Thüringer Standort der Solarworld AG in Arnstadt.
Nur 466 der ursprünglich 1.700 Mitarbeiter der Solarworld AG werden weiterbeschäftigt. Bildrechte: dpa

Außerordentliche Versammlung Gläubiger stimmen Verkauf von Solarworld zu

Thüringer Standort der Solarworld AG in Arnstadt.
Nur 466 der ursprünglich 1.700 Mitarbeiter der Solarworld AG werden weiterbeschäftigt. Bildrechte: dpa

Die Gläubiger des insolventen Solarworld-Konzerns haben einem Verkauf der beiden deutschen Werke in Freiberg und Arnstadt zugestimmt. Das entschieden sie am Freitag auf einer Gläubigerversammlung in Bonn.

Nach Aussage von Teilnehmern der nichtöffentlichen Sitzung soll der Insolvenzverwalter Horst Piepenburg den Gläubigern die Situation sehr eindringlich beschrieben haben. Demnach hätten sie keine Chance gehabt, auch nur einen Cent aus der Insolvenzmasse zu sehen, wenn sie ihre Zustimmung zu dem Deal verweigert hätten.

Alter Chef steht an der Spitze der neuen Firma

Käufer der Chipfabriken ist die neu gegründete Solarworld Industries GmbH, deren Geschäftsführer der Solarworld-Gründer Frank Asbeck ist. In dem neu gegründeten Unternehmen ist die Übernahme von 183 der ehemals 700 Mitarbeiter im thüringischen Arnstadt geplant. Am sächsischen Standort Freiberg sollen von den derzeit 1.000 Angestellten 283 ihre Jobs behalten. Für alle anderen Beschäftigten ohne Aussicht auf Übernahme wird eine Transfergesellschaft gegründet, die bis Februar 2018 Mitarbeiter qualifizieren und in neue Jobs vermitteln soll.

Freibergs OB Krüger: Schwierige Situation

Sven Krüger, Oberbürgermeister von Freiberg
Der Oberbürgermeister von Freiberg, Sven Krüger, kommentierte die Entscheidung verhalten. Bildrechte: MDR/Sven Krüger

Freibergs Stadtoberhaupt Sven Krüger kommentierte die Bonner Entscheidung verhalten. "Auf der einen Seite bin ich froh, dass es weitergeht und dass knapp 300 Arbeitsplätze erhalten werden. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch ein hoher Preis, den die Mitarbeiter bezahlen müssen. Fast 1.000 Arbeitsplätze gehen vor Ort verloren. Das ist eine schwierige Situation sowohl für die Betroffenen, als auch für uns als Stadt Freiberg." Solarworld sei der letzte verbleibende Anbieter marktreifer Solar-Technologie mit kompletter Produktionskette in Europa, sagte Krüger. Er hoffe, dass der Standort Freiberg eine lange Zukunft habe.

Wirtschaftsminister Dulig: Standorterhaltung ist ein wichtiger Schritt

Martin Dulig
Der sächsische Wirtschaftsminister Martin Dulig bewertete die Entscheidung der Gläubigerversammlung positiv. Bildrechte: dpa

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig begrüßt das positive Votum der Gläubigerversammlung. Damit seien der Standort Freiberg und auch die bereits beschlossene Transfergesellschaft gesichert. Es sei wichtig, eine zukunftsweisende Branche in ihrer gesamten Wertschöpfungskette mit Produktion und Forschung zu erhalten. "Jetzt geht es darum, dass man aus dieser Chance etwas macht." Dulig kündigte schnelle Gespräche mit Investor Frank Asbeck an.

Frank Asbeck will die Belegschaft informieren

Solarworld-Geschäftsführer Frank Asbeck wiederum will sich nach Informationen von MDR SACHSEN am kommenden Mittwoch in Freiberg den Fragen der Belegschaft stellen. Seit der Insolvenz des Unternehmens vor drei Wochen hatte es keinen persönlichen Kontakt mit den Mitarbeitern gegeben.

Zudem wurde bekannt, dass ein Unternehmen aus den USA am Freitag gegen den Verkauf von Solarworld Beschwerde eingelegt hat. Eine Anerkennung als Gläubiger hat das Unternehmen in Deutschland bisher jedoch nicht. Ob diese Beschwerde daher Auswirkungen auf den Solarworld-Verkauf hat, ist unklar.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch in Radio und Fernsehen: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.08.2017 | 15:30 Uhr
MDR Sachsenspiegel | 11.08.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/dpa/tfr

Zuletzt aktualisiert: 11. August 2017, 21:43 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

1 Kommentar

11.08.2017 22:14 Peter Finken 1

Das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen.Um den US Gläubiger loszuwerden geht Solarworld pleite. Der verliert damit evtl. 800 Mio Dollar, und 1500 Mitarbeiter in Arnstadt und FREIBERG Ihren Job, Herr Asbeck lässt sich feiern als Retter und neuer Geschäftsführer mit Geld aus Katar.
Und Herr Dulig hat nichts besseres im Sinn als das gutzuheissen!
Ein Unding!