Sachsen

Gottesdienste, Konzerte, Vorträge : Sachsen begehen Buß- und Bettag

Mit Gottesdiensten, Konzerten und Vorträgen begingen die evangelischen Christen in Sachsen am Mittwoch den Buß- und Bettag. Zugleich endete die Ökumenische Friedensdekade, die seit dem 11. November unter dem Motto "Mutig für Menschenwürde" stand. Traditionell predigte Landesbischof Jochen Bohl am Vormittag in der Dresdner Kreuzkirche. Vor dem Hintergrund der NSU-Mordserie mahnte er zum Innehalten. In seiner Predigt in der Dresdner Kreuzkirche sagte er, es sei wichtig, sich zu vergewissern, dass die Menschenwürde das höchste aller Güter sei.

In der Lutherkirche Radebeul stellten sich zehn Redner dem Wettbewerb "Hier stehe ich und kann nicht anders." Dabei setzen sie sich mit politischen oder gesellschaftlichen Themen auseinander.

MDR INFO | Hörer machen Programm : Warum gibt es in Sachsen noch den Buß- und Bettag?

Sachsen ist das einzige Bundesland, in dem der Feiertag noch begangen wird. Alle anderen Länder haben ihn 1995 abgeschafft. Dafür zahlen die Arbeitnehmer einen höheren Beitrag zur Pflegeversicherung. [mehr]


Initiative "Anders wachsen"

Margot Käßmann
Margot Käßmann predigte in der Thomaskirche.

In Leipzig stand der Buß- und Bettag zum Nachdenken und Besinnen unter dem Thema "Anders wachsen". Die gleichnamige Initiative veranstaltet mehrere Podiumsdiskussionen, in denen Alternativen zum stetig angemahnten Wirtschaftswachstum gesucht werden sollen. Beim Eröffnungsgottesdienst in der Leipziger Thomaskirche predigte die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann.

Käßmann fordert Umdenken beim Wirtschaftswachstum

Margot Käßmann forderte zu einem Umdenken beim Wirtschaftswachstum auf. "Wachstum an sich ist kein Wert, es geht vielmehr um die Frage, wie wir wachsen wollen", sagte die Theologin am Mittwoch bei einem Gottesdienst zum Thema "Anders wachsen" in Leipzig. Gleichzeitig plädierte sie für eine "Ethik des Genug". Jeder Einzelne könne dazu beitragen, etwa durch die Wahl seiner Geldanlage oder in dem er sein Auto abschaffe.

Auf dem "Markt der Initiativen" präsentieren sich verschiedene Aktionsbündnisse. Der Abschlussgottesdienst findet in der Leipziger Nikolaikirche statt, musikalisch begleitet von der Band "zwischenFall".

Ein kultureller Höhepunkt des Tages in Chemnitz war die traditionelle Museumspredigt, veranstaltet vom Evangelischen Forum und den Kunstsammlungen Chemnitz. Pfarrerin Dorothee Lücke stelltw das Bild "Segelschiff" von Caspar David Friedrich in den Mittelpunkt ihrer Predigt. In der Trinitatiskirche Anger-Crottendorf in Leipzig wurde am Buß- und Bettag die sanierte Schuster-Orgel wieder in Betrieb genommen. Es erklangen Werke von Antonin Dvorák, Johann Sebastian Bach und August Gottfried Ritter.

ARD-Themenwoche in Ottendorf-Okrilla

Begleitend zur ARD-Themenwoche "Leben mit dem Tod" wurde am Mittwoch in der Grünberger Kirche in Ottendorf-Okrilla die ARD-Dokumentation "Sterben ohne Glauben" voraufgeführt. Der in Dresden gedrehte Film sucht Antworten auf Fragen wie "Was bedeutet Sterben ohne Glauben? Welcher Trost bleibt, wenn es kein Wiedersehen im Jenseits gibt?"

SPD will andere Finanzierung der Pflegeversicherung 

Hände zum Gebet gefaltet
Der Buß- und Bettag ist nur noch in Sachsen ein gesetzlicher Feiertag.

Der Buß- und Bettag ist nur noch in Sachsen ein gesetzlicher Feiertag. In allen anderen Bundesländern war der Tag 1995 zur Finanzierung der Pflegeversicherung abgeschafft worden. Die Sachsen zahlen dafür 0,5 Prozent mehr in die Pflegeversicherung ein. Zu viel, wie die SPD-Fraktion im Dresdner Landtag findet. Vorsitzender Martin Dulig sprach sich nun zwar für den Erhalt des Feiertags aus, forderte zugleich aber eine paritätische Finanzierung der Pflegeversicherung. Nach seinen Worten kostet die sächsische Sonderregelung einen durchschnittlichen Arbeitnehmer 156 Euro im Jahr. Sein Tagesverdienst liege jedoch bloß bei 130 Euro. "Die sächsischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kompensieren den beibehaltenen Feiertag also über Gebühr", kritisierte Dulig. Die SPD-Fraktion hat deshalb jetzt einen Antrag in den Sächsischen Landtag eingebracht, in dem die Landesregierung aufgefordert wird, eine bundesgesetzliche Regelung herbeizuführen.

Zuletzt aktualisiert: 22. November 2012, 09:51 Uhr

8. matze:
@Potzblitz: Dem ist nichts hinzuzufügen! Ich hoffe, du hast die Ironie in meiner Mittelalter-Formulierung entdeckt. Ich jedenfalls habe mit einem Chorkonzert (ich singe im Kirchenchor) einen würdigen Buß- und Bettag gehabt.
21.11.2012
21:05 Uhr
7. hmüller:
Mir sind diese kirchlichen Feuertage auch zu viel. Wieso wird man dauernd von dieser Kirche belämmert? Andere Feiertage schaffen 8.März 1. September -Weltfriedenstag- wers noch weiss- 1.Juni-Kindertag-9.Mai wieder...und als Aufreger der 7.november ja was war da ?
21.11.2012
20:54 Uhr
6. Potzblitz:
@Matze: Das nächste Mittelalter wird so oder so kommen, wenn nicht langsam ein paar Menschen umdenken und ihr Leben Kindern, Familie, Gesellschaft und Umwelt statt dem Traum vom ewigen "Wachstum" widmen. Wenn sich weiterhin jeder nur mit seinem nächsten Auto oder seinem nächsten iPhone oder sein neuem Eigenheim beschäftigt... haben, haben, haben und immer mehr und möglichst schnell. Ein guter Tag, sich bewusst zu werden, dass diese "spätrömische Dekandenz" langfristig nicht funktionieren wird.
21.11.2012
18:21 Uhr
5. Gerscher:
Frank schwimmt mit dem Strom, ein so genannter "Zeitgemäßer", ich würde es eher angepasst und DDR-geprägt nennen. Ich gebe dem Vorredner recht, die ganzen "Modehaiden" sollten mal schön brav am Pfingssonntag, um Weihnachten, Karfreitag, Ostermontag,Reformationstag.... arbeiten gehen um ihre angeblich so zeitgemäße Lebensweise voll auskosten zu können, allerdings wage ich zu bezweifeln das die Herrschaften so konsequent sind.
21.11.2012
12:58 Uhr
4. matze:
@ Frank: Keiner Kirche anzugehören ist also "zeitgemäße Erziehung"? Diese Einstellung finde ich ziemlich armseelig. Da bin ich dankbar, daß ich so "unzeitgemäß" erzogen wurde und diese "unzeitgemäße" Lebenseinstellung bewahrt habe. Was hindert dich eigentlich, an diesen "unzeitgemäßen" Feiertagen deiner Arbeit nachzugehen? Viele Grüße aus dem Mittelalter :)
21.11.2012
11:24 Uhr
3. Thomas:
@ frank wofür braucht ihr Heiden den 24. Dez. Was wollt ihr da feiern? Geschenkezeit oder Familienaufdienervengehzeit? Am besten ihr geht das ganze Jahr arbeiten, außer am 1.Mai und am 3.Oktober. Aber kirchliche Feiertage sind für euch "zeitgemäß" erzogene ein untragbarer Luxus.
20.11.2012
21:22 Uhr
2. Frank:
Ich gehöre keiner Kirche an da ich zeitgemäß erzogen wurde. Gegen den Feiertag habe ich nichts, an diesem Tage bekomme ich kein Geld oder Lohn. Die Christen können Ihn so begehen wie Sie Ihn für würdig erachten. Was mich aber mehr stört, ich denke schon an den 24. Dezember, daß ist kein Feiertag aber in vielen Bereichen herrscht eine regelrechte Arbeitsverweigerung. Hier sollte der Gesetzgeber vorgehen.
20.11.2012
18:39 Uhr
1. Georg:
Bitte, liebe Politiker: laßt ihre [...] Finger weg von unseren Buß- und Bettag!!! [Löschung einer abwertenden Formulierung - MDR.DE_Redaktion]
20.11.2012
18:29 Uhr

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