Gottesdienste, Konzerte, Vorträge : Sachsen begehen Buß- und Bettag
Mit Gottesdiensten, Konzerten und Vorträgen begingen die evangelischen Christen in Sachsen am Mittwoch den Buß- und Bettag. Zugleich endete die Ökumenische Friedensdekade, die seit dem 11. November unter dem Motto "Mutig für Menschenwürde" stand. Traditionell predigte Landesbischof Jochen Bohl am Vormittag in der Dresdner Kreuzkirche. Vor dem Hintergrund der NSU-Mordserie mahnte er zum Innehalten. In seiner Predigt in der Dresdner Kreuzkirche sagte er, es sei wichtig, sich zu vergewissern, dass die Menschenwürde das höchste aller Güter sei.
In der Lutherkirche Radebeul stellten sich zehn Redner dem Wettbewerb "Hier stehe ich und kann nicht anders." Dabei setzen sie sich mit politischen oder gesellschaftlichen Themen auseinander.
Initiative "Anders wachsen"
In Leipzig stand der Buß- und Bettag zum Nachdenken und Besinnen unter dem Thema "Anders wachsen". Die gleichnamige Initiative veranstaltet mehrere Podiumsdiskussionen, in denen Alternativen zum stetig angemahnten Wirtschaftswachstum gesucht werden sollen. Beim Eröffnungsgottesdienst in der Leipziger Thomaskirche predigte die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann.
Käßmann fordert Umdenken beim Wirtschaftswachstum
Margot Käßmann forderte zu einem Umdenken beim Wirtschaftswachstum auf. "Wachstum an sich ist kein Wert, es geht vielmehr um die Frage, wie wir wachsen wollen", sagte die Theologin am Mittwoch bei einem Gottesdienst zum Thema "Anders wachsen" in Leipzig. Gleichzeitig plädierte sie für eine "Ethik des Genug". Jeder Einzelne könne dazu beitragen, etwa durch die Wahl seiner Geldanlage oder in dem er sein Auto abschaffe.
Auf dem "Markt der Initiativen" präsentieren sich verschiedene Aktionsbündnisse. Der Abschlussgottesdienst findet in der Leipziger Nikolaikirche statt, musikalisch begleitet von der Band "zwischenFall".
Ein kultureller Höhepunkt des Tages in Chemnitz war die traditionelle Museumspredigt, veranstaltet vom Evangelischen Forum und den Kunstsammlungen Chemnitz. Pfarrerin Dorothee Lücke stelltw das Bild "Segelschiff" von Caspar David Friedrich in den Mittelpunkt ihrer Predigt. In der Trinitatiskirche Anger-Crottendorf in Leipzig wurde am Buß- und Bettag die sanierte Schuster-Orgel wieder in Betrieb genommen. Es erklangen Werke von Antonin Dvorák, Johann Sebastian Bach und August Gottfried Ritter.
ARD-Themenwoche in Ottendorf-Okrilla
Begleitend zur ARD-Themenwoche "Leben mit dem Tod" wurde am Mittwoch in der Grünberger Kirche in Ottendorf-Okrilla die ARD-Dokumentation "Sterben ohne Glauben" voraufgeführt. Der in Dresden gedrehte Film sucht Antworten auf Fragen wie "Was bedeutet Sterben ohne Glauben? Welcher Trost bleibt, wenn es kein Wiedersehen im Jenseits gibt?"
SPD will andere Finanzierung der Pflegeversicherung
Der Buß- und Bettag ist nur noch in Sachsen ein gesetzlicher Feiertag. In allen anderen Bundesländern war der Tag 1995 zur Finanzierung der Pflegeversicherung abgeschafft worden. Die Sachsen zahlen dafür 0,5 Prozent mehr in die Pflegeversicherung ein. Zu viel, wie die SPD-Fraktion im Dresdner Landtag findet. Vorsitzender Martin Dulig sprach sich nun zwar für den Erhalt des Feiertags aus, forderte zugleich aber eine paritätische Finanzierung der Pflegeversicherung. Nach seinen Worten kostet die sächsische Sonderregelung einen durchschnittlichen Arbeitnehmer 156 Euro im Jahr. Sein Tagesverdienst liege jedoch bloß bei 130 Euro. "Die sächsischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kompensieren den beibehaltenen Feiertag also über Gebühr", kritisierte Dulig. Die SPD-Fraktion hat deshalb jetzt einen Antrag in den Sächsischen Landtag eingebracht, in dem die Landesregierung aufgefordert wird, eine bundesgesetzliche Regelung herbeizuführen.
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