Rohstofferkundung aus der Luft Von Schatzgräbern zu Schatzscannern

Seit 2013 fliegen Hubschrauber über dem Gebiet um Geyer und suchen mittels elektromagnetischer Strahlung nach Rohstoffvorkommen. Nun präsentierten Forscher der Helmholtz-Institute Freiberg und Dresden erste Ergebnisse.

Schema Rohstoffsuche Geyerscher Wald
Bildrechte: Helmholtz Zentrum Dresden Rossendorf

Das Erzgebirge ist an manchen Stellen löchrig wie ein Schweizer Käse, heißt es. Denn unsere Vorfahren mussten sich ihren Weg in den Berg freihauen, um zu erfahren, ob es dort Rohstoffe gibt. Später dann konnten zumindest lokal an einer Stelle mittels Probebohrungen Erkenntnisse über die Gesteine unter der Erde gewonnen werden. Nun aber erproben Wissenschaftler der Helmholtz-Institute Freiberg und Dresden-Rossendorf seit ein paar Jahren ein Verfahren, das über elektromagnetische Strahlung funktioniert. Um die Rohstoffe aufzuspüren, kommt eine zehn Meter lange Sonde zum Einsatz. Sie reagiert auf elektromagnetische Signale aus dem Untergrund. Die Daten geben Aufschluss über die Leitfähigkeit der Bodenstoffe und damit auf die im Gestein verborgenen Erze. Anders als bei den seit Jahren praktizierten Erkundungsbohrungen greift die Rohstoffsuche per Hubschrauber nicht in den Boden ein und deckt die gesamte Fläche ab.

Daten aus bis zu 300 Metern Tiefe konnten die Mitarbeiter der Helmholtz-Institute sammeln. Auf einer Bürgerversammlung im Huthaus Geyer informierten sie am Donnerstagabend die Anwohner über den Zwischenstand ihrer Untersuchungen.

Vorkommen bislang nicht vielversprechend

Wie Uwe Meyer von der ebenfalls am Projekt beteiligten "Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe" MDR SACHSEN sagte, wurde tatsächlich etwas gefunden. Er spricht von längeren und größeren Anomalien im Untergrund. Die müssten nun allerdings noch mit den vorhandenen geologischen Daten abgeglichen werden. "Das heißt, wir wissen, da ist was im Untergrund, aber wir können noch nicht erklären, was es ist. Aber von den Strukturen her scheinen dort eventuell leichtere und größere Vererzungen vorzukommen."

Doch auch wenn genauere Ergebnisse erst nach dem Abgleich mit geologischen Erkenntnissen aus früherem Bergbau und Probebohrungen vorliegen, gehen die Wissenschaftler nicht davon aus, dass die Region demnächst - also in den nächsten 20 Jahren - von einem Berggeschrey betroffen werden könnte. Wenn Bergbauunternehmen hier nachschauen wöllten, würden sie nichts Großes hier finden, so die Experten.

Ein Mann steht vor einer Beamerleinwand in einem gut gefüllten Gasthaus und spricht mit Mikro vor den an Tischen sitzenden Zuhörern
Jens Gutzmer spricht vor über 100 interessierten Erzgebirgern. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi

Geyer soll Referenzgebiet werden

Die Bewohner der Region um Geyer werden dennoch weiterhin immer mal wieder Hubschrauber mit Messsonden herumfliegen sehen. Denn hier soll ein Referenzgebiet entstehen, verkündet Jens Gutzmer vom Helmholtz-Institut Freiberg. "Was wir gelernt haben durch die gesamte Aufnahme der geologischen und geophysikalischen Daten, dass wir jetzt eine Grundlage bieten können, die sich noch weiter vermarkten lässt. Sprich als ein Referenzgebiet für die Erkundung von Technologien", so Gutzmer. Solche Gebiete habe es bislang noch nicht gegeben, weder in Europa noch sonst wo in der Welt. "Wir haben ein sehr großes Interesse von internationalen Partnern, die sagen: 'Ja, richten wir solche Gebiete ein, dann können wir unsere Technologien validieren und damit eine wichtige Hürde nehmen, um neue Technologien für die Erkundung in den Markt hineinzubringen.'"

Das Referenzgebiet wird im Rahmen eines EU-Forschungsprojektes eingerichtet. Dafür stehen seit Anfang November gut 5,5 Millionen Euro Fördermittel zur Verfügung. Neben Geyer werden auch in Finnland und Spanien Referenzgebiete eingerichtet.

Schema Rohstoffsuche Geyerscher Wald
Das 110 Quadratkilometer große Gebiet um Geyer wurde systematisch mit Hubschraubern überflogen. Bildrechte: Helmholtz Zentrum Dresden Rossendorf

Quelle: MDR/nk

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.11.2017 | ab 05:30 Uhr in den Nachrichten aus dem Regionalstudio Chemnitz

Zuletzt aktualisiert: 10. November 2017, 20:22 Uhr

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