Sachsen

Energie : Neuer Kraftwerksblock in Boxberg geht ans Netz

Im Kohlekraftwerk Boxberg in der sächsischen Oberlausitz ist ein neuer Block in Betrieb genommen worden. Der Energieversorger Vattenfall hat dafür rund eine Milliarde Euro ausgegeben. Nach Angaben des Konzern ist der neue Block R eine der modernsten Anlagen zur Stromerzeugung aus Braunkohle. Der Block erreiche einen Wirkungsgrad von knapp 44 Prozent. Er werde etwa 20 Prozent weniger Kohlendioxid ausstoßen als ältere Braunkohlekraftwerke.

Bürgermeister zufrieden, Umweltschützer nicht

Der Boxberger Bürgermeister Roland Trunsch begrüßte die Investitionen von Vattenfall in seiner Gemeinde. Bei MDR INFO sagte er, die Menschen in der Region seien stolz auf den neuen Block. Es seien 50 neue Arbeitsplätze entstanden. Kohle und Energiewirtschaft hätten der Region die Chance zum Wandel gegeben. Kritik an der neuen Anlage kommt dagegen von Umweltschützern. Der Naturschutzbund BUND verwies darauf, dass Boxberg zum viertgrößten Verursacher von Kohlendioxid wird. René Schuster von der Grünen Liga in Cottbus sagte bei MDR INFO, Braunkohle sei kein geeigneter Energieträger, um die Energiewende voranzutreiben. Der bejubelte Wirkungsgrad der neuen Anlage in Boxberg liege weit unter dem moderner Gaskraftwerke.

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Braunkohle als Beitrag zur Energiewende

Vattenfall selbst bezeichnet den neuen Kraftwerksblock als wichtigen Beitrag zur Energiewende. Deutschland-Chef Tuomo Hattaka sagte, Braunkohle sichere Systemstabilität und trage dazu bei, dass Energie bezahlbar bleibe. Auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich erklärte, die Energiewende könne nur mit der Braunkohle gelingen. Kohlekraftwerke werden abgeschaltet, wenn genug Energie aus erneuerbaren Energien wie etwa Wind vorhanden ist. Vattenfall zufolge kann der neue Block in Boxberg innerhalb von 20 Minuten heruntergefahren werden.

Kritik von Umweltschützern

Sachsens Grüne und die Umweltschutzorganisation Greenpeace haben den Ausbau des Braunkohlekraftwerks Boxberg in der Lausitz kritisiert. Grünen-Landesvorsitzender Volkmar Zschocke sagte, die Inbetriebnahme des neuen Blocks sei ein großer Rückschritt für Klimaschutz und Wirtschaft. Allein durch den neuen Kraftwerksblock steige der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase in Sachsen um fast fünf Millionen Tonnen im Jahr. Bei den Pro-Kopf-Emissionen erreiche der Freistaat mit mehr als 13 Tonnen einen traurigen Spitzenwert in Deutschland, sagte Zschoke. Greenpeace erklärte, neue Kohlekraftwerke hätten in Zeiten der Energiewende keine Zukunft. Einer Studie des Umweltbundesamtes belegt zudem, dass auch neue, besonders effiziente Braunkohlekraftwerke nichts am Problem der Treibhausgas-Emissionen ändern. In dem Bericht aus dem Monat Juni heißt es, die Werte neuer Kraftwerte liegen trotz allem "deutlich über den durchschnittlich spezifischen Emissionswerten, die für die Stromerzeugung in Eruopa erforderlich ist, um die langfristigen Klimaschutzziele zu erreichen".

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2012, 21:05 Uhr

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