Salafistische Mode hat sich als Jugendkultur etabliert
Die Beratungsstelle Sachsen ist Teil der Koordinierungs- und Beratungsstelle Radikalisierungsprävention (KORA). Bildrechte: HR

Beratungsstelle in Sachsen zu Islamismus Integrationsministerin: "Aktiv werden, bevor etwas passiert"

Der Fall der 16-jährigen Linda W. aus Pulsnitz hat Aufsehen erregt. Er zeigt aber auch, wie schwierig es ist, die Radikalisierung von Jugendlichen zu erkennen. Ein Beratungsstelle in Dresden soll dabei helfen. Die Arbeit der erfahrenen Fachkräfte soll auch pauschaler Islamfeindlichkeit vorbeugen.

Salafistische Mode hat sich als Jugendkultur etabliert
Die Beratungsstelle Sachsen ist Teil der Koordinierungs- und Beratungsstelle Radikalisierungsprävention (KORA). Bildrechte: HR

In Sachsen startet die Vorbeugung gegen islamistische Extremisten. In Dresden wurde am Dienstag eine Beratungsstelle eröffnet, an die sich Betroffene und Angehörige wenden können, um den Ausstieg zu schaffen. Integrationsministerin Petra Köpping erklärte, als Partner sei der Verein Violence Prevention Network gefunden worden, um gemeinsam dem religiös begründeten Extremismus in Sachsen vorzubeugen. "Wir wollen aktiv werden, bevor etwas passiert", so die Ministerin.

Der Fall Linda W. aus Pulsnitz habe gezeigt, dass in der Prävention nicht nur die radikalisierte Person selbst, sondern auch Angehörige und Lehrer einbezogen werden müssten. Die 16-Jährige war vor einem Jahr ausgereist, um sich dem IS anzuschließen und wurde Ende Juni im Irak festgenommen. Wichtig sei aber auch die Sensibilisierung im Umgang mit Personen mit muslimischem Hintergrund, die keine Radikalisierungsanzeichen aufwiesen, so die Initiatoren. Dadurch solle pauschaler Islamfeindlichkeit vorgebeugt werden.

Wir wollen durch die Angebote der Beratungsstelle junge Menschen gegen Extremismus stärken und sie nicht den extremistischen AkteurInnen und Manipulationen überlassen.

Thomas Mücke Violence Prevention Network

Zahl der Radikalisierten in Sachsen steigt

In Sachsen ist die Zahl islamistischer Extremisten laut Innenministerium im vergangenen Jahr auf 350 gestiegen - 50 mehr als 2015. Hiervon seien 210 Personen dem Salafismus zuzuordnen.

Das Projekt ist laut Köpping in Zusammenarbeit mit Innen- und Justizministerium entwickelt worden. Die neue Beratungsstelle in Dresden werde über Landesmittel sowie aus dem Bundesprogramm "Demokratie leben" finanziert. Interessierte Jugendliche, Angehörige, MultiplikatorInnen sowie Institutionen können sich mit ihren Anfragen wochentags zwischen 9 und 16 Uhr unter der Hotline 0351/ 564 564 9 an die Beratungsstelle Sachsen in der Königstraße 18 in Dresden wenden.

Über Violence Prevention Network Violence Prevention Network ist ein Verbund erfahrener Fachkräfte. Der Verein arbeitet seit über 15 Jahren mit Menschen, die wegen rechtsextremistisch oder religiös motivierter Gewalttaten inhaftiert sind sowie mit Jugendlichen, die Gefahr laufen, sich zu radikalisieren.

Mehrere Bundesministerien, die Justizbehörden zahlreicher Bundesländer sowie viele andere institutionelle Partner arbeiten mit Violence Prevention Network zusammen. Mehr als 1.200 ideologisierte Gewalttäter haben bereits am Deradikalisierungs-Programm in Haft "Verantwortung übernehmen – Abschied von Hass und Gewalt" teilgenommen.

Quelle: PM/MDR/kb

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio : MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.09.2017 | Regionalnachrichten 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. September 2017, 19:28 Uhr