500 Jahre Reformation Lutherjahr beweist: Chemnitzer haben nicht nur Marx im Kopp

Mit ihren Ideen haben Kirchenreformator Martin Luther und Kapitalismuskritiker Karl Marx die Welt verändert. Bestehende Gesellschaftssysteme wurden umgekrempelt, was ein bis heute anhaltendes Für und Wider auslöste. Man mag auch in Chemnitz unterschiedlich über beide denken, aber unbestritten ist, dass Luther und Marx zum Stadtbild gehören. Im Jubiläumsjahr der Reformation soll das auf vielfältige Art und Weise deutlich gemacht werden.

In der Chemnitzer Jakobikirche stehen eine blaue Martin-Luther-Skulptur und eine rote Karl-Marx-Figur als Werbung für die Angebote zum Reformationjubiläum.
Diese beiden witzigen Figuren von Luther und Marx werden in Kürze für die Reformationsfeierlichkeiten in Chemnitz werben. Bildrechte: MDR/Nora Kilenyi

Die Stadt Chemnitz beteiligt sich mit einer eigenen Veranstaltungsreihe namens "Luther & Marx" am Jubiläum "500 Jahre Reformation". In Kooperation von Evangelischer Kirche, Universität und Theater sind von Anfang April bis Mitte Juni ein Dutzend Aktionen geplant – von Lesungen und Konzerten über Stadtbegehungen bis hin zu philosophischen Betrachtungen.

Zwei "Superköpfe" ungewohnt erleben

Im Rahmen der Jubiläumsreihe gibt es durchaus schrille Angebote, um sich Luther und Marx zu nähern. Vielen Chemnitzern begegnen Abbilder der beiden Vordenker im täglichen Leben – ohne dass sie vielleicht davon Notiz nehmen.

An der Seitenwand der Chemnitzer Jakobikirche befindet sich ein Relief, das den Kirchenreformator Martin Luther darstellt.
Das Lutherbildnis an der linken Seite der Jakobikirche im Chemnitzer Stadtzentrum nehmen wohl nur wenige Leute im Vorbeigehen bewusst wahr. Bildrechte: MDR/Nora Kilenyi

Das Marx-Monument ist zweifellos unübersehbar. Aber es gibt noch zahlreiche Reliefs oder Skulpturen im Stadtgebiet. Das Chemnitzer Theater will auch diese unscheinbaren Zeugnisse hervorheben und schickt dazu Balletttänzer auf Stadtrundgang. Entlang der Denkmäler soll es verschiedene Performances geben.

Was Luther und Marx musikalisch verbindet, wird bei einer Veranstaltung im Park der Opfer des Faschismus vorgestellt. Dort ist ein Konzert geplant, das die Klangwelten von Luther und Marx vereint – will heißen, es musiziert ein Posaunenchor stellvertretend für die Kirchenseite mit einem Schalmeienorchester, das seinerseits "marxistische" Klänge intoniert.

Auch gibt es abgefahrene Themenabende. So wird an der TU Chemnitz beispielsweise Martin Luther als Leinwandheld beleuchtet. Im Mittelpunkt steht dabei der Filmwettstreit zwischen der BRD und der DDR von 1983, dem Jahr, als der 500. Geburtstag Luthers gefeiert wurde.

Wir gehen im Reformationsjubiläumsjahr, wo alle erwarten, dass bestimmte Töne angeschlagen werden, einen unkonventionellen Weg.

Literaturprofessor Christoph Fasbender, TU Chemnitz

Aha-Momente erhofft

Chemnitz ist zwar protestantisch geprägt, hat aber sonst keinen deutlichen Bezug zur Reformation. Daher wurde nach anderen Parallelen zu Luther gesucht.

Karl Marx Monument in Chemnitz
Das Karl-Marx-Monument von Chemnitz kennt jeder. Was ihn, die Stadt und Luther verbindet, wird bei den Reformationsfeierlichkeiten in Chemnitz vorgestellt. Bildrechte: IMAGO

Wie Pfarrer Stephan Brenner vom evangelisch-lutherischen Kirchenbezirk Chemnitz sagt, fand man mit Karl Marx das passende Gegenstück. Die Stadt trug schließlich über Jahrzehnte seinen Namen. "Luther verkörpert den Glauben, Marx den Atheismus. Aber beide Personen haben zu ihren Lebzeiten bestimmte Dinge ähnlich kritisch gesehen, zum Beispiel das Geld."

In den verschiedenen Veranstaltungen sollen eben solche Parallelen und Unterschiede beleuchtet werden. "Vielleicht bewirkt es beim ein oder anderen ein Aha-Erlebnis, in der Richtung: Das hab ich noch gar nicht gewusst", hofft Pfarrer Brenner.

Über dieses Thema berichtete MDR SACHSEN auch im Radio: MDR 1 RADIO SACHSEN | 20.03.2017 | 18:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. März 2017, 18:49 Uhr

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2 Kommentare

22.03.2017 13:58 Atze 2

@1 Schweiss Tränen...:
Am besten alles beim Alten lassen... So habe ich Sie verstanden. Richtig? --
Dass sich jetzt schon die Kirche Karl Marx' bedient, solche Not hätte ich nicht vermutet.
Abgesehen davon finde ich es gut, dass Marx wieder der Platz eingeräumt wird, der ihm zusteht. Idealismus und Materialismus und das alles im Lutherjahr.Was wuerde Martin Luther wohl dazu sagen, die Diskussion könnte interessant werden.Vielleicht wäre er 400 Jahre später zu Marx' Zeiten auch Materialist geworden? Er war doch eine kämpferische Natur.

21.03.2017 14:06 Schweiß, Tränen und vorallem viel böses Blut 1

Da ist es nur gut, daß bei den beiden Superköpfen die Wirkungsgeschichte meist nicht weiter thematisiert wird!