Chemnitz : Geisterfahrer muss sich vor Gericht verantworten
Ein 25-Jähriger aus Döbeln muss sich seit Montag wegen versuchten Totschlags vor dem Chemnitzer Landgericht verantworten. Der Mann soll versucht haben, mit einer Geisterfahrt sich und seine Freundin umzubringen, weil die noch mit ihrem Ex-Freund Kontakt hatte. Obwohl er bei Roßwein gezielt in den Gegenverkehr raste, überlebte die junge Frau verletzt. Auch der Fahrer des entgegenkommenden Fahrzeugs überlebte den Unfall. Die Tat ereignete sich am 16. Juli 2012.
Der spätere Geisterfahrer war mit seiner Freundin in Streit geraten, während sie im Auto saßen. Danach sei er auf einer Landstraße in der Nähe von Döbeln beabsichtigt in den Gegenverkehr gerast. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm daher Vorsatz vor. "Der Angeklagte hat bewusst und gewollt die Kollision verursacht. Und zwar in der Absicht, sich und seine Freundin auf dem Beifahrersitz umzubringen. Zudem hat er billigend den Tod des entgegenkommenden Fahrers in Kauf genommen", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Freundin, die als Nebenklägerin auftritt, hat dem Angeklagten inzwischen verziehen, entlastet ihn aber im Prozess nicht.
Schwerpunkte sind Städte im Westen
Rund 2.000 Geisterfahrer registriert der ADAC jährlich auf deutschen Autobahnen. Knapp die Hälfte sind an den Wochenenden und nachts unterwegs, wie eine Auswertung von Falschfahrer-Warnmeldungen des Automobilclubs ergab. Zudem sind Meldungen von Geisterfahrern in Deutschland regional sehr unterschiedlich verteilt. In den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen sowie im Saarland und in städtischen Regionen kommt es häufiger zu Geisterfahrten als anderswo. Das liegt daran, dass dort die Verkehrsdichte und die Häufigkeit von Zu- und Abfahrten höher sind. In den ostdeutschen Bundesländern werden seltener Geisterfahrer gemeldet, weil dort die Autobahnen neu, modern und übersichtlicher gebaut sind.
Allerdings sind schwere Unfälle mit Falschfahrern selten. Die Zahl der Todesopfer bleibt mit etwa 20 pro Jahr seit 2009 weitgehend konstant, wie es in der Erhebung des ADAC heißt. Das sind etwa vier Prozent der Verkehrstoten auf Autobahnen.
Was tun gegen Geisterfahrer?
Gegen absichtliche Geisterfahrten gibt es laut Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer kein Patentrezept. Krallen in der Fahrbahn von Auf- und Abfahrten seien daher wenig geeignet und teuer. "Viele Geisterfahrer fahren absichtlich in die falsche Richtung. Aus unterschiedlichen Motiven: Zeitersparnis, Mutprobe, Suizid. Da nützt auch eine Metallkralle nichts", sagte er der Zeitschrift "Auto, Motor und Sport".
Nach Ansicht des Auto Club Europa (ACE) liegt der Fall bei Fahrern, die die Orientierung verlieren, anders. Hier versuchen die Verkehrsplaner mit Projekten das Problem zu bekämpfen, zum Beispiel mit neuen und größeren Hinweisschildern. Vereinzelt stehen in Bayern an besonders gefährdeten Autobahnauffahrten der A8 und der A3 neongelbe reflektierende Tafeln mit einem Handsymbol, das vor Falschfahrten warnt. Dieses Pilotprojekt ist im Jahr 2010 gestartet und soll bei Erfolg bundesweit ausgedehnt werden.
Der ADAC hat einige Verhaltensregeln aufgestellt, mit der Sie die Gefahr eines Unfalls mit einem Geisterfahrer deutlich verringern können:
- Verringern Sie Ihre Geschwindigkeit und fahren Sie im Verkehrsfluss weiter (bleiben Sie NICHT stehen, dadurch gefährden Sie die Fahrer hinter sich).
- Fahren Sie auf dem rechten Fahrstreifen und überholen Sie nicht.
- Wenn Sie sich unsicher fühlen, fahren Sie gegebenenfalls den nächsten Parkplatz an oder nutzen Sie die nächstgelegene Abfahrt.
- Behalten Sie den Seitenstreifen im Auge, um notfalls auf diesen ausweichen zu können.
- Hören Sie aufmerksam den Verkehrsfunk, um zu erfahren, wann die Gefahr vorüber ist.
Wenn Sie versehentlich selbst zum Falschfahrer werden, können Sie Schlimmeres verhindern, wenn Sie sich an diese Hinweise halten:
- Schalten Sie sofort Licht und Warnblinkanlage ein.
- Fahren Sie umgehend an den nächstgelegenen Fahrbahnrand. Steigen Sie vorsichtig aus und stellen sich hinter die Leitplanke.
- Rufen Sie die Polizei unter dem Notruf 110 an und warten Sie auf Hilfe.
- Versuchen Sie NICHT zu wenden.
- Versuchen Sie NICHT auf den gegenüberliegenden Standstreifen zu gelangen.
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