Elektromobilität Müssen sich Sachsens Auto-Zulieferer warm anziehen?

Neue Konzepte, neue Antriebe und harte Umweltbestimmungen setzen die Auto-Branche unter Druck. Der Internationale Jahreskongress der Automobilindustrie in Zwickau Ende Oktober will Chancen und Risiken für Unternehmen in Sachsen ausloten.

von Brigitte Pfüller

In den USA, Singapur und China wird das autonome Fahren 2019 Realität sein, sagt Johann Jungwirth von der Volkswagen AG.
Ende Oktober treffen sich internationale Experten in Zwickau, um über die Zukunft der Autobranche zu debattieren. Bildrechte: IHK Chemnitz

"Die sächsischen Automobilzulieferer drehen sich." Michael Stopp, Referatsleiter Industrie/Außenwirtschaft der IHK-Regionalkammer Zwickau, kennt die Branche. Denn bereits zum 21. Mal organisiert die Industrie- und Handelskammer Chemnitz den Jahreskongress der Automobilindustrie. Das Treffen findet am 24. und  25. Oktober 2017 in Zwickau statt. Erwartet werden rund 250 Teilnehmer. "Die Unternehmen zeigen starkes Interesse für neue Technologien wie Automatisierung, IT, Vernetzung, alternative Werkstoffe oder autonomes Fahren." Auch die zunehmende Internationalisierung der Fertigung spiele ein wichtige Rolle, so Stopp.

Delegationen aus Japan und den USA

Deshalb holen die Veranstalter gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Sachsen (WFS) dieses Jahr zwei große Wirtschaftsdelegationen aus den USA und aus Japan nach Zwickau. "Sie sind auf der Suche nach sächsischen Kooperationspartnern", freut sich Stopp. Das sei wichtig, denn auch die Firmen aus dem Freistaat müssten sich dorthin orientieren, wo in Zukunft die meisten Fahrzeuge gebaut würden. Derzeit entstehen nach seinen Angaben von den weltweit pro Jahr rund 90 Millionen gefertigten Automobilen ca. 24 Millionen in China. Dabei behandle das Land den Verbrennungsmotor bereits heute schon sehr restriktiv: Hier werden solche Autos nur noch in Ausnahmen zugelassen.

Müssen die sächsischen Firmen Angst vor dem Elektromotor haben?

"Es wird auf dem Automarkt einen Antriebsmix geben", erklärt Dirk Vogel, Projektmanager des Automobilnetzwerkes AMZ Sachsen. Das heißt, Verbrennungsmotoren werden noch ein bis zwei Jahrzehnte neben alternativen Varianten - Elektro, Gas Hybrid oder vielleicht per Brennstoffzelle oder Wasserstoffantrieb - existieren. Trotzdem dürften sich die Firmen nicht auf die faule Haut legen. Die Schwierigkeit bestehe darin, schon jetzt in neue Technologien zu investieren, um den Anschluss nicht zu verpassen, ohne ganz genau zu wissen, wohin der Weg gehe.

Anlagenhersteller und Dienstleister profitieren bereits

Nach seinen Angaben arbeiten in Sachsen derzeit vor allem Wissenschaftler, Anlagenhersteller und oder Dienstleister intensiv an neuen Zukunftskonzepten. So befassen sich im Freistaat mehr als 1.000 Forscher und Ingenieure in Hochschulen, Universitäten und Unternehmen mit dem Leichtbau für die Autoindustrie. Außerdem bieten Anlagenhersteller wie beispielsweise die Firma Karl Utz Sondermaschinen GmbH aus Limbach-Oberfrohna seit knapp zehn Jahren automatisierte Montagelinien für Batterien oder sogar für Brennstoffzellen an. Deshalb sind Anlagenhersteller ebenso wie Dienstleister schon aktuell mit dabei, wenn große Hersteller wie BMW oder Volkswagen ihre bestehenden Werke in Richtung Elektromobilität umrüsten.  

Industriemechaniker Kevin Landgraf von der USK Karl Utz Sondermaschinen GmbH prüft eine Montageanlage für die Automobilzulieferindustrie.
Industriemechaniker Kevin Landgraf von der USK Karl Utz Sondermaschinen GmbH prüft eine Montageanlage für die Automobilzulieferindustrie. Bildrechte: USK Karl Utz Sondermaschinen GmbH

Wie Vogel einschätzt, bietet sich für Zulieferer vor allem die Chance, die parallele Produktion von Verbrennungsmotoren und neuen Antrieben für die Neuausrichtung ihrer Betriebe zu nutzen. So erfordere ein Elektromotor zwar keine Getriebe. Aber mehr gebraucht werden Batterien, Elektro- und Elektronikteile, Chips, Kabel, Sensoren, Kameras oder IT-Lösungen für die digitale Produktion oder für autonomes Fahren. "Sie dürfen nicht zu lange zögern. Der Wettbewerb nimmt zu", so der Projektmanager. Nach seinen Angaben sind derzeit erst rund 20 bis 30 Prozent der sächsischen Zulieferer auf neuen Geschäftsfeldern aktiv.

Sächsische Automobilzulieferindustrie Nach AMZ-Angaben gibt es aktuell etwa 780 sächsische Zulieferunternehmen. Rund 360 davon sind klassische Teilelieferanten, die zum Teil auch selbst entwickeln. Hinzu kommen 180 Maschinen- und Anlagenbauer, weitere 180 Industriedienstleister sowie etwa 35 Forschungs- und Entwicklungsfirmen. Insgesamt sind in Sachsen 81.000 Menschen in der Automobilbranche tätig.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio| 21.09.2017 | Regionalnachrichten Chemnitz 14:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. September 2017, 17:40 Uhr

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2 Kommentare

22.09.2017 08:45 optinator 2

Der Wechsel der Antriebe wird sich langsam hinziehen. Probleme mit der Infastruktur und vieles mehr zeigen sich in der Praxis.
Die Unternehmen haben Zeit sich darauf einzustellen und zu reagieren.

21.09.2017 21:00 Unbegreiflich 1

"Delegationen aus Japan und USA"?

DIE FAHREN NOCH DORTHIN,
wo der Mob tobt?