Menschen bei einem Bürgerfest
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Zeichen für Weltoffenheit und Toleranz Dresden zeigt Gesicht gegen Pegida

Menschen bei einem Bürgerfest
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Mit einem Bürgerfest und Demonstrationen haben in Dresden mehrere Tausend Menschen gegen die wöchentlichen "Pegida"-Aufzüge protestiert. Das Bündnis "Herz statt Hetze" hatte zu zwei Demonstrationen aufgerufen. Am Bahnhof Dresden-Neustadt und an der TU Dresden sammelten sich laut Zählung der studentischen Forschungsgruppe "Durchgezählt" insgesamt etwa 3.000 Teilnehmer. Nachdem die beiden Demonstrationszüge in der Innenstadt aufeinandertrafen, sprachen Vertreter von Parteien, Gewerkschaften und Religionsgemeinschaften zu den Teilnehmern. Abschließend zog die Demonstration auf den Postplatz.

Kritik an CDU und Tillich

Der sächsische Linken-Chef Rico Gebhardt machte auf der Kundgebung den Ministerpräsidenten und die sächsische CDU mitverantwortlich für den schlechten Ruf Sachsens. Wenn an einem 13. Februar, dem Jahrestag der Zerstörung Dresdens durch alliierte Bomber, jahrelang Nazis ungestört in Dresden aufmarschieren dürften, dann trage das dazu bei, dass in Sachsen diese Stimmung entstanden sei. Dafür gebe es einen Verantwortlichen und der heiße Tillich. "Ich erwarte, dass diese CDU endlich aus ihrem Schlaf aufwacht", sagte der Linken-Politiker.

Menschen bei einer Demonstration
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Das Bündnis "Dresden Nazifrei" sprach anschließend von 6.000 bis 8.000 Teilnehmern an der Demonstration. "Der zweite Jahrestag Pegidas fand ohne Pegida statt", erklärte die Bündnissprecherin Franziska Fehst. "Das ist ein Erfolg für Herz statt Hetze, die es geschafft haben, Pegida an ihrem Jahrestag die Stadt streitig zu machen." Dennoch zeige die Kundgebung am Sonntag, dass noch "viel Widerstand" zu leisten bleibe.

Bürgerfest mit klarem Appell

Während "Herz statt Hetze" durch die Innenstadt zog, wurde das Bürgerfest mit einem ökumenischen Friedensgebet eröffnet. Unter dem Motto "Dresden zeig dich" kamen etwa 1.000 Menschen auf dem Neumarkt zusammen. Oberbürgermeister Dirk Hilbert griff in seiner Rede Pegida scharf an. "Diese selbsternannten Patrioten haben sich als das entpuppt, was sie in ihrer Spitze sind: Gegner unserer Demokratie, Gegner unseres Staates", sagte Hilbert in seiner Rede. Er rief die Dresdner außerdem dazu auf, glaubwürdig zu zeigen, wofür man stehe. Ausdrücklich dankte Hilbert den Bündnissen "Herz statt Hetze" und "Dresden – Place to be" für ihr Engagement in den letzten Jahren.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert
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Wir müssen gemeinsam einen Weg finden, der mehr ist als Demonstrationen und Gegendemonstrationen Woche für Woche auf der Straße. Gleichzeitig dürfen wir aber die Straße auch nicht denen überlassen, die sie für Hetze und Rassismus missbrauchen.

Dirk Hilbert Oberbürgermeister der Stadt Dresden

Auf der Bühne des Bürgerfestes sprach auch Frank Richter, Chef der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, zu den Teilnehmern. Den Anführer von Pegida forderte er dabei auf: "Herr Bachmann, hören Sie auf, in dieser Stadt zu pöbeln!" Zwischen den Redebeiträgen wurden unter Leitung von Kreuzkantor Roderich Kreile auf dem Neumarkt Lieder gesungen – unter anderem die Deutsche Nationalhymne. Zudem boten neben Oberbürgermeister Dirk Hilbert weitere Bürgermeister zum Bürgerfest offene Sprechstunden an.

Tillich: Pegida "kleine Minderheit"

Stanislaw Tillich
Ministerpräsident Tillich bei der Verleihung des Bürgerpreises Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ministerpräsident Tillich sprach in Zusammenhang mit "Pegida" von einer "kleinen Minderheit". Die "Pegida"-Pöbler vom 3. Oktober seien "undemokratisch, unpatriotisch und geschichtsvergessen", sagte der Ministerpräsident bei der Verleihung des Sächsischen Bürgerpreises in der Frauenkirche. Der in fünf Kategorien verliehene Preis würdigt unter anderem das Engagement einer zwölfköpfigen Schülergruppe aus Friedersdorf bei Bautzen für Flüchtlinge in einer benachbarten Unterkunft.

Theaterplatz umkämpft und doch leer

Ursprünglich wollte Pegida am Montag auf dem Theaterplatz den zweiten Jahrestag ihrer Gründung begehen. Die "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" hatten ihre Veranstaltung aber um einen Tag vorverlegt, nachdem ihnen der symbolträchtige Platz vor der Semperoper wegen der bereits angemeldeten Gegendemo verwehrt worden war. Am Sonntag hatte das Bündnis anlässlich seines zweijährigen Bestehens etwa 8.000 Anhänger auf dem Theaterplatz versammelt. Mehrere Hundert Gegendemonstranten protestierten gegen Hass und Hetze.

Polizei zufrieden mit Einsatz

An beiden Tagen war die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz, am Montag waren es rund 1.600 Beamte. Mehrere Dutzend Menschen, die das Fest offenkundig stören wollten, seien von Beamten aufgehalten worden, erklärte die Polizei. Polizeipräsident Horst Kretzschmar zog vor dem "Hintergrund des störungsfreien Verlaufs" der Veranstaltungen ein "positives Fazit". Der von allen Seiten eingeforderte Theaterplatz blieb am Montag hingegen leer.

Zuletzt aktualisiert: 18. Oktober 2016, 16:06 Uhr

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147 Kommentare

20.10.2016 15:52 Wieland der Schmied 147

@ 145 Janes > Es liegt mir fern, mich mit Ihnen in eine Wörtelei über die Deutungshohheit bestimmter Zeitläufte einzulassen, weil das ein Streit um des Kaisers wäre. Zum Nachdenken folgende Fragen: 1.Hat Merkel für die Grenzöffnung(Schengen, Dublin) für ihren Wollkommenskult einen Beschluß des Bundestages oder des EU-Parlaments? 2.Warum hat Lammert nach Dresden hingeschmissen? 3.Warum hat Gauck nach Bautzen und Sebnitz hingeschmissen? 4.Warum sind die meisten EU-Länder gegen die Merkelsche Migrationspolitik. 5. Was sagen die Bürger und Politiker der Länder, die am laufenden Band Kamerateams nach Dresden schicken zu dem Konflikt von Bürgerbewegung mit Merkel. Ich habe mich mit vielen der genannten ausgetauscht und mit den typischen Reisergruppen aus aller Herren Länder und Kontinenten, die am Straßenrand den nicht endend wollenden Zug der Spaziergänger zuschauten und fragten und sich äußerten. All das steht Ihnen auch frei. Tun Sie es und Sie erklimmen den Baum der Erkenntnis.

20.10.2016 14:24 Janes 146

@Wieland...:"Während das Dresdner Pegida-Bündnis mittlerweile „von politisch nicht sonderlich begabten Anführern in eine Sackgasse geführt worden“ sei, schlage die AfD aus den Problemen weiter Kapital, sagte Patzelt." Fehlt da noch, bei deinem Kommentar. Heißt, dass Pegida nur ein Dresdner Problem ist und nirgendwo Gewicht hat. Wie gesagt-ihr nehmt euch zu wichtig

20.10.2016 12:00 Janes 145

@Wieland der Schmied 140: Nach meiner Meinung ist das anmaßend von Pegida, zu glauben, dass die Kanzlerin "heimlich" das komplette Thesenpapier von euch erfüllt hat. Das wäre gerade so, als würde ich für mehr Winterdienst in Dresden demonstrienen und bei jedem Schneepflug den ich sehe behaupten, dass die Stadt das wegen mir gemacht hat! Ich denke, ihr nehmt euch viiiiiiel zu wichtig.Und ihr sprecht der Politik die Kompetenz ab, ihrer Arbeit zu machen. Ich würde dich gern mal sehen, wenn ich zu dir auf Arbeit komme und dir permanet Kompetenz abspreche, dich kritisiere und dir sage was du zu machen hast. Ganz nebenbei hat sie nur gesagt, dass das Abschieben effizienter werden muss.....was auch Sinn macht. Sie sagte das zum "richtigen" Zeitpunkt, genau. Wenn es dran ist. Und nicht, wann es eine Gruppierung für Ihre Zwecke ausnutzen will.

20.10.2016 11:21 Wieland der Schmied 144

Ministerpräsident Tillich sprach in Zusammenhang mit "Pegida" von einer "kleinen Minderheit". Ja, das ist sie, im parlamentarischen Gefüge hat sie fast keinerlei Gewicht. Kann sich das ändern? Ja, das tut es schon mit Bravour. Seit Bestehen von PEGIDA verlieren die Platzhirsche der Parteien ständig in der Wählergunst und die Afd sammelt diese Stimmen ein. Patzelt:“Die PEGIDA ist die AfD auf der Straße und die AfD ist die PEGIDA in der Wahlkabine“. Mehr braucht es nicht. Merkel hat doch auch ohne parlamentatisches Auftreten der PEGIDA alle programmatischen Wünsche zur Rücknahme der Asylpolitik erfüllt, nicht aus Gefälligkeit, sondern aus Angst vor der Urne ind dem Mitgliederschwund. Es sind noch zwei Forderungen offen: M_m_w und Demokratie nach Schweizer Vorbild. Das ist noch eine Menge Holz und genügend Wegstrecke. Tillich sollte sich aber fragen, warum er zu seinen Erklärungen der wahren Demokratie nicht Tausende der "anständigen" Bürger anzieht, ohne freie Bockwurst und Bier.

20.10.2016 09:17 I. Maier 143

@ 140 Wieland der Schmied: Ich muss weg - nur kurz! Als Erstes, grundsätzlich, ich bin kein Anhänger von Frau Merkel. Das hatte ich schon mehrfach betont. Ich bitte also nicht, ständig, diejenigen, die mit Pegida nichts zu tun haben wollen, mit der Kanzlerin gleichzusetzen. Deshalb geht es bei Pegida nicht vorwärts. Engstirniges Denken! Meinungsvielfalt wird verkehrt in Meinungseinfalt. Das wollen eben die meisten Menschen nicht. Ihr Beispiel: Abschiebung. Das wird schon seit Jahrzehnten (Ob immer mit Erfolg ist in einem Rechtsstaat zwar zu erwägen!) versucht ohne das dort jemand als Nazi bezeichnet wird. Vielleicht meine Sie aber diejenigen, die in Heidenau gegen die Flüchtlinge demonstriert haben und Polizisten angegriffen. Das waren Nazis. Echt. Die laufen dann aber bei Pegida, den Identitären oder der AfD mit. Vielleicht sind die 19 Punkte von Pegida nicht ausreichend, Menschen zu mobilisieren. Vielleicht ist eben der Islam nicht unser größtes Problem!

19.10.2016 22:41 I. Maier 142

@ 132 Fragender Rentner: (Teil 2) Also hätte man schon gegen Schröder auf die Straße gehen müssen. Da gab es Pegida nicht. Allerdings wären damals auch nur sehr wenige mitgelaufen; Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes. Damit hätte man keine Agenda 2010 stoppen können und Schröder hätte sich totgelacht. Dass sehr viele Mensachen so denken, wie ich ist an einer einfachen Rechnung aufmachen. Sehen Sie sich die Teilnehmerzahlen bei Pegida an. Es gab da nach offiziellen Zählungen 25 000 Anfang 2015. Und jetzt etwa 8000. Merken Sie den Unterschied? Es wird nicht besser, wenn man sich einredet, Pegida wäre Spitze und es wird schon wieder besser werden. Das wird nicht. Gestrige Meldung einer Zeitung AfD hat 1,5%-Punkte verloren. Also keine Pegida-Partei und die AfD wird auch von keiner Mehrheit gewünscht. Eigentlich ärgerlich. Aber 3000 < 8000 ist hier vollkommen bedeutungslos! Ich fahre morgen in den Urlaub, deshalb der lange Post.

19.10.2016 22:33 I. Maier 141

@ 132 Fragender Rentner: Die Aussage ist jetzt richtig aber sie sagt nichts aus. Meinen Sie, dass 8000 Teilnehmer bei Pegida besser sind als 3000 am Montag? Das Problem ist nämlich, ich hatte in anderen Beiträegen schon darüber gesprochen, diese 8000 sagt garnichts aus. Es sind wenig bei Pegida. 3000 am Montag sagt auch wenig aus. Wenig bei der Veranstaltung von Herz und Hetze. Eine Schlusfolgerng, dass deshalb mehr Menschen für Pegida sind ist Unsinn. Man weiß ja nicht, was der Rest der Menschen denkt. Aber ich kann Ihnen zusichern, viele denken wie ich: Niemals Pegida. Wenn man sich mit den Themen bei Pegida beschäftigt, sieht man es werden keine Probleme gelöst. Der Islam ist nicht für Armut und ist nicht für schlechte Bildung u. a. in Deutschland verantwortlich. Es ging ja schon mindestens seit 2003 (Agenda 2010) bergab mit sozialen Errungenschaften der Menschen. Also kann kein Islam verantwortlich sein. Eigentlich nicht einmal Frau Merkel. Damals gab es Schröder. (Teil 2 sofort)

19.10.2016 21:57 Wieland der Schmied 140

@ 114 I.Maier Aber natürlich haben sie Recht, was ihre mathematischen Verhältnisse angeht, unwidersprochen. Aber dann muss es doch wohl noch einen Effekt geben, der über die rein mathematisch Relation hinausgeht, oder wie sehen Sie das folgende? PEGIDA läuft jeden Montag mit mehreren Tausenden Teilnehmern. Innerhalb eines knappen halben Jahres erfüllt die Kanzlerin alle 19 Thesen der PEGIDA und einige Zusatzforderungen anstandslos, wenn auch klammheimlich. Letzte Woche verlangte sie die unverzügliche Abschiebung Nichtasylberechtigter, wofür PEGIDA noch kurz vorher mit Fremdenhasser und Nazi eingedeckt wurde. Zum richtigen Zeitpunkt die richtige Position und die Truppenstärke ist fast egal, wußte schon Napoleon. Sie tat das nicht aus Gefälligkeit, sondern aus Angst vor der Urne und dem Mitgliederschwund.

19.10.2016 21:20 Joachim Dierks 139

Herbert Wallasch aus Pirna, was wollen Sie uns diesmal sagen.
Dass der Staat, also die Bundesrepublik Deutschland oder meinetwegen auch der Freistaat Sachsen, seine Bürger gezwungen hat, am Montag in Dresden auf den Theaterplatz oder auf den Neumarkt zu gehen?
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Um es mal deutlich zu sagen:
Jeder, der die heutige Situation mit der DDR Ende der 1980er vergleicht, verdreht bewusst historische Tatsachen und beleidigt damit letztendlich auch Menschen, die zur DDR-Zeiten Repressalien erlitten.

19.10.2016 20:36 Janes 138

@Klinger 136: Ich denke, die können mühelos mehrere Themen behandeln. Pegida ist da gerade leider sehr akut. @Fragender Rentner 133: Lieber fragender Rentner. Wer hatn hier irgendwelche falschen Zahlen rausgehauen?! Früher in der Schule hätte man womöglich gesagt: wer ne dumme Frage stellt, bekommt ne dumme Antwort.