Kinderferienlager Chemnitzer Ferienprojekt droht Aus

Viele haben sie noch in Erinnerung: lustige Abenteuer, Museumsbesuche oder die erste Disko. Das waren die Höhepunkte für Tausende Kinder, die zu DDR-Zeiten im Sommer ins Ferienlager fuhren. Zwei Wochen Betriebsferienlager für 15 Mark, das ist lange vorbei.

Jungs an einem Strand
Urlaub ohne Eltern aber dafür mit guten Kumpels. Bildrechte: Kindervereinigung Chemnitz e.V.

Doch das Konzept, dass Kinder ohne ihre Eltern unter pädagogischer Betreuung ihre Ferienzeit verleben, hat seinen Reiz nicht verloren. Deshalb bietet die Kindervereinigung Chemnitz e.V. seit 26 Jahren ein in Sachsen einzigartiges Kinder- und Jugenderholungs-Programm an. "Das Konzept Ferienlager wollten wir auch nach der Wende weiterführen", sagt Arndt Hecker, Pressesprecher von "Die Verreiser", einem Projekt der Chemnitzer Kindervereinigung. Denn für die Kinder sei es wichtig, auch einmal Zeit ohne die Eltern unter Gleichaltrigen zu verbringen. "Das fördert die soziale Kompetenz und das Gemeinschaftsgefühl", so Hecker.

Jedes Jahr Hunderte Kinder im In- und Ausland

In all den Jahren haben laut Hecker etwa 30.000 Kinder und Jugendliche die preisgünstigen Reiseangebote genutzt. Dabei sind sowohl Ferienlager in der unmittelbaren Umgebung als auch im Ausland im Angebot. Denn die Kinder sollen, so sieht es das Konzept vor, bei den Reisen auch einen Blick über den Tellerrand werfen. Alle Reisen beinhalten erlebnispädagogische Angebote und werden von ehrenamtlichen Betreuern begleitet. Für ärmere Familien besteht die Möglichkeit, Zuschüsse vom Jugendamt und andere Vergünstigungen, z.B. aus dem Bildungspaket zu beantragen. Mehr als 700 Kinder und Jugendliche pro Jahr verbringen ihre Ferien in etwa 20 Ferienlagern.

Ohne Zuschüsse steht das Projekt vor dem Aus

In all den Jahren wurde das Projekt der Kindervereinigung von der Stadt Chemnitz finanziell unterstützt. Und jedes Jahr gab es einen neuen Kampf und Diskussionen um Zuschüsse. Für das nächste Jahr sollen die Verreiser von der Stadt 75.000 Euro bekommen.

Arndt Hecker
Vereinssprecher Arndt Hecker sieht das Projekt gefährdet. Bildrechte: Kindervereinigung Chemnitz e.V.

Doch das ist laut Hecker zu wenig. "Wir hatten ursprünglich 137.000 Euro eingeplant, uns dann aber auf eine Kompromiss-Summe von 105.000 Euro verständigt." Mit weniger Geld könne man die zwei festen Mitarbeiter und den enormen Organisationsaufwand nicht stemmen. Um die Reisen für das nächste Jahr sicherzustellen, wollen die Vereinsmitglieder in den nächsten Wochen Kontakt mit allen Stadtratsfraktionen aufnehmen. Denn im Januar will der Stadtrat über den Zuschuss entscheiden.

Um den Stadtrat davon zu überzeugen, die noch die nötigen 30.000 Euro zu bewilligen, haben Freunde und Mitstreiter der Kindervereinigung Chemnitz eine Unterschriftenkampagne gestartet. "Mit der Onlinepetition hoffen wir, dass die Stadt sieht, wie anerkannt und wichtig das Projekt für diese Stadt ist", so Hecker.

Zuletzt aktualisiert: 27. November 2016, 15:54 Uhr

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9 Kommentare

29.11.2016 13:39 Neukirchner 9

Das ist nicht " Stadt der Moderne " sondern
zur Zeit Stadt der Kriminalität.
Leipzigerstr. / Reichsstr. u s w. verkommene
Häuser , besser wäre gewesen " Chemnitz das Tor zum Erzgebirge "

28.11.2016 20:33 Cornelia 8

Chemnitz, Stadt der Moderne? Frau OBin Ludwig, sind da Kinder und ihre Bedürfnisse nicht vorgesehen? Wenn das wirklich so ist, muß man doch Chemnitz statt Moderne sagen. Oder?

28.11.2016 18:07 Julia Hübner 7

Es wäre unheimlich traurig, wenn dieses Projekt stirbt! Ich selbst war als Jugendliche mehrfach mit der "KV" unterwegs und es war sehr schön. Es wäre eine Schande für die Stadt Chemnitz das Projekt wegen läppischer 30.000 € zugrunde gehen zu lassen! So viele Menschen erregen sich darüber, dass die heutige Jugend nur noch vor dem PC oder TV rumhängt - aber welche Alternativen gibt es denn, wenn an allen Stellen in der Jugendarbeit gekürzt wird???

28.11.2016 13:16 Tamara Kaderschafka 6

Und wieder bleibt kein Geld für die Zukunft unserer Kinder. Denken die "Politiker" auch mal weiter? Denke nicht, solche Personen haben bestimmt keine gute Beziehung zu ihren Enkelkindern.bzw. deren Freunden. Machen sie doch bitte die Auge weit auf !

28.11.2016 12:20 Neukirchner 5

Ist doch vollkommend in Ordnung, es ist eine Schande für die Wirtschaftsfl. 80. Milliarden zu haben und für das Stadium 25 Millionen zu haben aber für die Kinder keinen Cent !!!!!!!!!!!!!

Es ist ein totaler Raubkapitalismus, meine Eltern drehen sich im Grab rum, die diesen Staat mit aufgebaut haben. Aber nicht vergessen Merkeln alle wählen ...................................

28.11.2016 11:58 Nachdenkliche 4

Wenn ich solche Meldungen lese, geht mir die Hutschnur hoch. Wir lamentieren darüber, dass unsere Kinder immer mehr aus der Spur geraten und hier muss ein Kinder- und Jugendprojekt um Zuschüsse betteln und feilschen. Hier geht es auch um benachteiligte Kinder. Sachsens Kommunen haben doch bewiesen, dass es aus den Stand möglich ist Gelder locker zu machen. Warum denn hier nicht?

28.11.2016 10:02 Werner Brudebesch 3

Wenn man diese Meldung liest und gleichzeitig die Diskussion um die "finanzielle Schieflage" des CFC verfolgt, muss man sich wirklich fragen, was im städtischen Oberstübchen nicht ganz sauber läuft!

28.11.2016 09:05 Alex 2

Irgendwie stehen die jüngsten Jubelmeldungen über den (mal wieder)unerwartet hohen Steuerüberschuss des Landes Sachsen im krassen Gegensatz zu den immer stärker werdenden Sparmaßnahmen der Kommunen.Wohin gehen denn die Überschüsse?

27.11.2016 22:18 Atze 1

Es geht um 30.000 Euro! Und wieviel wird die Stadt wegen der Misswirtschaft des Fussballs zuschustern muessen?