Menschen auf einer Straße
Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Chemnitz kommt! Gewühl auf dem Brühl

Der Chemnitzer Brühl hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Zu DDR-Zeiten eine der angesagtesten Adressen der Stadt, verkam er nach der Wende zum "Geisterboulevard". Seit einigen Jahren tut sich aber etwas - dank der Städtebauförderung und privatem Engagement.

Menschen auf einer Straße
Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Mit den Marketingslogans für Städte ist das so eine Sache. Jahrelang war "Leipzig kommt" der Werbespruch für die Messemetropole. Jetzt will Leipzig sogar das "better Berlin" sein. Wahrscheinlich ist der nächste Vergleichsmaßstab New York.

"Lärm ist besser als Stille"

In Chemnitz ist man da bescheidener. Die Stadt mit einem Neubauzentrum und vielen Industriebetrieben bezeichnet sich selbst als "Stadt der Moderne". Doch Modernität suchte man nach der Wende auf dem einstigen Prachtboulevard "Brühl" vergeblich. Vielmehr säumten die verwaiste Einkaufsmeile leere und heruntergekommene Mietshäuser. Doch seit einigen Jahren ändert sich das Bild.

Haus
Solche Fassaden gibt es auch noch - aber sie werden immer seltener. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Gerüste werden aufgebaut, Bagger wühlen die Straße auf und Baufahrzeuge lärmen den ganzen Tag. Für Barry Sloan eine wunderbare Sache. "Lärm ist besser als Stille", sagt der Nordire, der vor 17 Jahren nach Chemnitz kam. Sloan rief vor knapp drei Jahren mit einigen Mitstreitern die Initiative "Inspire" ins Leben. Die Freiwilligen-Initiative hat auf dem Brühl ein Begegnungszentrum, oder wie es Sloan bezeichnet, ein "großes Wohnzimmer". Dort gibt es ein buntes Programm von Konzerten internationaler Künstler, Sprachkursen für Chemnitzer und Zuwanderer, Studentenstammtisch oder "Whisky-Tastings". "Wir wollen wieder Leben ins Viertel bringen und eine Community der Leute die hier wohnen und arbeiten aufbauen. Die Resonanz ist super."

"Inspire" stiftet Ansporn-Stele

Mann hält Mikrofon
Barry Sloan freute sich, ein neues Kunstwerk auf dem Brühl präsentieren zu können. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Für den Sonnabend hatten sich die Inspire-Leute etwas ganz Besonderes ausgedacht. Sie enthüllten feierlich eine Stele vor ihrem Zentrum. Darauf steht "Wer auf den Wind achtet, der sät nicht, und wer auf die Wolken sieht, der erntet nicht". Das solle ein Ansporn für alle sein, die sich hier am Brühl engagieren, sagt Sloan. Und dieser Anspruch ist ganz im Sinne von Claudia Bieder. Sie hat ihr Büro einige Meter weiter und arbeitet für die Chemnitzer Stadtentwicklung GmbH.

"Brühlmanagement" als Ansprechpartner für alle

"Wir sind seit 2012 hier auf dem Brühl und koordinieren als Ansprechpartner für Anwohner und Gewerbetreibende die Maßnahmen der Städtebauförderung", sagt Bieder. Die Vision sei ein individuelles, kreatives Viertel, wo Jung und Alt zusammenleben. Und dafür arbeitet das "Brühlmanagement" mit allen eng zusammen. Doch die Anfänge sahen keineswegs rosig aus, erinnert sie sich. Über 50 Prozent der Gebäude standen leer. "Als ich den Job damals übernahm, stellte ich mich auf den Brühl und drehte mich einmal um mich selbst." Entweder geht das voll in die Hose oder es wird ein Riesenerfolg, war ihre Diagnose. Fünf Jahre später sind die Zweifel verschwunden.

Häuser
Am Brühl ganz dicht beieinander - Vergangenheit und Zukunft. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Inzwischen werden die Wohnungen knapp

Das bestätigt auch Verena Miros. Die Kunden- und Objektbetreuerin arbeitet bei der stadteigenen Grundstücks- und Gebäudewirtschafts-Gesellschaft (GGG). "Wir können gar nicht so viele Wohnungen anbieten, wie nachgefragt werden", sagt Miros.

Zwei Frauen stehen an einem Infostand
Der Brühl wird langsam wieder eine angesagte Adresse, das spürt auch Verena Miros (re.) von der GGG. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Auch auf die Eigentumswohnungen gebe es einen Ansturm. Scheinbar seien die Nähe zum Zentrum und der geringe Verkehr ein wichtiges Kriterium. Aber nicht nur Wohnungssuchende sind im Brühl-Fieber. Auch Gewerbetreibende haben die Adresse für sich entdeckt.  Das Café "Einbahnstraße" gibt es seit Anfang des Jahres. Uli Nabel und Petra Markert haben sich extra den Brühl ausgesucht. "Die Gegend hat Perspektive, wir können nicht klagen", sagt die Chefin. Auch Nabel, im Hauptberuf Tischler, ist begeistert: "Ich wollte schon immer eine eigene Kneipe haben. Der Brühl hat eine gute Lage und ich glaube sie wird immer besser."

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - das Sachsenradio | 13.05.2017 | Nachrichten ab 8:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Mai 2017, 19:10 Uhr

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