Die Klinkerbau-Außenfassade mit eingeschlagenen Fensterscheiben der Pölzig-Fabrik in Chemnitz
Das Pölzig-Areal steht seit Jahren leer. Jetzt kommt für kurze Zeit Leben in die alte Fabrik. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer

Zeitgenössische Kunst Chemnitzer "Begehungen" bringen Kunst in Fabrikruine

Wo früher DDR-Sportkleidung genäht wurde, wird jetzt Kunst gemacht. Zumindest für wenige Tage. Die 13. Auflage des Chemnitzer Festivals "Begehungen" hat das Pölzig-Areal als Austragungsort gewählt. Ein weiterer Versuch, auf vergessene Orte aufmerksam zu machen und gleichzeitig künstlerisch wiederzubeleben.

Die Klinkerbau-Außenfassade mit eingeschlagenen Fensterscheiben der Pölzig-Fabrik in Chemnitz
Das Pölzig-Areal steht seit Jahren leer. Jetzt kommt für kurze Zeit Leben in die alte Fabrik. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer

Eine alte Fabrik erwacht zu neuem Leben. Auf dem Chemnitzer Pölzig-Areal gegenüber vom Industriemuseum an der Zwickauer Straße wird am Donnerstagabend das 13. Kunstfestival "Begehungen" eröffnet. Unter dem Thema "TA Lärm" präsentieren bis zum Sonntag 21 nationale und internationale Künstler ihre modernen Arbeiten.

Raum für Interpretation

Die Kunstwerke sind teils ziemlich abgefahren und lassen dem Betrachter viel Spielraum. Es mag sich nicht sofort erklären, was beispielsweise ein von der Decke hängendes Gewebe aus filigranem Kupferfaden ausdrücken will. Das Gespräch mit dem Künstler ist ausdrücklich gewollt.

In einer leeren Werkhalle steht ein junger Künstler und malt mit Kohlestift blumenartige Bilder an einer Wand
Der Belgier Steven Baelen hat ganze Wände in ein Bild verwandelt. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer

Auf mehreren Etagen sind verschiedenste Arbeiten zu entdecken. Dabei sind Teile der leer stehenden Fabrik selbst zum Kunstwerk umgestaltet worden. So hat ein junger belgischer Künstler Wände einer Halle mit großflächigen Kohlezeichnungen versehen und dabei die abblätternde Farbe in seine Zeichnungen eingebaut.

Auch das Themenfeld "Lärm" wird unter anderem mit Klanginstallationen beleuchtet. Eine Künstlerin hat Naturgeräusche eingefangen, die im Großstadtlärm untergehen, und spielt diese laut ab. Die Natur soll damit für kurze Zeit wieder hörbar werden. Auch gibt es Konzerte, bei denen teils auf kuriosen Instrumenten musiziert wird. Genannt sei hier die "Nähmaschinenperformance" eines deutsch-japanischen Quartetts.

Kunst soll alle erreichen

Großen Wert haben die Veranstalter in diesem Jahr auf Barrierefreiheit gelegt. Der Begleitkatalog ist auch in Braille-Schrift erhältlich. Eine Gebärdensprachen-Dolmetscherin führt Gehörlose durch die Fabrik. Rollstuhlfahrer können die Ausstellung interaktiv erleben, in dem für sie Assistenten mit Headset und Kopfkamera durch die Ausstellungsräume gehen, während ihre Aufnahmen im Erdgeschoss auf Monitoren zu sehen sind.

Eine konkrete Erwartung an die Besucherzahlen haben die Veranstalter nicht. Jenseits der Tausend, hieß es von Mitorganisatorin Gabi Reinhardt. Sie geht davon aus, dass nicht nur Kunstinteressierte den Weg ins Pölzig-Areal finden. Das Gebäude habe eine industiergeschichtliche Bedeutung für Chemnitz. Auch dies locke mit Sicherheit Leute an.

Zuletzt aktualisiert: 18. August 2016, 15:37 Uhr

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