Ausgemustert Deutsche Bahn schickt Diesel-ICE endgültig in Rente

Sie sollten ab 2001 den Fernverkehr auf der Sachsen-Franken-Magistrale revolutionieren. Eine Pannenserie erreichte das Gegenteil. Am Sonntag schickt die Bahn ihre Diesel-ICE endgültig aufs Abstellgleis. Statt attraktiven Fernverkehr auf der Schiene zu bieten, begann mit den störanfälligen Diesel-ICE der Niedergang auf der traditionsreichen Strecke. Seit elf Jahren fährt gar kein Fernzug mehr zwischen Dresden und Nürnberg über Chemnitz. Reisende müssen Regionalzüge nehmen und in Hof umsteigen. Die Diesel-ICE waren zuletzt zwischen Norddeutschland und Dänemark unterwegs.

Ein Kind läuft an einem Plakat der Deutschen Bahn vorbei.
Schnell und bequem: Die Bahn wollte mit Diesel-ICE-Zügen auf der Strecke Nürnberg - Dresden mehr Fahrgäste anlocken. Doch die Züge konnten nicht überzeugen. Nach zwei Jahren war Schluss. Bildrechte: dpa

Am Sonntag setzt die Deutsche Bahn AG letztmalig einen ihrer Diesel-ICE der Baureihe 605 (ICE-TD) im Planbetrieb mit Fahrgästen ein. Die vierteiligen Triebwagen mit 195 Sitzplätzen und Bistro-Abteil sollten usprünglich ab 2001 den Fernverkehr auf der Sachsen-Franken-Magistrale zwischen Dresden und Nürnberg einen Aufschwung bringen. Doch es kam anders: Eine Pannenserie mit Problemen der Software und Neigetechnik sowie der Absturz eines Zuges auf einer Hubanlage im Bahnwerk Hof sorgten für Negativschlagzeilen. Diese gipfelten am 2. Dezember 2002 in der Entgleisung des ICE 1799 "Franken-Kurier" nach einem Achsbruch bei Gutenfürst im Vogtland. Die Züge wurden erst abgestellt, dann reaktiviert und rollten zuletzt nur noch in Norddeutschland.

Fünf Züge sind schon verschrottet

Ein Diesel-ICE der Deutschen Bahn fährt aus
Abgefahren: Am Sonntag ist letztmalig einen Diesel-ICE der Deutschen Bahn mit Fahrgästen unterwegs. Bildrechte: MDR/L. Müller

Zwischen Hamburg und Kopenhagen waren die Triebwagen recht unauffällig unterwegs, wurden auf der Vogelfluglinie mit Fährschiffen übergesetzt. Die Dänische Staatsbahn beteiligte sich am Betrieb der ICE-TD. Zuletzt waren vier Züge einsatzbereit. Nun will die Deutsche Bahn ihre Triebwagen aber endgültig loswerden und hat sie zum Verkauf ausgeschrieben. Eine Bahnsprecherin sagte, es liefen Verkaufsgespräche, zu denen man sich aktuell aber nicht detailliert äußere. Auf der DB-Gebrauchtzug-Börse im Internet ist die Baureihe 605 aktuell aber nicht mehr verzeichnet.

Von den ursprünglich 20 Zügen, die unter Federführung von Siemens entwickelt und produziert wurden, sind fünf Triebwagen bereits verschrottet. Man habe die Züge fachmännisch zerlegen lassen, um Ersatzteile für die verbliebenen Diesel-ICE zu sichern, hieß es. Die anderen nicht mehr benötigten Triebwagen sind im ehemaligen Fährhafen Mukran auf Rügen hinterstellt und werden dort neben anderen Eisenbahnfahrzeugen vom Stillstandsmanagement des bundeseigenen Verkehrskonzerns betreut. "Die qualifizierte Abstellung der Züge ist bis Mitte 2018 geplant. Wenn ein Verkauf bis dahin nicht vollzogen ist, wird über das weitere Vorgehen entschieden", erklärte die Pressestelle der Bahn. Eine Modernisierung sei nicht mehr wirtschaftlich, hieß es.

Regionalzüge ersetzten ICE-Triebwagen

Ein Diesel-Neigetechnik-Triebwagen der Baureihe VT 612 der Deutschen Bahn fährt als IC Dresden-Nürnberg auf der wiederhergestellten Sachsen-Franken-Magistrale
Umlackierte Regionaltriebwagen ersetzten auf der Sachsenmagistrale die Diesel-ICE. Bildrechte: dpa

Die Sachsen-Franken-Magistrale ist inzwischen von Dresden bis Hof elektrifiziert, bis 2013 endete die Fahrleitung noch am Oberen Bahnhof in Reichenbach. Fernzüge fahren allerdings schon seit 2006 nicht mehr. Wer heute zwischen Dresden und Nürnberg reist, muss Regionalzüge nehmen und in Hof umsteigen. Im Einsatz waren die durchgehend verkehrenden Diesel-ICE auf der steigungs- und kurvenreichen Strecke lediglich von Frühjahr 2001 bis Sommer 2003. Danach hatte das Eisenbahn-Bundesamt vorübergehend deren Stilllegung veranlasst. Die Bahn lackierte Regionaltriebwagen um und ließ diese als Intercitys fahren, was die Kunden verärgerte. Später setzte die Bahn nochmals kurzzeitig Diesel-ICE zwischen München und Zürich ein, bevor sie für einige Jahre abgestellt wurden.

Unterschiedlichen Quellen zufolge hatte die Betreuung während der Abstellung an verschiedenen Standorten pro Monat 50.000 bis 80.000 Euro gekostet. Regelmäßig mussten die ICE-TD leer bewegt werden. Ein geplanter Verkauf ins Ausland misslang seinerzeit. Zur Fußball-WM 2006 wurden die Züge schließlich wieder für Sonderverkehre auf DB-Gleisen aktiviert. Ab Ende 2007 fanden sie ihr neues Refugium im Dänemark-Verkehr. Einige Züge pendelten zwischen Berlin und Kopenhagen, andere nur zwischen Hamburg und Dänemark.

Letzte Fahrt am Sonntag

Ein Triebwagen der Dänischen Staatsbahn
Dänische Triebwagen ersetzen die Diesel-ICE zwischen Hamburg und Kopenhagen. Bildrechte: MDR/L. Müller

Die letzte Fahrt mit Baureihe 605 soll nun am Sonntag um 9:21 Uhr als ICE 1233 vom Hamburg Hauptbahnhof nach Kopenhagen Hauptbahnhof führen und am Abend als ICE 1230 gegen 22:23 Uhr in Hamburg wieder ankommen. Für die Hinfahrt meldet das Auskunftssystem der Bahn eine vollständig ausgebuchte 2. Klasse und "außergewöhnlich hohes Reisendenaufkommen", sodass eine Mitnahme nicht garantiert werden könne. Möglicherweise sind etliche Bahnfans bei der Abschiedsfahrt an Bord.

Ab Montag werden alle Züge zwischen Hamburg und Kopenhagen als Eurocity mit dänischen Triebzügen gefahren, die auch als "Gumminasen" bekannt sind.

Quelle: Deutsche Bahn/lam

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch in Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 29.09.2017 | ab 14:30 Uhr in den Regionalnachrichten Chemnitz

Zuletzt aktualisiert: 29. September 2017, 13:09 Uhr

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9 Kommentare

30.09.2017 22:26 Grosser Klaus 9

Na jetzt ist ja auf der Strecke zwischen Dresden und Hof genauso Schrott unterwegs, die Züge der Mitteldeutschen Regiobahn. Ich bin gespannt, wann diese wiedereinmal defekt sind.

30.09.2017 11:20 Christian 8

Die Entwicklung der deutschen Industrie. Siemens hatt mal wieder mehr versprochen als umgesetzt. Ich verstehe nicht warum hier viele auf die Bahn, aber niemand auf den Herstellern schimpft.

30.09.2017 10:46 Kay-Uwe Blaschka 7

Habe gelesen das die verbliebenen Diesel ICE nach Thailand verkauft werden

30.09.2017 03:41 Voss Christian 6

Ja der deutsche Steuerzahler hat es ja.
Es ist schon alleine eine Frechheit der Bahn das auf den Strecken von Nürnberg nach Dresden bzw nach Prag keine vernünftige oder nur minderwertige Verbindungen vorhanden sind.

29.09.2017 22:35 Patrick 5

So schlecht sind die Züge bestimmt, nicht die könnten sicher noch wo eingesetzt werden, bzw verkauft hätte ich das Kapital würde ich einen gebrauchten ICE gern kaufen

29.09.2017 20:03 Konduleit2 4

Fahrzeuge, die eine dreistellige Millionensumme gekostet haben, werden von der Bahn also einfach mal kurz auf den Schrott geschickt.

Aber wir haben es ja dicke. Wenn das Staatsunternehmen mal wieder Geld braucht: Der dumme Steuerzahler wird schon die nächsten Millionen hinterher schieben. Unglaublich. In der freien Wirtschaft hätte man die Verantwortlichen schon längst gefeuert.

29.09.2017 15:09 Terkentols 3

5 Stück sind schon auf dem Schrott?

Es sind insgesamt 20 Einheiten gebaut worden.
Die Bahn hat für den Auftrag damals 280 Millionen DM gezahlt.

Ab auf den Schrott damit ??

Das nächste Mal sollte man die Millionen lieber gleich im WC herunter spülen.

29.09.2017 15:00 Bahnfuzzi 2

Angesichts der erneut aufgetretenen Fahrzeugprobleme auf der Strecke Hamburg-Westerland sollte die DB prüfen, ob die drei noch fahrtüchtigen und erst kürzlich mit neuer Hauptuntersuchung versehenen ICE-TD nicht eine Weile im Sylt Verkehr aushelfen können ?

29.09.2017 12:50 Pattel 1

Wenigstens ist die DBAG bei der Verschrottung spitze.