aus Polen in die Lausitz gewandert und haben sich angesiedelt

Wolfsterritorien in Sachsen

Wolfsterritorien in Sachsen
Bildrechte: LUPUS Institut

Zuletzt aktualisiert: 24. Februar 2016, 21:11 Uhr

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38 Kommentare

26.02.2016 13:45 Waldläufer 38

Und wenn die Argumente ausgehen, wird rumgeschwafelt, Weltschmerz verbreitet und anderweitig versucht, vom Thema abzulenken.

25.02.2016 10:17 Ex-Ossi 37

Lustig! In den Kommentaren wird dann wohl die "sächsischen Willkommenskultur" ausgedrückt - jetzt auch für Wölfe...

25.02.2016 08:47 Rene 36

Wer ist denn hier das größte Raubtier? DER MENSCH.
Die Natur brauch uns nicht. Wir zerstören doch unsere Umwelt, nicht die Tiere, die eigentlich schon immer da waren und vom Menschen vertrieben wurden.

24.02.2016 00:08 Jürgen 35

Wölfe mögen ja für die Regulierung der Wildbestände durchaus nützlich sein. Es ist aber nicht nützlich, wenn man die Wolfpopulation in einem dicht besiedelten Gebiet wie D durch Jagd nicht begrenzt und sich selbst überlässt. Das Wolfsdogma der Grünen geht nach hinten los.

24.02.2016 23:11 zuschauer 34

Die Gefahr auf jemanden mit einer Waffe im Wald zu treffen ist weitaus wahrscheinlicher als einen Wolf zu begegnen. Von einem Wilderer oder schießwütigen Jäger mit krankhaften Jagdtrieb geht eine weitaus größere Gefahr als vom Wolf aus! Der Wolf fühlt sich nie erwischt oder ertappt bei einer Straftat und ergreift lieber scheu die Flucht.

24.02.2016 22:12 Kevin 33

Mal sehen, wann der erste Mensch (Kind?) wieder in Deutschland angefallen wird. Ob dann das "Wolfzentrum" oder die Protagonisten der Ansiedlung dann wohl die Verantwortung übernehmen oder sich feige abducken werden? Unsere Vorfahren wußten noch, daß der Wolf ein Raubtier ist, Wir müssen erst wieder lernen: Der Wolf hat in einem dichbesiedelten Land wie Deutschland keinen Platz.

24.02.2016 20:35 REXt 32

Mal etwas anders rum, braucht die Natur den Menschen,ich glaube nicht! Bei allem Schaden was Wölfe mal anrichten,welchen Schaden richten wir Menschen jeden Tag an der Natur an? Wir Maßen uns an jedes "nutzlose "Tier auszurotten, dabei vernichten wir ganz nebenbei noch ein paar andere Spezies u.s.w.! Klar ist die Landschaft überall zersiedelt,aber lassen wir Ihm eine Chance! Eigentlich sind wir viel nutzloser,weil wir unsere eigene Lebensgrundlagen täglich zerstören!

24.02.2016 19:44 Docguenni 31

Der Wolf gehört nicht mehr in unseren Lebensbereich. Was hat sich alles verändert seid der Ausrottung des Wolfes? Die komplette Infrastruktur des Verkehrs ( sowohl Bahn- wie Straßentrassen ) sowie die Bebauungsdichte unseres Landes. Wohin die Tollerierung von Wildtieren führt hat der letztens ausgestrahlte Film "Berlin-Hauptstadt der Wildschweine" gezeigt. Der Mensch soll sich also den Tieren unterordnen und anpassen. Na prima!!!

24.02.2016 19:24 Hubert 30

@29 Richard Rumbold 24.02.2016 18:15 - "Die Sache ist einfach nicht bis zum Ende durchdacht." Eben - deshalb sollte die Sache durchdacht werden, bevor man anfängt zu schießen. Vieles was uns heute als "Selbstverständlich" begegnet, ist durch Versuch und Irrtum entstanden.

24.02.2016 18:15 Richard Rumbold 29

Das Projekt, gefährdete Arten wieder heimisch in Deutschland zu machen, in allen Ehren, aber hierfür ist unsere Region einfach zu dicht besiedelt. Solche Vorfälle sind dann leider vorprogrammiert.
Die Sache ist einfach nicht bis zum Ende durchdacht.