Ein Verkehrsschild 'Achtung Kinder' auf dem Fussweg vor einer Schule
Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Wegen Krankheit geschlossen Schüler der Comenius-Grundschule in Chemnitz müssen zu Hause bleiben

Ein Verkehrsschild 'Achtung Kinder' auf dem Fussweg vor einer Schule
Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Seit Mittwoch ist die Jan-Amos-Comenius-Grundschule im Chemnitzer Stadtteil Altchemnitz geschlossen. In einem Schreiben der Schulleitung an die Eltern hieß es, dass durch die Erkrankung von fünf der sieben Lehrkräfte der Schulbetrieb in den kommenden drei Tagen nicht durchgeführt werden könne. In dem Schreiben der Schulleitung heißt es auch, dass der versäumte Unterrichtsstoff nachgeholt werde. Gleichzeitig wurden die Eltern darin gebeten, ihre Kinder möglichst zu Hause zu betreuen.

Ein großes Schulgebäude, vor dem Autos parken.
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Nicht allen war das möglich, und so heute morgen erschienen trotzdem 20 der normalerweise 80 Schülerinnen und Schüler zum Unterricht. Eine Lehrerin und eine Referendarin übernahmen die Notbetreuung.

Das sagen betroffene Mütter: Die werden den Unterricht nicht nachholen. Ganz ehrlich, das schaffen sie nicht.

Ich finde es eine Sauerei, dass man das nicht auf die Reihe bekommt.

Man muss es doch hinbekommen, dass hier Lehrer zur Verfügung stehen. Wann soll der Unterricht nachgeholt werden, an einem Samstag?

Die Leute da oben müssen aufwachen. Es fehlen Lehrer ohne Ende.

Die Kinder werden jetzt nicht unterrichtet, obwohl in Deutschland Schulpflicht besteht.

Sächsische Bildungsagentur reagiert gelassen

Die Tür einer Schule mit der Aufschrift 'Jan - Amos - Cornelius - Grundschule'.
Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Die Sächsische Bildungsagentur, als verantwortliche Schulaufsichtsbehörde auch für den Lehrereinsatz zuständig, sieht die Situation gelassen. Lutz Steinert, Pressereferent der Chemnitzer Regionalstelle, fände es ideal, wenn man in einer solchen Situation Springer-Lehrer einsetzen könnte. Über die verfüge man aber leider nicht. "In der Regel schaut die Sächsische Bildungsagentur, ob es Lehrer an anderen Schulen gibt, die helfen könnten. Natürlich müssen die dann auch ausgeplant werden, weil wir ja damit an anderen Schulen Lücken reißen." So kurzfristig wie in diesem Fall, hätte sich kein Ersatz für die erkrankten Lehrer finden lassen können.

Petra Zais: Das ist nicht tolerierbar!

Petra Zais, die bildungspolitische Sprecherin der Grünen im Sächsischen Landtag, reagierte empört auf diese Maßnahme. Sie sagte, man könne solch eine Reaktion der Sächsischen Bildungsagentur auf Unterrichtsausfall nicht mehr tolerieren. "Wenn die Verantwortlichen für den Lehrereinsatz, die Sächsische Bildungsagentur und dahinter das Kultusministerium, nicht mehr in der Lage sind, das abzusichern, dann ist es - ich komme aus dem Erzgebirge - "weit nei bies". Für Nicht-Erzgebirger heißt das, schlimmer kann es kaum noch kommen.

Quelle: MDR/tfr

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch in Radio und Fernsehen: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 28.09.2017 | 13:10 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 29.09.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Oktober 2017, 18:06 Uhr

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7 Kommentare

29.09.2017 10:49 Irina 7

Da ist die Frau Kultusministerin Kurth gleich mal schnell zurückgetreten, allerdings aus persönlichen Gründen. Wers glaubt, wird selig, sie will nur keine Verantwortung übernehmen und ihre Altersversorgung ist so und so bestens gesichert.

29.09.2017 08:35 Harzer 6

Ob sich das in der freien Marktwirtschaft auch jemand leisten kann, wo es gilt, Verträge einzuhalten, 5 Leute krank, dann wird eben mal ein paar Tage pausiert.

29.09.2017 07:12 peter 5

Es ist ein unglaublicher Vorgang!!!Das gibt es ja nicht!!!
Das Recht auf Bildung wird hier den Kindern verweigert.
Die Bildungsagentur, besetzt mit unfähigen Bürokraten sehen das nicht so schlimm!Diese Arroganz, einfach "fourschbar".

Das Bildungssystem ist ein Witz und leider ist dieser Vorgang erst der Anfang

29.09.2017 06:38 Na so was 4

Kleiner Tipp für Alle. "Sächsische Zeitung" vom 29.09.2017, Dresdner Ausgabe. Seite 1: "Lehrermangel noch schlimmer als bisher bekannt" und der Kommentar "Geplanter Mangel", Seite 8: "Lehrermangel = Nachhilfe-Boom ?" und als Abschluß, Seite 15: "Original und Fälschung". Wer das alles durchgelesen hat, denkt vielleicht erstmal wie ich: "Das gibt´s doch gar nicht, haben die "Oberen" uns die vielen Jahre nur vera...scht ? Wer wie ich "gelernter DDR-Bürger" ist, kann da nur sagen, das hatten wir Alles schon mal. Wo es geendet hat, wissen wir auch. Und da regt sich die CDU auf, wenn sie in Sachsen bei der letzten Bundestagswahl nicht die Mehrheit der Stimmen hat ?

28.09.2017 21:07 Na so was 3

Laut Kultusministerin Frau Kurth (CDU) sind die Schulen in Sachsen gut ins Schuljahr 2017 / 18 gestartet. Wenn die Sächsische Bildungsagentur die drei Tage kompletten Unterrichtsausfall nicht so schlimm findet, dann Gute Nacht Bildungsland Deutschland. Wenn Eltern ihre Kinder unentschudigt zu Hause lassen und den Unterricht sozusagen "schwänzen", werden sie angezählt und darauf hingewiesen, dass in Deutschland die Schulpflicht bindend ist.
Das zählt anscheinend für die Bildungsagentur nicht.

28.09.2017 20:02 guantche 2

Deutschland im Jahr 2017. In diesem Land gilt die Schulpflicht,nur
die Lehrer hat man nicht. Die
Verantwortlichen gehören zur
Verantwortung gezogen, sie nehmen unseren Kindern das Recht
auf Bildung. Wo sind die Staatsanwaltschaften und wann
werden sie tätig?

28.09.2017 19:15 Marten Sasse 1

Hm, ist es jetzt eine "Commenius" - Grundschule, oder eine "Cornelius" - Grundschule, oder doch eher eine "Comenius" - Grundschule? Vielleicht noch mal recherchieren?

[Vielen Dank für den Hinweis. Die zuständigen Kollegen sind informiert. Herzliche Grüße aus der MDR.de Redaktion]