Sachsen

"Katharina-Tag" : Torgau gedenkt "Wegbereiterin der Emanzipation"

Das sächsische Torgau hat am Wochenende mit verschiedenen Veranstaltungen an Luthers Ehefrau Katharina von Bora ( 1499-1552 ) erinnert. Auf dem Programm des "Katharina-Tags" standen Konzerte, Vorträge, Lesungen und Musik. Zudem wurde zum zweiten Mal eine "Katharina-Botschafterin" gekürt. Der mit einem Preisgeld von 3.000 Euro verbundene Titel ging an Cathrin Schauer aus Plauen. Sie engagiert sich im Verein "KARO" gegen Zwangsprostitution, Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung von Kindern und Frauen. Mit der Auszeichnung will die Stadt Torgau in Erinnerung an Katharina von Bora herausragende Verdienste von Frauen ehren.

Käßmann fordert weitere Reformation der Kirche

Margot Käßmann
Margot Käßmann hob die besondere Rolle der Frauen in der Kirche hervor.

Am Festgottesdienst am Sonntag nahm auch Luther-Botschafterin Margot Käßmann teil. Sie hob dabei die wichtige Rolle der Frauen in der Reformation hervor. Es sei wie so oft in der Geschichte: "die Männer werden gesehen, gehört, gelesen aber ohne die Frauen im Hintergrund, könnten Sie gar nicht agieren". In ihrer Predigt forderte sie, dass sich "die Kirche der Reformation" auch weiter reformieren müsse. Es habe nach Luther noch ein paar Jahrhunderte gedauert, bis die evangelische Kirche begriffen habe, was Priestertum aller Getauften meine: "Nämlich, dass Frauen auch de facto Pfarrerin und Bischöfin werden können."

Zu dem Fest wurden außerdem die fünf Siegerentwürfe des künstlerischen Wettbewerbs "Unter der Oberfläche - Reformation in Torgau" vorgestellt. Die Kunstwerke werden bis Oktober 2012 in der Torgauer Innenstadt das Thema Reformation neu ins Blickfeld nehmen.

Porträt: Von der "Mönchshure" zur Vorzeigefrau der Reformation

Für die junge sächsische Adlige ist das Mittelalter am Karsamstag 1523 vorbei, als sie aus dem Kloster Marienthron in Nimbschen bei Grimma flieht. Sie deutet die Zeichen der neuen Zeit auf ihre Weise ... [mehr]


In der Torgauer Marienkirche beigesetzt

Die Schirmherrschaft über die Veranstaltung hatte die mitteldeutsche Landesbischöfin Ilse Junkermann übernommen. Katharina von Bora starb 1552 in Torgau und wurde in der dortigen Marienkirche begraben. Ihre Flucht aus einem Nonnenkloster wurde von einem Torgauer Ratsherren organisiert. Danach schloss sie sich der Reformation an, deren Ideen sie bereits vorher studiert hatte. Junkermann erklärte: "Katharina von Bora führte ihr Leben oft gegen die Traditionen ihrer Zeit." Zugleich habe sie aber auch mit beiden Beinen "fest auf der Erde" gestanden. Sie sei eine frühe "Wegbereiterin für die Emanzipation der Frau gewesen, denn sie vermochte es, aus traditionellen Rollenmustern auszubrechen und ihre ganz individuelle Rolle zu leben, die eben nicht auf ein bestimmtes Frauenbild festgeschrieben war".

In Vorbereitung auf das Jubiläum "500 Jahre Reformation" im Jahr 2017 feiert Torgau seit 2010 den "Katharina-Tag".

Zuletzt aktualisiert: 01. Juli 2012, 20:52 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen.
Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

© 2013 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK