Zwei Wölfe stehen nebeneinander
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Neuer Wolfsangriff Werden Wölfe immer mehr zum Problem?

In Cunewalde bei Bautzen haben Wölfe in einem Damwildgehege sieben Tiere gerissen. Landrat Michael Harig fürchtet, dass viele kleine Nutztierhalter aufgeben, wenn nicht bald etwas gegen die Wölfe unternommen wird.

Zwei Wölfe stehen nebeneinander
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"Ein bitterer Anblick war das": Damwildzüchter Patrick Harig aus Cunewalde bei Bautzen hat bereits zum zweiten Mal mehrere Tiere an den Wolf verloren. Als der 26-Jährige Ende vergangener Woche sein Gehege betrat, lagen die Tierkadaver auf der ganzen Fläche verteilt. So wie vor anderthalb Jahren, als der Wolf das erste Mal in das Gehege kam. Der Gutachter vom Landratsamt bestätigte dann seine Vermutung: Ein oder mehrere Wölfe haben vergangene Woche die sieben Tiere gerissen, unter denen auch eine Mutterkuh und Kälber waren.

Zuchttiere sind großer Verlust

Gerissenes Damwild in einem Gehege bei Cunewalde
Eines von sieben gerissenen Tieren im Damwildgehege von Patrick Harig. Bildrechte: Patrick Harig

Wie viele Nutztierhalter der Region ist Patrick Harig nicht gut auf die Wölfe zu sprechen. Allein im September gab es laut Schadensstatistik des Kontaktbüros "Wölfe in Sachsen" zehn Übergriffe auf Schafe, Ziegen und Damwild. In der Hälfte der Fälle steht bereits fest, dass es der Wolf war bzw. der Wolf als Angreifer nicht ausgeschlossen werden kann. Die anderen Vorfälle werden noch bearbeitet. Für den materiellen Schaden wird Patrick Harig wahrscheinlich entschädigt, denn sein Damwild war mit einem zwei Meter hohen Zaun geschützt. Der ideelle Schaden sei aber viel höher, weil es Zuchttiere seien, die jedes Jahr ein Jungtier setzten, meint der Cunewalder. Er fürchtet, dass die Wölfe wiederkommen werden.

Der Bautzener Landrat Michael Harig im Gespräch mit einem Tierhalter
Patrick Harig (links) im Gespräch mit Landrat Michael Harig. Beide fordern den Abschuss von Problemwölfen. Bildrechte: MDR/Lutz Günther

Wir fordern ganz klar den Abschuss von den Problemwölfen, die in dicht besiedelte Gebiete oder ans Nutzvieh gehen. Die müssen entnommen werden.

Patrick Harig, Damwildzüchter

Antrag auf Abschuss wird noch geprüft

Auch rund um die Gemeinde Ralbitz-Rosenthal bei Kamenz macht ein Wolfsrudel den Nutztierhaltern das Leben schwer und reißt immer wieder Schafe. Das Landratsamt hat deshalb Anfang September den Abschuss problematischer Wölfe des Rudels beim sächsischen  Umweltministerium beantragt. Der wird zurzeit noch geprüft. Es ist nicht der erste Antrag auf "Entnahme" eines Wolfes, wie der Abschuss offiziell heißt. Bisher hat das Umweltministerium dafür nur einmal bei einem Wolf aus dem Landkreis Görlitz grünes Licht gegeben. Doch der ließ sich daraufhin nicht mehr blicken, zu einem Abschuss kam es nicht.

Der Bautzener Landrat Michael Harig (nicht mit Patrick Harig verwandt) hofft auf eine baldige Entscheidung. Man sei im Gespräch mit dem Umweltministerium, um eine Lösung zu finden, so Harig. Er fürchtet, dass viele kleinere Nutztierhalter ihre Tiere abschaffen, wenn sie ständig mit einem Wolfsriss rechnen müssen.

Ich bin nicht gegen den Wolf. Aber wir dürfen den Wolf sich nicht ungehindert ausbreiten lassen. Das führt zum Verlust aller individuellen Tierhaltung.

Landrat Michael Harig

Kommt das Cunewalder Rudel auch auf Abschussliste?

Dammwild in einem Gehege bei Cunewalde
Seit rund dreißig Jahren betreibt Familie Harig ihr Damwildgehege bei Cunewalde. Erst mit dem Wolf kamen die Probleme. Bildrechte: MDR/Lutz Günther

Auch Patrick Harig will mit dem Wolf nicht leben. Sein Vater hat das Damwildgehege kurz nach der Wende aufgebaut. Jetzt betreibt es Patrick Harig im Nebenerwerb. Bisher sei alles tadellos gelaufen sagt er. Aber seitdem die Wölfe sich hier angesiedelt hätten, gebe es mehr und mehr Probleme. Wenn die Wölfe rund um Cunewalde ihren Hunger weiter mit Schafen und Damwild stillen, will das Landratsamt auch für dieses Rudel eine Abschussgenehmigung beantragen.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Fernsehen: MDR SACHSENSPIEGEL | 09.10.2017 | 19:00 Uhr

Quellen: mdr/vis

Zuletzt aktualisiert: 10. Oktober 2017, 14:43 Uhr

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10 Kommentare

12.10.2017 11:50 Frederic 10

@an Ureinwohner, es gibt im Grunde keine Probleme nur lösbare Aufgaben,--
Würde sagen, der Wolf ist keine Gefahr für den Menschen, aber der Mensch ist eine große Gefahr für den Wolf. Denn der Mensch neigt dazu, - erst alles aufzubauen, dann weil es "IHM" nicht gefällt zerstört.
So ist es auch bei dem Wolf, ein schönes - schheues Tier. Wurde von irgendwo hergeholt, in Gegegen von Menschen aufgezogen, ausgewildert - um dann - weil der Wolf sich nicht so verhält, wie der HEGER es dacht, abgeschossen zu werden. Man macht Futterstellen für alles mögliche an Wild, wrum nicht auch für den Wolf ??? Denn er ist es, - von Welpe an vom Menschen Futter zu bekommen.
Das seltsamste Tier - ist der Mensch !! Tiere sind oft verstädlicher als diese, angeblichen Tierschützer - der Mensch !!!

11.10.2017 21:27 Ureinwohner 9

Wir hatten einen Problembären Bruno (?),der abgeschossen werden musste nach Weisung irgendeinens Herren Steuber. Jetzt haben wir Problemwölfe aber auch Problempolitiker.Was machen wir jetzt?

11.10.2017 16:37 Rasselbock 8

Das Wolfproblem wird sich nachhaltig nur durch Entnahme des Menschen aus der Natur lösen lassen.

11.10.2017 11:07 MuellerF 7

@1: Da Wölfe ja nicht dumm sind, wird auch ein intaktes Rudel lieber den "gedeckten Tisch" annehmen, als aufwändig jagen zu gehen. Langfristig wird das Zusammenleben Mensch/Wolf nur funktionieren, wenn es a) Schutzgebiete komplett ohne Bejagung gibt & b) Wölfe zu bestimmten Zeiten außerhalb der Schutzgebiete bejagt werden dürfen, insbesondere, wenn sie Menschen oder Nutzvieh zu nahe kommen. Dann wird der Wolf auch eher seine natürliche Beute jagen, was auch für die Landwirtschaft ein Gewinn sein könnte- Stichwort Wildschweinplage.

11.10.2017 10:41 uwe 6

Legt Herr Harig fest, wer oder was ein Problemwolf ist? Ich denke dieser Landrat lebt in Rotkäppchens Welt.

10.10.2017 18:29 Apachi 5

Wenn Herr Harig ein Eselstutenfohlen ins Gehege integriert, dann hat er nicht mehr soviel Probleme.

Abschuss ist völliger Unsinn.

10.10.2017 16:12 Jens der Lausitzer 4

... ja ist schon klar, wir bauen jetzt jede Weide zur Festung aus.

... oder wir tun hier gar nichts mehr und importieren alles.

Ich hoffe die Traumtänzer kommen bald wieder zur Besinnung.

10.10.2017 14:51 MuellerF 3

Wie hat denn der Wolf den 2-Meter-Zaun überwunden- drüber oder drunter?
Von Füchsen ist ja bekannt, dass sie entspr. gebaute Zäune hochklettern können, nur nicht solche mit Überhang nach außen- wäre zum Schutz vor Wölfen evtl. auch hier nötig (gewesen).

10.10.2017 10:20 h2o 2

Der Mensch ist das allergrößte Problem.

09.10.2017 18:38 Luc 1

Sollte der im September bei Cunewalde überfahrene Wolfsrüde ein Elterntier gewesen sein, dann würde sich ja wieder bestätigen was Wissenschaftler sagen. Dass es wichtig ist, dass Rudel nicht auseinandergeschossen werden, weil sonst die Nutztierrise zunehmen. Wenn nun die Wölfin alleine Futter für ihren Nachwuchs suchen muss, dann ist sie noch mehr auf einfache Beute angewiesen. Einen solchen Fall gab es 2016 auch bei Cuxhaven, wo die Wölfin des Rudels illegal erschossen wurde und die Nutztierrisse anschliessend zunahmen.