Im Sitzungssaal des Landgerichts Zwickau versteckt ein Angeklagter sein Gesicht unter seiner Jacke
Der 32 Jahre alte Angeklagte versteckte sich unter seiner Jacke vor den Kameras der Journalisten. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer

Brandanschlag Asylheim Zwickau Angeklagter offenbart rechte Gesinnung

Erneut muss sich das Landgericht Zwickau mit einem Übergriff auf ein Asylbewerberheim befassen. Verhandelt wird ein Brandanschlag, der vergangenen Mai in Zwickau verübt wurde – just in der Zeit, als das Gericht gerade mehrere Männer abstrafte, die einen ähnlichen Anschlag in Crimmitschau begingen. Auch im aktuellen Fall lautet der Vorwurf auf versuchten Mord. Als mutmaßlicher Täter angeklagt ist ein unauffälliger Familienvater.

von Matthias Vollmer

Im Sitzungssaal des Landgerichts Zwickau versteckt ein Angeklagter sein Gesicht unter seiner Jacke
Der 32 Jahre alte Angeklagte versteckte sich unter seiner Jacke vor den Kameras der Journalisten. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer

Am Landgericht Zwickau muss sich seit Dienstag ein 32-jähriger Zwickauer wegen eines Brandanschlags auf ein Asylheim verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann 16-fachen versuchten Mord vor. Motiv sei eine "ausgeprägte ausländerfeindliche Gesinnung", heißt es in der Anklage. Die Tat selbst sei als "Fanal gegen die vermeintliche Flüchtlingsflut" gedacht gewesen. Dem Angeklagten drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Tatgeschehen detailliert geschildert

Der 32-Jährige zeigte sich gleich zu Prozessbeginn geständig. Nach einer von seinem Anwalt verlesenen Stellungnahme berichtete er selbst über die Geschehnisse in der Nacht des 22. Mai 2016. Demnach war der Tat ein Zechgelage in seiner Wohnung mit seiner Frau und einem Kumpel vorausgegangen.

Außenansicht des Asylbewerberheims in der Zwickauer Kopernikusstraße
Auf dem Gelände der Asylbewerberunterkunft in der Zwickauer Kopernikusstraße flogen Ende Mai 2016 zwei Molotowcocktails in ein bewohntes Haus. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer

Danach sei er gegen zwei Uhr morgens allein zum Asylheim auf der Kopernikusstraße gezogen. Im Gepäck hatte er sechs Molotowcocktails, die er zuvor zu Hause spontan aus Spargelgläsern und einem T-Shirt selbst gebaut hatte. Das Benzin hatte er auf dem Weg noch an einer Tankstelle in einem Handkanister besorgt. An der Flüchtlingsunterkunft sei er durch eine Lücke im Zaun auf das Heimgelände geschlichen und über eine Feuertreppe in die erste Etage eines bewohnten Hauses gelangt. Dort habe er zwei brennende Molotowcocktails in den Gang geworfen. Erschrocken über die heftige Explosion habe er die Flucht ergriffen.

Klar hab ich gewusst, was da passieren kann.

Angeklagter

Obwohl der 32-Jährige eigenen Angaben zufolge vor der Tat einen halben Kasten Bier und eine halbe Flasche Schnaps getrunken hatte, konnte er sich recht detailliert an den Ablauf der Nacht erinnern.

Rechte Gesinnung wird deutlich

Als der Richter fragte, warum er die Tat begangen habe, antwortete der 32-Jährige: Als er an dem Abend mit seinem Kumpel soff, sei ein Vorfall in ihm hochgekocht. Wenige Tage zuvor sei im Haus ein Fahrrad gestohlen worden. Der Täter war nach Überzeugung des angeklagten Zwickauers ein Flüchtling. Dieser habe ihm zudem noch den "Stinkefinger" gezeigt.

Die sollten sehen, dass die hier nicht alles machen können, was die wollen.

Angeklagter

Der schlanke Mann mit kurzen dunklen Haaren und dicken Augenbrauen wirkt unauffällig. Der Hauptschulabgänger arbeitete als Kraftfahrer, ist verheiratet und Vater eines anderthalbjährigen Kindes. Politisch sei er nicht aktiv, sagte er vor Gericht aus, auch nicht in fremdenfeindlichen Facebook- oder WhatsApp-Gruppen. Aber er habe eine rechte Gesinnung. Diesen Eindruck bekamen bereits die Ermittler bei der Durchsuchung seiner Wohnung. Laut Staatsanwalt prangte im Wohnzimmer ein Reichsadler mit Sonnenrad an der Wand. Neben einem Hakenkreuzkoppel wurden verschiedene Hinweise gefunden, die auf Sympathie für die Reichsbürgerbewegung schließen lassen. Sogar ein Selfie als Adolf Hitler hatte der Zwickauer von sich geschossen. Was nur ein Scherz gewesen sei, beteuerte dieser.

Reue nach Anschlag

Ob er nach dem Brandanschlag Genugtuung empfand, wollte der Staatsanwalt wissen. Nein, das Gegenteil sei der Fall gewesen, erklärte der 32-Jährige: "Wäre ich nüchtern gewesen, hätte ich das nicht getan!"

Es war Glück, dass zum Tatzeitpunkt mitten in der Nacht Bewohner des Flüchtlingsheims noch wach waren. Ein Pakistaner, der einen Freund zu Gast hatte, bemerkte die Flammen. Mit dem Wachschutz konnte der Brand gelöscht werden, bevor Menschen zu Schaden kamen. Einen Verletzten gab es dennoch: Der Pakistaner war beim Betreten des brennenden Flurs ausgerutscht und hatte sich an Scherben eines zerborstenen Molotowcocktails die Hand zerschnitten.

Der Prozess wird am 7. März fortgesetzt. An dem Tag soll voraussichtlich auch das Urteil fallen.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio und im Fernsehen: MDR 1 RADIO SACHSEN | 14.02.2017 | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz ab 07:30 Uhr

MDR SACHSENSPIEGEL | 14.02.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2017, 20:18 Uhr

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37 Kommentare

16.02.2017 19:24 Mediator an 29 37

Unmut mit der aktuellen Politik ist wohl so alt wie die Menschheit. Selbstverständlich braucht es dazu weder AfD noch Pegida, doch dies war NICHT mein Vorwurf an diese beiden Gruppen!

Ich werfe denen konkret vor, dass sie Hass, Gewalt und pauschale Kriminalisierungen ganzer Gruppen und Ethnien vorgedacht und salonfähig gemacht haben.

Das gesamte rechte rechte Spektrum dieses Landes hat auf allen Kanälen mobil gemacht und sich mit Hass und Lügen überboten. Dies ging sogar soweit, dass Frauen Vergewaltigungen durch Flüchtlinge anzeigten und anschließend gestehen mussten, dass sie diese nur erfunden haben. So etwas nennt man Öl ins Feuer gießen und Beißhemmungen entfernen.

Tun Sie nicht so abgeklärt wenn Sie behaupten, "dass von einem Teil der Zugewanderten durchaus Gefahr ausgeht", denn die geht auch von einem Teil der Deutschen aus! Dazu genügt ein Blick in die Kriminalstatistik. Das BKA sagt, dass Flüchtlinge nicht krimineller sind als Deutsche - so what?

16.02.2017 15:41 Detektor 36

@Agnostiker (#28, 16.02.17 04:06) Teil 2

3. ...
Außerdem: Die Straftat wurde in einem Asylheim/Flüchtlingsheim durchgeführt => Der Begriff 'Einwanderung' ist hinreichend fragwürdig.

4. "staatl. verordnete Willkommensterror": Vielleicht sollten Sie einen eigenen Kleinstaat gründen; da kann Sie der Staat dann eher weniger terrorisieren...

5. "MUSS mit verzweifelten Gegenreaktionen der Bedraengten gerechnet werden": Seit 05:45 wird zurückgeschossen? Hätten Sie die ausgesprochene Freundlichkeit zu erläutern, inwieweit der Angeklagte durch die Bewohner des Asylheims bedrängt wurde (z.B. eingeschränkte Versorgung mit Alkoholika)?

6. "...die glauben, dass es kein "Vorher" gab, wie es auch kein "Nachher" gibt und die Gegenwart immer beliebig ist...": Köstlich; und dies von jemanden, der durch seine eigenen Ausführungen deutlich macht, daß er sozusagen in einem vermeintlichen besserem Vorher stecken geblieben ist.

16.02.2017 15:39 Detektor 35

@Agnostiker (#28, 16.02.17 04:06) Teil1

Quintessenz: Gleich mehrfach oh je, oh je...

1. In Verbindung mit einem Blick auf den Kalender werden Sie feststellen, daß die von Ihnen propagierte Weltanschauung wohl eher ins Jahr 1917 als in 2017 paßt.

2. Eine "naturgesetzliche Tatsache" (hier speziell: "Druck erzeugt Gegendruck") in Bezug zum menschlichen Zusammenleben konstatieren zu wollen, ist eine Konterkarierung von Naturwissenschaft (mal abgesehen davon, daß das von Ihnen zitierte 'Naturgesetz' im mikroskopischen Bereich sowieso so nicht verwendet werden kann).
Vielleicht sollten Sie sich auch nochmal mit der Bedeutung des von Ihnen gewählten Aliases beschäftigen...

3. ""Einwanderung" und "deutsche Beduerfnisse" haben nun einmal KEINE Schnittmenge": Mit Verlaub, komplett lächerlich aufgrund der bekannten Fakten, daß menschliche Entwicklung nur aufgrund der Wanderungsbewegungen derart möglich war.
...

16.02.2017 15:23 Ich 34

Gefahr geht doch längst auch von deutschen Rechtsextremen aus. Nicht nur vom nach wie vor intakten Unterstützerkreis des NSU oder der OSS. Jeder Informierte kann über Gewalt-Nazis berichten, die selbst vor Brandstiftung an Flüchtlingsunterkünften nicht zurückschrecken. Wer dabei immer wieder krankhaft verweist, dies wäre die Schuld der Flüchtlinge zeigt damit seinen deutliche ausgeprägten Hass auf Menschen, die bei uns Schutz suchen.

16.02.2017 14:30 Janes 33

Beitrag 30: In der Realität sind sehr viel mehr Einheimische eine große Gefahr für die Gesellschaft. Da sind die handvoll eingereisten Terroristen (die überigens meistens bekannt sind) nicht das größere Problem. Auch wenn sie es nicht wahrhaben wollen, die meisten "Terroristen" und Straftäter sind Deutsche. Zitat:" Sie sollten sich mal allseitig informieren, die Scheuklappen ablegen, um in der Realität anzukommen.
Aber das wollen Sie nicht, könnte ja Ihre heile Welt ins Wanken bringen." Merkste was?!

16.02.2017 14:27 Janes 32

@Agnostiker 28: sie sollte das LKA und der Verfassungsschutz mal unter die Lupe nehmen. Solche Aussagen sind ja schon mehr als verdächtig. "Verordneter WillkommensTerror"?! Kann das sein, dass ihnen unsere Gesetze nicht passen? Warum wandern sie nicht aus? Dann muss sich niemand fürchten, dass sie Gegendruck erzeugen....gegen was auch immer.

16.02.2017 14:20 Janes 31

@Agnostiker 28: sie sollte das LKA und der Verfassungsschutz mal unter die Lupe nehmen. Solche Aussagen sind ja schon mehr als verdächtig. "Verordneter WillkommensTerror"?! Kann das sein, dass ihnen unsere Gesetze nicht passen? Warum wandern sie nicht aus? Dann muss sich niemand fürchten, dass sie Gegendruck erzeugen....gegen was auch immer.

16.02.2017 12:22 @ 29 30

Wieder nur Behauptungen, wie Sie Ihnen gefallen.
Ich setze entgegen, dass es nicht Pegida und Co. bedarf, um bei der vorherrschenden Politik großen Unmut zu empfinden.
Diese Straftaten würden auch ohne Pegida zu verzeichnen sein.
Ist leider traurige Tatsache.
Und nochmal extra für Sie:
Keiner behauptet, Flüchtlinge seien generell gefährlich!
Es ist aber auch Tatsache, dass von einem Teil der Zugewanderten durchaus Gefahr ausgeht.
Sie sollten sich mal allseitig informieren, die Scheuklappen ablegen, um in der Realität anzukommen.
Aber das wollen Sie nicht, könnte ja Ihre heile Welt ins Wanken bringen.

16.02.2017 08:12 Mediator an 21 29

Der Unterschied zwischen begründeten Vorwürfen und Voreingenommenheit darin, dass erstere ARGUMENTATIV begründet sind, wahrend letztere nur Annahmen sind.

Ich kann Ihnen auch gerne begründen, warum Höcke, Pegida und Co. eine moralische Mitverantwortung für Straftaten tragen, wie sie im Artikel behandelt werden.

Die genannten Personen und Vereinigungen schüren massivst Hass, Ängste und Voreingenommenheit gegen Flüchtlinge. Nach deren ÜBERZOGENEN Worten sind diese generell kriminell, vermehren sich wie die Fliegen, bedeuten den Untergang unserer Kultur, fressen uns Deutschen die Haare vom Kopf und machen es für <unsere> Frauen unmöglich sich in der Öffentlichkeit sicher zu bewegen.

Bei einem vermutlich eher schlichten Gemüt wie dem Angeklagten, der mal eben einen halben Kasten Bier und ne halbe Flasche Schnaps verputzt, werden solche überzogenen Worte sicherlich nicht groß hinterfragt und analysiert, sondern lösen Hass und Wut aus, die hier in einer schweren Straftat gipfelten.

16.02.2017 04:06 Agnostiker 28

@ 25: Druck erzeugt Gegendruck. Das ist eine naturgesetzliche Tatsache.
"Einwanderung" und "deutsche Beduerfnisse" haben nun einmal KEINE Schnittmenge, und wenn der staatl. verordnete Willkommensterror trotzdem stetig zunimmt, MUSS mit verzweifelten Gegenreaktionen der Bedraengten gerechnet werden.
Selbstverstaendlich sind die Schuldigen an der "Auslaender-rein-um-jeden-Preis" Politik in der Politik zu suchen, wo auch sonst?
Oder gehoeren Sie auch zu jenen Konsensjuengern, die glauben, dass es kein "Vorher" gab, wie es auch kein "Nachher" gibt und die Gegenwart immer beliebig ist und nichts eine Rolle spielt?