Mitteldeutsche Regiobahn stellt neue Triebwagen vor
Fahren zurzeit störungsfrei: die Elektrotriebwagen von Alstom. Bildrechte: MDR/L. Müller

Zugpannen bei Mitteldeutscher Regiobahn Alstom räumt Einfluss der Strecke auf Verschleiß an Rädern ein

Mitteldeutsche Regiobahn stellt neue Triebwagen vor
Fahren zurzeit störungsfrei: die Elektrotriebwagen von Alstom. Bildrechte: MDR/L. Müller

Der Fahrzeughersteller Alstom hat nach eigenen Angaben die Radsätze der störanfälligen Elektrotriebwagen Coradia Continental "in großem Umfang" ausgetauscht. Wiederholt hatten Probleme an den Rädern der erst 2016 gelieferten hochmodernen Nahverkehrstriebwagen für Zugausfälle und Ersatzverkehre gesorgt. Betroffen waren die Strecken Dresden - Chemnitz - Zwickau - Hof und Chemnitz - Riesa - Elsterwerda. Bisher hatte sich Alstom nie konkret zur Ursache geäußert. Inzwischen gibt sich der Konzern aber offener und räumt erstmals ein: "Das Verhalten der Räder hängt grundsätzlich von dem Zusammenspiel Rad/Schiene ab. Somit hat auch die Topographie der Strecke einen Einfluss auf den Verschleiß oder eventuelle Schäden."

Im Flachland laufen baugleiche Triebwagen pannenfrei

Eisenbahnfachleute hatten wiederholt darauf verwiesen, der Hersteller solle bei der Ursachensuche auch die steigungs- und kurvenreiche Strecke Dresden - Hof in Betracht ziehen. Alstom hingegen hatte die Strecke als möglichen Pannengrund bisher zumindest offiziell ausgeschlossen.

Dass der komplizierte Streckenverlauf am Rande des Erzgebirges und über die Höhen des Vogtlandes Einfluss auf den Verschleiß an den Fahrzeugen in Sachsen haben könnte, deutet auch die Tatsache an, dass baugleiche Triebwagen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen keinerlei vergleichbare Probleme aufweisen. Auf die Frage, ob für die Radsätze bei den sächsischen Zügen anderes Material hätte verbaut werden müssen, antwortete die Sprecherin ausweichend: "Der überraschend hohe Verschleiß der Radsätze ist einmalig und bisher bei keinem Fahrzeug des Typs Coradia Continental von Alstom vorgekommen." Man habe nun in der Chemnitzer Werkstatt die Wartung so optimiert, dass künftig Ausfälle vermieden werden könnten. Ob die ausgetauschten Radsätze aus anderem Material bestehen, dazu machte das Unternehmen keine Angaben.

Verbünde: Aktuell keine Störungen

Werbeplakat der Mitteldeutschen Regiobahn, die mit den modernen Zügen und mit dem Slogan: Modern, Ruhig, Brandneu wirbt.
Modern, ruhig und brandneu sind die Züge zwar, Pannen an Radsätzen hatten jedoch im Winter und im Sommer für wochenlange Behinderungen gesorgt. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi

Auf die vom Netzbetreiber Deutsche Bahn geschliffenen Schienen habe man ebenfalls reagiert, so die Alstom-Sprecherin. "Eine frisch geschliffene Schiene kann unter bestimmten Umständen zunächst einen Anstieg des Verschleißes - speziell des Spurkranzes - zur Folge haben." Alstom habe "die Parameter der sogenannten Spurkranzschmierung auf die besonderen Bedingungen angepasst und kann feststellen, dass sich der Verschleiß der Spurkränze seitdem im normalen Rahmen bewegt".

Eine Sprecherin der Verkehrsverbundes Mittelsachsen (VMS) bestätigte, dass die Züge derzeit weitestgehend störungsfrei liefen. Alle bisherigen Anpassungen an den Fahrzeugen seien Gewährleistungsarbeiten, die der Hersteller auf eigene Kosten erledige. Ob die Strecke schwierig sei oder nicht, spiele für den VMS als Besteller keine Rolle. Die Züge wurden für genau diese Strecke ausgeschrieben, betonte die Verbundsprecherin. Deshalb könne man einen reibungslosen Betrieb voraussetzen - besonders im Sinne der leidgeprüften Fahrgäste. Genauso argumentiert auch der Verkehrsverbund Oberelbe, der auf beiden Strecken einen Teil des Verkehrs bezahlt.

Die Coradia Continental-Züge auf den Strecken Dresden - Hof und Chemnitz - Elsterwerda gehören dem Hauptbesteller VMS. Sie werden von der Mitteldeutschen Regiobahn im Auftrag des VMS betrieben. Die Wartung liegt vertraglich beim Hersteller Alstom, der in Chemnitz eine Werkstatt hierfür unterhält.

Quelle: Alstom/VMS/VVO/lam

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.11.2017 | 14:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus Chemnitz

Zuletzt aktualisiert: 10. November 2017, 12:59 Uhr

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4 Kommentare

11.11.2017 18:33 Dreikolch 4

Wie kann es sein, dass die alten Klapperkisten der Deutschen Reichsbahn früher diese Strecke überlebt haben - aber hochmoderne Triebwagen schon nach einem Jahr kaputt sind?!

Gibt's da keine Garantie auf die teuren Fahrzeuge?

11.11.2017 15:37 Fragender Rentner 3

Könnte es auch sein, das minderwertiges Material für die Räder verbaut wird?

Schlechtes Material, also schneller Verschleiß!

Möglicherweise sind so Unfälle vorprogrammiert!

11.11.2017 11:56 Ach sooo 2

"Das Verhalten der Räder hängt grundsätzlich von dem Zusammenspiel Rad/Schiene ab. Somit hat auch die Topographie der Strecke einen Einfluss auf den Verschleiß oder eventuelle Schäden."

Ok., das ist angesichts der ja weltweit bekannten sog. Spontanen Auffaltung - auch als latent spontane mittelsächsische Gebirgsbildung bekannt - natürlich sehr nachvollziehbar. An anderen geographischen Orten Terras kann man ja zuvor einfach eine topographische Karte zu Rate ziehen und den Verlauf der Höhenlinien studieren - das geht nun mal in Sachsen nicht: Montag noch bretteben - Dienstagabend 350 Meter ü. NN - Mittwoch Depression auf -30 Meter u. NN. Kein Wunder, dass die Besiedlung so dünn ist und die Einheimischen nomadisch in Zelten leben. Letzteres hat zugegebenermaßen auch mit der SPD-Merkel-Agendapolitik zu tun: Angesichts der Dauerpendelei lohnt die Errichtung fester Häuser nicht und wäre angesichts der Merkelschen Subsistenzwirtschaft auch gar nicht finanzierbar.

10.11.2017 15:16 Fragender Rentner 1

Gott sein dank oder wie vieleicht andere noch sagen, endlich haben wir einen Schuldigen gefunden.

Also was heißt das für die mitteldeutschen Länder, schleift die Hügel und Berge und schafft so flaches Land.