Juniorchef Nils Graichen hält vor dem Stall eine Legehenne.
Juniorchef Nils Graichen blickt zuversichtlich in die Zukunft. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Glückliche Hühner in Zschaagwitz Eierproduzent setzt auf regionale Vermarktung

Während immer mehr Details über Hühnereier bekannt werden, die mit dem Insektizid Fipronil belastet sind, setzen regionale Erzeuger etwas dagegen. Einer von ihnen ist Nils Graichen, Juniorchef eines Geflügelhofes in Zschaagwitz bei Rochlitz. Er gewährte am Sonnabend den Besuchern Einblick in die Produktion von Eiern und Geflügel.

Juniorchef Nils Graichen hält vor dem Stall eine Legehenne.
Juniorchef Nils Graichen blickt zuversichtlich in die Zukunft. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Es geht auch anders, sagt Nils Graichen im Gespräch. Und meint damit die Haltung von Tieren im Geflügelhof in Zschaagwitz, den der 23-Jährige bald von seinem Großvater übernehmen wird. Um das den Verbrauchern zu zeigen, öffnete der gelernte Tierwirt für Geflügelhaltung am Sonnabend bei einem Hoffest auch die Tore zum Hühnerstall des Unternehmens. Er hatte viele Fragen zu beantworten, von der Haltung der Hühner bis hin zur Eierproduktion.

Viele Hennen sitzen in einem Hühnerstall.
Noch dürfen die Hennen nicht ins Freie. Erst nach zwei Wochen, wenn sie sich an den Stall gewöhnt haben, werden sie echte Freilandhühner. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

In Zeiten, in denen fast täglich Meldungen über mit dem Insektizid Fipronil belastete Eier zu lesen sind, gehörte dazu auch die Frage nach der Reinhaltung der Ställe. "Einmal im Jahr reinigt eine Spezialfirma den Stall mit Hochdruckreinigern. Den Rest erledigt eine überall auf den Anlagen aufgebrachte Silikatschicht, die für Tier und Mensch völlig unbedenklich ist, den Parasiten aber die Feuchtigkeit entzieht", sagt Graichen. Das sorge für ausreichenden Schutz. Problematisch sei eher die Zeit gewesen, als die Tiere wegen der Vogelgrippe nicht ins Freie durften. Das hätte zu Umsatzeinbußen geführt. Doch die Kunden seien verständnisvoll gewesen.

4.000 Hühnereier pro Tag

Eine junge Frau steht an einer Sortiermaschine mit Eiern.
Ohne technische Hilfe geht auch in diesem Betrieb nichts. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Mit seinen derzeit etwa 4.700 Legehennen gehört der Betrieb nicht zu den Großen der Branche. Doch auch hier gehört Technik zum Produktionsalltag. Neben automatischer Fütterung und Mistentsorgung gehört dazu auch das Sortieren nach Größe und das Stempeln mit dem Erzeugercode. Sieben Mitarbeiter sorgen für den reibungslosen Ablauf in der Produktion und im Vertrieb. Wenn alles nach Plan läuft, rollen etwa 4.000 Eier pro Tag über die Bänder des Geflügelhofs und werden auf den Weg zu den Abnehmern im Umland geschickt.

Weihnachtsgänse im Hochsommer

Eine weitläufige Wiese mit Bäumen, und Gänsen.
Für Stadtbewohner die pure Idylle, für den Geflügelhof Teil des Geschäfts: Die Produktion von Weihnachtsgänsen. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Auch Gänse haben ihr Zuhause auf dem Geflügelhof in Zschaagwitz. Weihnachtsgänse, die sich im Sommer auf der Wiese tummeln und die Sonne genießen. Die natürliche Haltung hat nicht nur für die Tiere Vorteile, erklärt Nils Graichen. Die Arbeit sei für die Mitarbeiter sogar leichter, weil man nur zufüttern müsse. Und als angenehmen Nebeneffekt ersparten sie auch das Rasenmähen auf den großen Flächen.

Regionale Produkte auf dem Vormarsch

Die Verbraucher achten zunehmend auf Produkte aus regionaler Produktion, so der Tenor der befragten Gäste. Viele gehören zu den Stammkunden des Hofladens oder beziehen ihre Eier von Märkten aus der Region. Dort werden die Produkte des Geflügelhofes genauso angeboten wie in kleineren Geschäften in der Umgebung. Aber auch zwei Supermärkte gehören mittlerweile zu den Abnehmern. Auch wenn der Betrieb im Preiskampf der großen Handelsketten nicht mithalten kann und will - eine langjährige Kundin brachte ihre Haltung zu regionalen Produkten in einem knappen Satz auf den Punkt. "Das kann man gar nicht mit Geld bezahlen, wenn man weiß, wo die Produkte herkommen und dass sie gesünder sind."

Eine Strohpuppe mit der Aufschrift Hofladen.
Die Verbraucher achten zunehmend auf Produkte aus regionaler Produktion. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Was bedeutet der Code auf dem Ei? 1. Code für das Haltungssystem

0 = Ökologische Erzeugung
1 = Freilandhaltung
2 = Bodenhaltung
3 = Käfighaltung

2. Ländercode (Herkunft)

Zwei Buchstaben für den EU-Mitgliedstaat, in dem das Ei produziert wurde, zum Beispiel:

AT = Österreich
BE = Belgien
DE = Deutschland
NL = Niederlande

3. Identifizierung des Betriebs

Jeder Mitgliedstaat hat ein System eingerichtet, mit dem Erzeugerbetrieben eine individuelle Nummer zugewiesen wird. Es können weitere Stellen angefügt werden, um einzelne Bestände/Ställe zu identifizieren.

Beispiel eines deutschen Erzeugercodes: 1-DE-0212341

Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Quelle: mdr/tfr

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 12.08.2017 | 16:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. August 2017, 16:56 Uhr

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